Deutsche Bank Paul Achleitner tritt zur richtigen Zeit ab

Paul Achleitner tritt als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank. Letztlich auf dem Höhepunkt seines Schaffens.
Paul Achleitner tritt als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank. Letztlich auf dem Höhepunkt seines Schaffens.
© IMAGO/agefotostock
Zehn Jahre lang stand Paul Achleitner an der Aufsichtsratsspitze der Deutschen Bank. Einfach war das selten. Jetzt tritt er ab und beweist damit gutes Timing

Das hätte schiefgehen können. Lange sah es so aus, als würde in der Amtszeit Paul Achleitners als Chef-Kontrolleur der Deutschen Bank die Wende zum Besseren nicht gelingen. Immer neue Rechtsstreitigkeiten aus früheren Skandalen, hohe Umbaukosten und schwache Erträge drückten den Aktienkurs von Deutschlands größter und wichtigster Bank nach unten. Wäre der heute 65-jährige Österreicher früher als mit der heutigen Hauptversammlung abgetreten, so wie es seine Kritiker immer wieder forderten, wäre er mit jeder Menge Blessuren von dannen gezogen. Wäre! Ausgerechnet im letzten Jahr als Aufsichtsratschef kam die Wende, die er sich gewünscht hatte, um mit einem Erfolg zu gehen.

Ja, das operative Geschäft von Aktiengesellschaften verantwortet der Vorstand. Im Falle der Deutschen Bank war die Lage zuletzt anders. Dem Chefaufseher fiel in den turbulenten Zeiten eine besondere Verantwortung zu. Achleitner, der sich vor seinem Wechsel in die Zwillingstürme an der Frankfurter Taunusanlage als Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs und anschließend als Finanzvorstand des Versicherungsriesen Allianz verdingte, hatte den Chefsessel des Deutsche-Bank-Aufsichtsrats übernommen, um die Bank in Richtung Erfolg zu drehen.

Lange Zeit ein Gesicht der Krise

Einfach war das nicht. Immer wieder wurde er auf Hauptversammlungen für die schlechte Performance der Vorstände kritisiert und beschimpft. Kein Wunder: Die Aktionäre waren frustriert, weil der Aktienkurs immer weiter nach unten sackte. Dabei hatte Achleitner mit seinem Wechsel nach Frankfurt nicht nur die Führung des Aufsichtsrats übernommen, sondern auch jede Menge Probleme: Skandale und Rechtsstreitigkeiten in Milliardenhöhe, dümpelnde Geschäfte. Der Chefaufseher wirkte angezählt.

Aber Achleitner biss sich durch. Drei Vorstandschefs entließ er. Ganze Managergenerationen stellte er kalt. Dann installierte er Christian Sewing. So wie es bislang aussieht, war das ein Glücksgriff. Für die Bank und für Achleitners Bilanz als Aufsichtsratschef. Das Geldhaus meldete für das vergangene Jahr einen Gewinn von 1,9 Milliarden Euro - und damit so viel, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Aktionäre bekommen wieder eine Dividende. Viele der Altlasten sind Geschichte. Das vormals schlechte Rating auch. 

Rekord-Chefaufseher

Achleitner hat seine Kritiker eines Besseren belehrt. Er kann erhobenen Hauptes gehen - und sogar mit einem Rekord. Denn länger als die von Achleitner absolvierten zehn Jahre machte es kein anderer Deutsche-Bank-Chefaufseher. Nicht mal der legendäre Deutschbanker Hermann Josef Abs.

Mit der Hauptversammlung übernimmt der 61-jährige Niederländer Alexander Wynaendts die Führung des Aufsichtsrats. Dem früheren Investmentbanker eilt der Ruf voraus, den niederländischen Versicherungskonzern Aegon stabilisiert und zu neuer Blühe verholfen zu haben. Eine Expertise, die auch die Deutsche Bank in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten gut gebrauchen kann.

Dieser Beitrag ist zuerst auf n-tv.de erschienen.


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