BörseSchlechte Konjunktur macht Millionäre

Börse: Trotz schlechter wirtschaftlicher Lage profitieren die Anleger an der US-Börse
Trotz schlechter wirtschaftlicher Lage profitieren die Anleger an der US-BörseGetty Images

So verrückt kann Börse sein. Noch zu Weihnachten war die Stimmung am Boden, manche Sparer träumten von steigenden Zinsen, und Börsianer spielten alle damit zusammenhängenden Ängste einmal durch. Danach drehte sich die US-Notenbank um 180 Grad, und die Börsen schnellten nach oben, machten viele Anleger verdammt glücklich.

Die größten Gewinne erzielten Anleger, die mit Hebelpapieren auf steigende Kurse von US-Aktien setzten oder wie beim Broker eToro Anlegern folgten, die eine solche Strategie anboten. Doch trügt der Schein nicht, sind die eigentlichen Gründe der Rallye nicht klare Warnsignale? Wie sollten sich Anleger positionieren?

„Politische Börsen haben kurze Beine“, lautet eine bekannte Börsenregel. Die Realität sieht hingegen anders aus: Eigentlich sollte der Brexit Ende März vollzogen sein, und auch beim Thema Handelsstreit rechneten die meisten Experten in den ersten Monaten des Jahres mit einem Deal. Doch die Wünsche wurden nicht erfüllt, beide Risikofaktoren werden Investoren weiter beschäftigen und immer stärker auch die Geldpolitik der Notenbanken beeinflussen.

In Deutschland verdichten sich die Signale, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal geschrumpft sein könnte, eine Rezession rückt näher. Die starke Exportabhängigkeit der heimischen Wirtschaft wird nun zum Bumerang: Kühlt sich die Weltwirtschaft ab, leidet die einstige Konjunkturlokomotive der Euro-Region überdurchschnittlich stark.

So lag der Einkaufsmanagerindex für die weltweite Industrie im Juni auf dem niedrigsten Niveau seit gut sechseinhalb Jahren und zum ersten Mal seit Mitte 2012 den zweiten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Der Trend dürfte sich fortsetzen: Schon jetzt blickt US-Präsident Donald Trump auf den Präsidentschaftswahlkampf im kommenden Jahr. Er will einen Deal als Sieg vor den Wahlen nutzen, um sich als starker Präsident feiern zu lassen, der seine Wahlversprechen eingelöst hat. Eine schnelle Lösung zeichnet sich nicht ab, die US-Regierung wird auf Zeit spielen.

Notenbanken reagieren

Aufgrund der globalen Konjunkturabkühlung steht nun auch die US-Notenbank unter Zugzwang. Statt zwei weiterer Zinserhöhungen in 2019 wird die Fed sehr wahrscheinlich auf der nächsten Sitzung am 31. Juli die Zinsen senken. „Mit der 180-Grad-Wende rauschen seit Wochen die Renditen am Anleihemarkt in den Keller, zumal auch die EZB weitere Lockerungsmaßnahmen angedeutet hat“, meint Carlo Alberto de Casa, Chefanalyst beim britischen Brokerhaus ActivTrades.