Deutsche-Bank-Tochter DWS ersetzt CEO Asoka Wöhrmann

Asoka Wöhrmann stand seit 2018 an der Spitze der DWS
Asoka Wöhrmann stand seit 2018 an der Spitze der DWS
© Liesa Johannssen-Koppitz / Bloomberg / Getty Images
Nach einer Razzia wegen Greenwashing-Vorwürfen zieht Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing die Reißleine: DWS-CEO Asoka Wöhrmann muss gehen. Auf ihn folgt mit Stefan Hoops ein Shooting Star der Branche

Die Fondstochter der Deutsche Bank AG hat wenige Stunden nach einer Razzia wegen des Verdachts auf Greenwashing ihren Chef Asoka Wöhrmann ersetzt. Neuer Vorstandsvorsitzender der DWS Group GmbH & Co KGaA wird Stefan Hoops, der bisher die Unternehmensbank der Deutschen Bank leitete.

Die Frankfurter Zwillingstürme der Deutschen Bank und die nahe gelegene DWS-Zentrale waren am Dienstag von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Hintergrund waren schon länger bekannte Greenwashing-Vorwürfe gegen die DWS. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte einen entsprechenden Bericht von Bloomberg News. Die DWS sieht sich mit behördlichen Ermittlungen in den USA und in Deutschland konfrontiert, seit ihre frühere Nachhaltigkeitsbeauftragte Desiree Fixler im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit gegangen war und behauptet hatte, dass das Unternehmen seine ESG-Kennzahlen übertrieben habe. Die DWS hat die Vorwürfe stets bestritten.

Für Wöhrmann war die Razzia ein weiterer Rückschlag, der sich nun als karriereentscheidend erweist. Er stand intern und extern schon wegen der Nutzung privater E-Mails für geschäftliche Zwecke unter Druck. Auch seine Beziehung zu einem Geschäftsmann bei gewissen Transaktionen wurde unter die Lupe genommen. Für Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing wirft die Eskalation erneut ein unangenehmes rechtliches Thema auf, das den erfolgreichen Turnaround des Kreditinstituts überschattet.

Greenwashing wird zum ernsten Problem

Die Ermittlungen verstärken indes nicht nur die juristischen Kopfschmerzen bei der Deutschen Bank. Sie sind auch das jüngste und eins der prominentesten Beispiele dafür, dass Geldhäuser wegen Greenwashing zunehmend mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. „Vermögensverwalter, insbesondere wenn sie in Märkten wie Europa und den USA tätig sind, müssen wegen der verstärkten Aufmerksamkeit in Sachen Greenwashing sicherstellen, dass sie ihre ESG-Angaben untermauern können“, so Mak Yuen Teen, Professor an der National University of Singapore, der sich mit Corporate Governance beschäftigt.

Die DWS arbeite in dieser Angelegenheit mit allen relevanten Behörden zusammen und werde dies auch weiterhin tun, sagte ein Sprecher am Dienstag. Von der Deutschen Bank hieß es, dass sich die Maßnahmen „gegen unbekannte Personen im Zusammenhang mit Greenwashing-Vorwürfen gegen die DWS richten“.

Hoops wird die Leitung der DWS formell ab dem 10. Juni übernehmen, hieß es in einer Erklärung in den frühen Morgenstunden am Mittwoch. Seine bisherige Rolle übernimmt David Lynne, Leiter der Firmenkunden-Sparte für den asiatisch-pazifischen Raum mit Sitz in Singapur.

Die ESG-Branche sah sich in letzter Zeit Angriffen einer wachsenden Zahl von Gegnern ausgesetzt, und selbst Insider beginnen, ihre Zweifel an Aspekten der boomenden Anlageform zu äußern. Die Fondsparte der HSBC hat kürzlich den Leiter für verantwortungsbewusstes Investieren suspendiert, nachdem er den Fokus auf den Klimawandel in Frage gestellt hatte. In den USA haben die Republikaner ESG als Ziel im Kulturkampf ausgemacht, während Tesla-CEO Elon Musk ESG als „Betrug“ bezeichnet hat.

Wöhrmann hatte Sewings Unterstützung – bis zuletzt

Sewing hatte Wöhrmann bis zuletzt unterstützt, auch weil die DWS unter ihm gute Ergebnisse erzielt hat. Allerdings haben die negativen Nachrichten das Management der Bank immer stärker verstimmt. Dennoch dankte Sewing Wöhrmann in einer Erklärung der Bank am Mittwoch für „seine so eindrucksvolle Arbeit und Leistung für die DWS und die Deutsche Bank“.

Wöhrmann hatte den Job bei der DWS 2018 übernommen, kurz nach dem schlecht gelaufenen Börsengang des Fondsmanagers. Anleger hatten Milliarden Euro aus den Fonds der DWS abgezogen, und Sewing bat Wöhrmann, die Firma wieder auf Kurs zu bringen, nachdem er den Konzernchef zuvor bei der Leitung des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank beeindruckt hatte. Es gelang Wöhrmann, die Abflüsse einzudämmen, und die Stimmung bei der DWS verbesserte sich.

Wöhrmann entließ seine ESG-Chefin Fixler im März letzten Jahres und erklärte in einem internen Memo, ihre Abteilung habe nicht genügend Fortschritte gemacht. Sie klagte gegen die Entlassung, verlor aber im Januar vor dem Frankfurter Arbeitsgericht. Fixler hat die Behauptung der DWS, Hunderte von Milliarden ihres verwalteten Vermögens seien „ESG-integriert”, als irreführend bezeichnet, weil das Label keine sinnvollen Maßnahmen der betreffenden Fondsmanager nach sich ziehe. Die DWS hat die Verwendung des Etiketts inzwischen eingestellt.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen, die am Dienstag in der Razzia gipfelten, im Januar aufgenommen. Anlass waren Medienberichte über Fixlers Behauptungen, wie die Behörde mitteilte. Die Ermittler hätten inzwischen „zureichende tatsächliche Anhaltspunkte” gefunden, wonach „entgegen der Angaben in Verkaufsprospekten von DWS-Fonds ESG-Faktoren nur in einer Minderheit der Investments tatsächlich berücksichtigt worden sind, in einer Vielzahl von Beteiligungen jedoch keinerlei Beachtung gefunden haben”, so die Staatsanwaltschaft. Die Razzia richtete sich gegen „bislang unbekannte Mitarbeiter und Verantwortliche der DWS“.

Mitarbeit: Karin Matussek, Nicholas Comfort

© 2022 Bloomberg L.P.


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