KolumneDie Doppelsprache der Deutschen Bank

Bernd Ziesemer
Bernd ZiesemerCopyright: Martin Kress

So etwas nennt man wohl zweistufige Kommunikation in einschlägigen Kreisen. Man könnte aber auch, frei nach George Orwell, bösartig von Doppelsprache reden. Am vergangenen Mittwoch lobt der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, in einem Brief an seine Mitarbeiter den Erfolg der Vermögensverwaltungssparte DWS: „Die DWS hat ihren Vorsteuergewinn kontinuierlich steigern können.“

Nur einen Tag später, am Donnerstag, folgt dann die Nachricht: Der bisherige DWS-Chef und Deutsche-Bank-Vorstand Nicolas Moreau darf gehen. Und dass es sich dabei um einen Rauswurf handelt, daran lässt die Bank keinen Zweifel. Moreaus Nachfolger übernimmt mit „sofortiger Wirkung“ die Geschäfte bei der DWS.

Ehrliche Kommunikation sieht irgendwie anders aus. Warum gibt die Deutsche Bank nicht schon am Mittwoch bei der Präsentation ihrer ohnehin schwachen Quartalszahlen die Probleme in der Vermögensverwaltung zu und verkündet als Konsequenz einen Personalwechsel an der Spitze der DWS?

Falls die zweistufige Operation der Pflege des verheerenden Aktienkurses dienen sollte, dann ging sie nach hinten los: Die Papiere der Deutschen Bank fielen am Donnerstag auf ein neues Allzeittief.

Das eherne Gesetz der Schönfärberei in der PR

Die Deutsche Bank hält sich seit langem an das eherne Gesetz der Schönfärberei in der PR: Immer nur Positives herausstellen – und alle negativen Nachrichten so interpretieren, dass man sie für positive halten könnte.

Dass diese Linie im Fall der Deutschen Bank vielleicht nicht ganz angemessen sein könnte, diese Idee dämmert offenbar niemandem in den Doppeltürmen. Vielleicht wäre in diesen Zeiten doch die schonungslose Offenheit die bessere Strategie.

Das gilt vor allem für die Tochter DWS, die im vergangenen April nur mit Mühe ihren Börsengang hinter sich brachte. Seitdem ist der Kurs des Vermögensverwalters um bis zu 30 Prozent gefallen.

Zuletzt notierte die Aktie immer noch mit einem Abschlag von 20 Prozent. Viele Anleger bleiben skeptisch gegenüber der DWS, weil sie gerade unter institutionellen Kunden stetig an Attraktivität verliert. In diesem Jahr flossen in jedem Quartal weitere Gelder ab – auch im letzten Vierteljahr.

Die Deutsche Bank hält immer noch drei Viertel der Aktien und trägt weiter die Verantwortung für die Tochter. Aber sie erweckt immer mal wieder den Eindruck der Ratlosigkeit, wenn es um die DWS geht.

Mit Asoka Wöhrmann übernimmt jetzt ein Vollprofi die Führung bei der DWS, der seit 1998 bei der Bank arbeitet und bis 2015 verschiedenste Funktionen im Bereich Vermögensverwaltung zur Zufriedenheit aller Beteiligten ausgeübt hatte.

Bisher bekam der promovierte Ökonom aber nie die Chance, ganz nach oben aufzurücken. Auch jetzt bleibt Wöhrmann der Aufstieg in den Vorstand der Bank verwehrt. Warum? Dafür gibt es keine wirklich überzeugende Erklärung.

Wöhrmann ist der vierte DWS-Chef in nur sechs Jahren (wobei sein Vorvorgänger Quentin Price krankheitshalber ausfiel). Zur Ruhe kommt ein Bereich bei so häufigen Personalwechseln wohl kaum. Vielleicht erklärt das zumindest zu einem Teil, warum viele alte Wettbewerber der Deutschen Bank in Vermögensverwaltung soviel besser abschneiden.

Man denke nur an die Schweizer UBS, seit jeher eine der größten Rivalinnen der Deutschen Bank. Im nächsten Jahr soll natürlich alles besser werden, verspricht Sewing. Aber solche Versprechungen hörte man in den letzten Jahre leider viele in Frankfurt.