FinanzbrancheDas Endspiel um die Deutsche Bank

Die Deutsche Bank ist eine Baustelle
Die Deutsche Bank ist eine Dauerbaustelledpa

Seit zwei Jahren taucht das Gerücht im Frankfurter Finanzviertel mit der schönen Regelmäßigkeit der S-Bahn-Linie S1 auf: Deutsche Bank und Commerzbank wollen angeblich fusionieren. Mal stammt die Nachricht aus den Hochhäusern der Kreditinstitute selbst, mal streut es die liebe Konkurrenz. In den vergangenen Wochen aber tröpfelte es vor allem aus dem Bundesfinanzministerium in der Berliner Wilhelmstraße und einigen angrenzenden Gemächern im Regierungsbezirk Mitte.

Spricht man den Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, auf diese politischen Signale an, reagiert der Österreicher im branchentypischen Denglisch mitunter leicht gereizt: „Jaja, Berlin ist supportive, ich weiß.“ Soll heißen: Seit Neuestem unterstützt die Politik das, was sie lange Zeit abgelehnt hat: die Fusion der beiden größten Kreditinstitute der Republik.

Wobei „unterstützen“ das falsche Wort ist. Es sind die pure Angst und Sorge, die in Berlin umgehen. Das Horrorszenario sieht so aus: Im laufenden Jahr rutscht die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession, und die Exportnation Deutschland leidet. Die „fetten Jahre“ (Bundesfinanzminister Olaf Scholz, SPD) sind erst einmal vorbei – und die Banken müssen wieder einen größeren Teil ihrer Kredite abschreiben. Gleichzeitig brechen ihre Einnahmen, vor allem im volatilen Investmentbanking, erheblich ein. Ihre Hoffnung auf eine Zinswende verfliegt. Für die Deutsche Bank hieße das: Sie bekommt so heftigen Gegenwind an den Finanzmärkten, dass aus ihrer erhofften Stabilisierung wieder nichts wird. Helfen könnte in diesem Szenario nur eine Notfusion mit der Commerzbank, um wenigstens in Deutschland selbst später wieder durchzustarten.

Doch für die Bank braut sich schon kurzfristig Ungemach zusammen. Am 1. Februar legte das Kreditinstitut seine Zahlen für das vierte Quartal und damit das Gesamtjahr 2018 vor. Zwar hat die Bank 2018 mehr als 340 Mio. Euro Jahresgewinn erzielt – der erste Überschuss seit 2014. Doch die Aussichten sind mau: die Konjunktur schwächelt und die herbeigesehnte Zinswende lässt weiter auf sich warten. Zudem trüben sich bei allen Großbanken die Geschäfte gerade im Investmentbanking derzeit dramatisch ein, der Wertpapierhandel sowie das Geschäft mit Aktien und Anleiheplatzierungen gingen im vierten Quartal um 20 Prozent zurück. Und Besserung ist auch für das laufende Quartal nicht in Sicht.

Deutsche Bank Aktie

Deutsche Bank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Die Deutsche Bank trifft dies mit ihrer niedrigen Profitabilität härter als Wettbewerber – weshalb sich ihr Aktienkurs 2018 schlechter entwickelt hat als die Kurse der Konkurrenz. Nicht von ungefähr sind ihre Nachranganleihen, ein wichtiger Indikator für die Kapitalstärke von Banken, seit Monaten im freien Fall. Was die Politik auch deshalb ventiliert, könnte man unter die Überschrift setzen: „Zurück zur alten Rolle der Deutschen Bank in Deutschland“. Aus der deutschen Industrie ertönen ähnliche Stimmen, in der Spitze des BDI war die Zukunft der Deutschen Bank vor der Jahreswende mal wieder Thema.