HandelsstreitUSA vs. China: Was man über den Handelsstreit wissen sollte

Die Verhandlungen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatspräsident gehen weiter.dpa


Unsere Reihe Capital erklärt macht aktuelle Wirtschafts-Themen schnell verständlich. Diesmal erfahren Sie alles, was Sie über den Handelsstreit zwischen der USA und China wissen sollten. Wir haben mit Capital-Redakteur Claus Hecking über die jüngsten Entwicklungen gesprochen.


 

Bisher kam es zu keiner Einigung im Handelsstreit zwischen der USA und China. Inwieweit können wir davon ausgehen, dass es sich hier um Verhandlungstaktik von Präsident Trump handelt, und wie wahrscheinlich ist es, dass ein Deal in nächster Zeit zustande kommt?

Unberechenbarkeit ist Donald Trumps Credo. In seinem Buch „The Art of the Deal“ schreibt er über seine Verhandlungstaktik: „Sometimes it pays to be a little wild“. Und genau diese Aussage spiegelt auch sein Verhalten im Handelsstreit mit China wider. Wir können davon ausgehen, dass Trump anstrebt, die Konfrontation aufrechtzuerhalten, um China weiterhin als Feind und die USA, beziehungsweise sich selbst, als mächtigen Gegenpart darzustellen. Öffentliche Drohungen und Bekundungen seines Verhandlungsgeschickes nutzt er dabei auch, um sich selbst zu profilieren und von anderen Problemen abzulenken. Eine Einigung wird es dann geben, wenn Trump und Chinas Präsident Xi Jinping der Meinung sind, dass nicht nur ihre jeweilige Wirtschaft von diesem Deal profitiert, sondern auch sie persönlich in gutem Licht dastehen.

Auf welche Waren und in welchem Volumen wurden bisher Zölle verhängt?

Bereits Anfang 2018 verhängte die USA Strafzölle auf Solarpanele und Waschmaschinen-Importe aus China. So richtig begann der Handelsstreit aber erst Anfang März 2018 mit einem Tweet von Trump, in dem er schrieb: „Wenn ein Land (USA) viele Milliarden Dollar im Handel mit quasi jedem Land verliert, sind Handelskriege gut und einfach zu gewinnen.“ Kurz darauf folgten Einfuhrzölle auf Stahl in Höhe von 25 Prozent und Aluminium in Höhe von zehn Prozent – auf die China mit einer Zollerhöhung von 15 bis 25 Prozent auf landwirtschaftliche US-Güter im Wert von 3 Mrd. Euro reagierte.

Im Juli 2018 löste Trump dann eine zweite Welle aus: High-Tech-Importe aus China im Wert von 50 Mrd. US-Dollar wurden fortan mit 25 Prozent verzollt. Im September folgte dann die dritte Tranche an Strafzöllen: zehn Prozent auf zusätzliche chinesische Importgüter im Wert von 200 Mrd. US-Dollar. Diese Sonderzölle hat Trump dann im Mai 2019 auf 25 Prozent erhöht, um den Druck auf die chinesische Regierung zu verstärken. Peking hat seinerseits bereits mit Sonderabgaben auf US-Produkte im Wert von 110 Mrd. US-Dollar geantwortet. Auch die kürzliche Anhebung lässt das chinesische Regime nicht unkommentiert: Ab 1. Juni 2019 sollen Zölle auf mehr als 5000 US-Güter im Wert von 60 Mrd. Dollar ansteigen. Je nach Produkt handelt es sich um Erhöhungen um zehn bis 25 Prozent.

Wem schadet der Handelsstreit aktuell mehr – der amerikanischen oder der chinesischen Wirtschaft?

Die chinesische Wirtschaft ist in gewisser Weise eine „black box“, die offiziell verkündeten chinesischen Wachstumszahlen sind nicht verlässlich. Das Volumen der chinesischen Exporte in die USA ist deutlich abgesunken, und auch die Exporte der USA nach China sind gefallen um etwa 30 Prozent. Das trifft vor allem die US-Sojaindustrie. Trump hat versucht, die Ausfälle für die US-Farmer zu kompensieren: mit mindestens 7 Mrd. Dollar Steuergeld.

Klar ist, dass es einen großen Verlierer im Handelsstreit gibt. Und das ist der US-Verbraucher. Eine Studie von US-Ökonomen hat gezeigt, dass die amerikanischen Importeure die Mehrkosten durch die Zölle zu annähernd 100 Prozent auf die Produktpreise umlegen. Das verteuert die Produkte für die Konsumenten in den USA. Diese durch die Zölle verursachten Preisaufschläge beliefen sich bisher auf etwa 3 Mrd. US-Dollar pro Monat. Und sie werden durch die neueste Zollerhöhung noch einmal deutlich ansteigen. Aber damit nicht genug: Für den US-Verbraucher entsteht ein zusätzlicher Schaden in Höhe von 1,4 Mrd. US-Dollar, da sie auf teurere Konkurrenzprodukte zurückgreifen müssen.

Inwieweit ist die Situation bereits eskaliert und können wir von dem Beginn eines neuen Kalten Krieges sprechen?

Wir können hier definitiv von einem Handelskrieg sprechen. Der allerdings beschränkt sich bislang auf die Wirtschaft. Wir sehen einen Machtkampf zwischen den beiden stärksten Wirtschaftsnationen der Welt. Dabei geht es nicht zimperlich zu. Aber es handelt nicht um einen Konflikt, der historisch mit dem Kalten Krieg zu vergleichen ist, als Atommächte ihre Raketen aufeinander richteten.

Sollte es zu einem Deal kommen – wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich beide Parteien an die Vereinbarung halten?

Das ist kaum zu beurteilen. Nach außen hin werden sich sowohl die USA als auch China an die Vereinbarungen halten. Sollten einzelne Unternehmen die Bestimmungen unterlaufen, werden sich die Staaten davon offiziell distanzieren. Im Sinne der Weltwirtschaft wäre eine Einigung natürlich notwendig. Wenn man Politik rational als Vertretung der Interessen der jeweiligen Wirtschaft ansieht, sollten beide Parteien versuchen, einen Deal anzustreben und sich daran zu halten. Ob gerade der US-Präsident allerdings so denkt, ist fraglich. Wie schon am Anfang gesagt: Trump ist unberechenbar. Und er will das auch immer wieder mal demonstrieren.