Daniel Wruck Ein mysteriöser Strippenzieher und seine Deutsche-Bank-Selfies

Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt
Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt
© IMAGO / Westend61
Wer ist Daniel Wruck? Der Frankfurter Geschäftsmann verfügt offenkundig über sehr gute Kontakte zur Führungsebene der Deutschen Bank. Doch die Verbindung zu Wruck bringt viele in der Finanzelite zunehmend in Verlegenheit

Auf Selfies und Schnappschüssen mit der ersten Riege der Deutsche Bank AG taucht seit ein paar Jahren ein wenig bekannter Geschäftsmann auf: Daniel Wruck, im Hauptberuf Inhaber einer Trockeneisfirma in einem Industriegebiet bei Frankfurt. Still und heimlich ist er zu einem wichtigen Frankfurter Strippenzieher geworden. Bilder zeigen ihn mit Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing in New York und beim Kaiserschmarrn-Verspeisen mit DWS-Chef Asoka Wöhrmann.

Auch mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner ist Wruck zu sehen, und mit dem früheren obersten Investmentbanker der Deutschen Bank, Marcus Schenck. Und seine Kontakte gehen weit darüber hinaus: Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch gehört ebenso dazu wie die Industrielle Catherine von Fürstenberg-Dussmann und der Fintech-Unternehmer Omar Selim. Das zeigen Fotos und E-Mails, die Bloomberg News vorliegen, und das ergibt sich aus den Berichten von Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind und lieber anonym bleiben möchten.

Doch eine Reihe von Ereignissen sorgt dafür, dass die Verbindung zu Wruck viele in der Frankfurter Finanzelite zunehmend in Verlegenheit bringt. Wie Bloomberg vor einigen Wochen berichtete, schauen sich deutsche Ermittlungsbehörden an, ob sich die Verbindungen zwischen Wruck und Wöhrmann unzulässig auf Geschäftsabschlüsse auswirkten. Ob gegen einen der beiden ein formelles Verfahren läuft, ist unklar. Am Dienstag berichtete der Spiegel, dass fünf deutsche Kreditinstitute, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, zwischen 2018 und 2021 rund 20 Geldwäschekontrollen im Zusammenhang mit Wruck durchgeführt haben.

Überschaubare Erfolge

Die Vorfälle werfen die Frage auf, wie es Wruck gelungen ist, ein derartiges Netzwerk von Kontakten aufzubauen und sich selbst zu einem wichtigen Akteur bei Millionendeals zu machen – und warum die Deutsche Bank und andere mit ihm zusammengearbeitet haben.

Wirklich beeindruckend scheint Wrucks Bilanz als Vermittler und Co-Investor gar nicht zu sein. In den letzten Jahren war er, soviel ist bekannt, an drei Unternehmen beteiligt: dem Autofinanzierer Auto1 Fintech, dem Nachhaltigkeitsdaten-Spezialisten Arabesque, und E.Go Mobile, einem Hersteller von Elektroautos. Keines dieser Unternehmen ist gut gelaufen.

Wruck und DWS lehnten Stellungnahmen für diesen Artikel ab. Die Deutsche Bank wollte sich zu den meisten Punkten nicht äußern, sagte aber, Achleitner sei kein Geschäftspartner von Wruck. Schenck gab keinen Kommentar ab. Koch – der frühere CEO des Industriekonzerns Bilfinger, für den Wruck als Berater tätig war – bestätigte, dass er bei den Geschäften mit Auto1 Fintech und Arabesque rechtlich beratend tätig war. Er bestritt aber, ein Geschäftspartner Wrucks zu sein.

Autocrash

Auto1 Fintech war für die Beteiligten besonders schmerzhaft. Bis 2017 zapfte Wruck sein Netzwerk an, um ein Konsortium von Investoren zusammenzustellen. Das Geschäftsmodell zielte darauf ab, Händlern über die Gebrauchtwagen-Website Auto1.com Finanzierungen zur Verfügung zu stellen. (Auto1 Fintech ist inzwischen nicht mehr mit Auto1 verbunden.)

Die Deutsche Bank und eine Sparte der Allianz kamen an Bord, ebenso Fürstenberg-Dussmann, einige Risikokapitalfirmen und Bensen Safa, ein wenig bekannter Geschäftsmann, dem eine nordzyprische Bank und ein Handelsfinanzierungsunternehmen mit Sitz in Dubai gehörten. Wruck vermittelte Treffen, um die Parteien zusammenzubringen, wie E-Mails zeigen und beteiligte Personen bestätigen.

Auch seine Beziehung zu Wöhrmann, der zu dieser Zeit die Privatkundensparte der Deutschen Bank leitete, wurde enger. Wruck bot Wöhrmann etwa an, beim Kauf eines Porsches zu helfen. Wöhrmann überwies deshalb 160.000 Euro an Wruck, die dieser später zurückgab, weil aus dem Kauf nichts geworden war.

Wöhrmann war von der Auto1-Fintech-Transaktion begeistert. „Der A1-Deal sollte jetzt mit Priorität behandelt werden“, schrieb er 2018 in einer E-Mail an Nazim Cetin, CEO von Allianz X, der Digital-Investment-Tochter des Versicherers. „Und Lärm vom Deal fernhalten.“ Wruck sei er dankbar. „Daniel, vielen Dank“, schrieb Wöhrmann in einer E-Mail 2018 von seiner privaten Adresse, nannte Wruck den „Vater dieses Deals“ und versicherte ihm, dass man ohne ihn nicht abschließen werde.

Deutsche Bank und Allianz hatten ihr Investment im Juni 2018 angekündigt. Das Vorhaben blieb jedoch glücklos. Die beiden Firmen stiegen schließlich aus Auto1 Fintech aus und verloren Millionen, wie damit vertraute Personen berichteten.

Der Vater, ein saudischer Prinz?

Ein Teil von Wrucks Anziehungskraft liegt in seinen Verbindungen zu zahlungskräftigen Investoren aus dem Nahen Osten, darunter dem Public Investment Fund Saudi-Arabiens und dem dortigen Königshaus. Im Interview mit dem Manager Magazin in dieser Woche berichtet Wruck, sein Vater sei ein saudischer Prinz.

E.Go ist mit großen Erwartungen gestartet, doch das Unternehmen strauchelte in der Pandemie
E.Go ist mit großen Erwartungen gestartet, doch das Unternehmen strauchelte in der Pandemie
© IMAGO / Jochen Tack

Sein Engagement bei E.Go, einem von Günther Schuh gegründeten Elektroautohersteller, zeigt jedoch, dass diese Verbindungen nicht immer von Erfolg gekrönt sind. Unter Schuh hatte E.Go Hunderte von Millionen Euro eingesammelt, brauchte aber Ende 2018 mehr Geld. Wruck sagte Schuh, er könne seine Verbindungen nutzen, um mehr als 100 Mio. Euro aus dem PIF zu beschaffen, so eine Person mit direkter Kenntnis der Gespräche.

Im Laufe des Jahres 2019 wiederholte Wruck das Versprechen immer wieder, und vermittelte Kontakte, die beeindruckend wirkten. Laut der Person versprach Wruck eine Verbindung zum ehemaligen Siemens- Chef Klaus Kleinfeld herzustellen, sowie zu Dieter Haller, dem früheren deutschen Botschafter in Riad.

Laut einem Sprecher Kleinfelds sei dieser zwar zur Finanzierung von E.Go kontaktiert worden, dies habe aber nichts mit Wruck zu tun gehabt. Er sei „überrascht“ gewesen, dass Wruck bei einem späteren Treffen aufgetaucht sei, sagt der Sprecher. Zwischen den beiden geben es „keine Beziehung“. Haller reagierte nicht auf Bitten um eine Stellungnahme.

Aus Wrucks Finanzierungsangeboten wurde letzten Endes nichts, und E.Go ließ seine Pläne fallen, über ihn Geld zu beschaffen. Das Unternehmen meldete 2020 Insolvenz an und wurde verkauft.

DWS und Arabesque

Und noch ein weiteres Unternehmen mit Verbindungen zu Wruck stellte sich für deutsche Top-Adressen als durchwachsenes Investment heraus: die Arabesque Group. Gegründet unter anderen vom früheren Barclays-Banker Omar Selim, wurde sie zunächst als ESG-Fonds aufgesetzt, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Die Firma schwenkte dann um auf Big-Data-Analyse und künstliche Intelligenz.

Die DWS investierte 2020 in das Projekt Arabesque AI. Es sollte Künstliche Intelligenz zur Vorhersage von Aktienkursen nutzen. Kurz zuvor hatte die DWS bereits gemeinsam mit Allianz, Commerzbank und dem Land Hessen 20 Mio. Dollar in ein anderes Projekt namens Arabesque S-Ray investiert, bei dem es um Unternehmensbewertung auf Basis von Daten und ESG-Kennzahlen ging.

Wruck nahm angeblich an einer Präsentation von Arabesque mit potenziellen Geschäftspartnern teil und benutzte offenbar Arabesque-Visitenkarten, die ihn als Partner nannten. Mit Arabesque-Gründer Selim ist er auf Fotos mit Wöhrmann, Sewing und Achleitner zu sehen – manchmal in Restaurants, manchmal vor einem Logo der Deutschen Bank. Arabesque lehnte eine Stellungnahme für diesen Artikel ab. In einer früheren Stellungnahme hatte die Firma mitgeteilt, Wruck habe weder Arabesque bei der DWS noch deren leitende Angestellte bei Wöhrmann vorgestellt.

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