Stefan Hoops Sewings Mann für die Mission DWS

Stefan Hoops im Juni 2021 in Sankt Petersburg
Stefan Hoops im Juni 2021 in Sankt Petersburg
© IMAGO / ITAR-TASS
Deutschbanker Stefan Hoops wird neuer Chef der DWS. Er gilt als offen, bestens vernetzt – und als Protegé von Christian Sewing. Was man über Hoops wissen muss

Als Stefan Hoops noch als Vertriebschef in der Kapitalmarktsparte der Deutschen Bank für institutionelle Anleger zuständig war, rückte er oft mit Unternehmensvorstandschef Christian Sewing zu Kundenterminen aus. In kleiner Runde soll Sewing begeistert geäußert haben, dass es mit Hoops immer mehr Spaß gemacht habe als alleine. Weil der jüngere Kollege, der mit seinen blonden Haaren, seiner Sportlichkeit, seinem Charisma und einer fast ausschließlich bei der Deutschen Bank verbrachten Laufbahn durchaus an Sewing erinnert, schon damals, vor fünf Jahren, durch Wissen und Persönlichkeit geglänzt habe.

Hoops gilt schon länger als Kronprinz Sewings, seine neue Aufgabe zementiert den Eindruck noch einmal: Er übernimmt am 10. Juni, dem Tag nach der Hauptversammlung, das Ruder bei der Vermögensverwaltung DWS, an der die Deutsche Bank zu 80 Prozent beteiligt ist. Deren Beitrag zum Gesamtertrag betrug im vergangenen Jahr mit 2,7 Mrd. Euro zwar lediglich rund die Hälfte von dem, was die Unternehmensbank, die Hoops bislang leitete, beitrug. Aber die Vermögensverwaltung ist vor allem wegen ihrer hohen Profitabilität wichtig. Nur mit der DWS-Beteiligung kann Sewing seine Ziele erreichen.

Und das soll so bleiben. Der 42-Jährige Hoops folgt auch deshalb auf den diese Woche geschassten Asoka Wöhrmann. Dieser hat die DWS zwar aus dem Strudel von unzufriedenen Kunden und Nettomittelabflüssen geführt und neue Erfolge und Profitabilität gebracht. Zuletzt stolperte er jedoch über Vorwürfe zu geschäftlichen Absprachen über seinen privaten Mail-Account sowie mutmaßlichen Betrug bei angeblich ESG-konformen Finanzprodukten. Insbesondere wegen des Verdachts auf Greenwashing hatten rund 50 Beamte der Staatsanwaltschaft, der Finanzaufsicht Bafin und des Bundeskriminalamts am Dienstag Räume von DWS und Deutscher Bank durchsucht. Im Anschluss erklärte Wöhrmann seinen Rückzug. Die Vorwürfe belasten sein Umfeld, die Firma und die Mitarbeiter.

Der Kurs der Aktie brach daraufhin in der Spitze um sieben Prozent ein. Wöhrmann war bei Kunden, Mitarbeitern und Investoren beliebt. Von Sewings Zögling Hoops haben viele hingegen noch nicht viel gehört. Deshalb soll er schon am Tag nach der Razzia den Telefonhörer in die Hand genommen haben, um – ausgestattet mit den von Sewing persönlich attestierten Fähigkeiten – Kunden und Investoren zu beschwichtigen. Den Kurs konnte er damit bisher nicht stützen.

Station bei Lehman Brothers unterschlagen

Die Skepsis ist groß. „Das kann nur der erste Schritt eines Umstrukturierungspakets sein“, sagt ein Investor. Die Credit-Suisse-Analystin Haley Tam wertet den Abgang Wöhrmanns als „Vorbote einer Phase der Unsicherheit für die Strategie“ und sieht deshalb sogar die Unabhängigkeit der Vermögensverwaltung in Gefahr. Ob Hoops dieses Szenario abwenden kann? Der gebürtige Hannoveraner, der seit seinem Einstieg bei der Deutschen Bank 2003 eine steile Karriere hingelegt hat, konnte bisher keine Erfahrung in der Vermögensverwaltung sammeln.

Auch nicht, als er 2006 und 2007 eine Zwischenstation bei der US-Investmentbank Lehman Brothers einlegte – ein Detail, das im offiziellen Lebenslauf bis gestern ohne Not ausgespart worden war. Erst als Bloomberg und die „Süddeutsche Zeitung“ auf das Versäumnis hinwiesen, ergänzte die Bank die Station. Einen Grund, wieso das Detail ausgelassen worden war, nannte die Bank nicht.

Hoops war nach dem Uni-Abschluss in Bayreuth 2003 zur Deutschen Bank gewechselt und zunächst im Bereich festverzinsliche Wertpapiere tätig. Anschließend arbeitete er sich über diverse Auslandsstationen, etwa in London und New York, bis 2017 zum Vertriebschef im Kapitalmarktgeschäft hoch. 2018 wurde er zum Leiter der globalen Transaktionsbank berufen, ein Jahr später kürte ihn Sewing dann zum Leiter der Unternehmensbank, dem Herzstück seiner Strategie.

Vor allem mit den 800 000 Kunden – die Bandbreite der Klientel zieht sich von Zahnarztpraxen bis zu Dax-Konzernen – sollte die Deutsche Bank unabhängiger vom Investmentbanking werden. Hoops bekam grünes Licht für Digitalisierungsprojekte und Mittel für die Expansion nach Asien. Die Vision einer „globalen Hausbank“ sollte hiermit erfüllt werden.

Einer, der auch zuhört

Doch die Erträge sanken statt zu steigen, auch 2020, als Hoops die Zügel bereits in der Hand hielt. Als Sewing in dem Jahr das Wachstumsziel von drei auf ein Prozent senken musste, wuchs die Kritik an Hoops Strategie. Doch 2021 drehte sich das Bild – die Erträge stiegen. Und Hoops konnte seinen Ruf festigen als einer, der nachhaltige Kundenbeziehungen vor kurzfristigen Ertrag stellt – und der nicht so aufgeblasen ist wie viele andere Bankmanager. Er wisse nicht alles besser, sondern höre auch zu, heißt es aus der Bank.

In seiner Zeit als Chef der Unternehmensbank fädelte er unter anderem 2021 eine Kooperation mit dem US-Zahlungsanbieter Fiserv ein. Von der Wiederbelebung des Jahre zuvor stillgelegten Geschäftsbereichs, in dem sich zwischenzeitlich Fintechs wie Adyen oder Worldline breitgemacht hatten, verspricht sich die Deutsche Bank Erträge im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Fintech-Expertise für die Unternehmensbank kaufte Hoops von außen ein, er stellte eine ganze Reihe von bekannten Szeneköpfen ein: Payment-Experte André Bajorat etwa, Traxpay-Gründer Jochen Siegert oder die frühere Kontist-Chefin Sybille Strack. Ein Grund, weshalb ihn der DWS-Aufsichtsratsvorsitzende Karl von Rohr für seine „Digitalisierungsexpertise“ lobt.

Ohne Frage ist Hoops ein Kommunikationstalent. In für die Deutsche Bank untypischer Art meldet er sich zu politischen wie makroökonomischen Themen in den Medien zu Wort. Das zeigte auch seine neben der Bankkarriere verfasste Doktorarbeit, die sich mit der Frage beschäftigt, wie man mit Finanzinstrumenten die Schuldenkrise von Schwellenländern lindern kann. Ausgerechnet mit dieser Arbeit wollte ihm vor Jahren ein Kollege einen Posten abtrotzen: Der habe wohl gedroht, Hoops des Plagiats zu bezichtigen. Hoops zeigte den Vorfall an und ließ sich von der Universität Bayreuth bestätigen, dass seine Arbeit sauber sei.

Über die Bank und seine Arbeit postet er viel auf Linkedin. Er wirkt zugänglich. Und ausgeglichen, was nicht zuletzt seiner Sportlichkeit geschuldet sein dürfte: Trotz seiner Karriere und seinen drei Töchtern kommt Hoops noch regelmäßig zum Krafttraining im Fitnessraum seines Hauses. Als Hobbys gibt er Basketball und Boxen an. Die Mischung aus Bildung, Sport und tiefen Einblicken in die Deutsche-Bank-Gruppe prädestiniert ihn mehr als jeden erfahrenen Vermögensverwalter dazu, in der anstehende Phase der Unsicherheit bei der DWS Ruhe ausstrahlen zu können. Das ist zumindest Sewings Hoffnung.


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