HandelskriegUSA vs. China: der Kampf um die Dominanz in der Weltwirtschaft

Wie weit lassen sie den Handelskonflikt eskalieren? Die Präsidenten von China, Xi Jinping, und der USA, Donald Trump, hier bei einem Abendessen des G20-Gipfels im vergangenen Jahr. Der nächste Gipfel in Japan soll ein neues Treffen bringen
Wie weit lassen sie den Handelskonflikt eskalieren? Die Präsidenten von China, Xi Jinping, und der USA, Donald Trump, hier bei einem Abendessen des G20-Gipfels im vergangenen Jahr. Der nächste Gipfel in Japan soll ein neues Treffen bringendpa

Donald Trump sieht das Problem darin, dass unser Weltwirtschaftssystem massiv zum Nachteil Amerikas funktioniert. So beklagt der US-Präsident, China sei dank des „Globalismus“ auf Kosten Amerikas gewachsen – und habe damit den Wohlstand und die globale Vorherrschaft seiner Nation untergraben. Auf diese Sichtweise stützt sich Trumps dramatische Entscheidung in der vergangenen Woche, Zölle auf chinesische Exporte in die USA im Wert von 200 Mrd. Dollar von 10 auf 25 Prozent zu erhöhen.

Für Xi Jinping liegt das Problem mit der Weltordnung in der politischen und strategischen Dominanz Amerikas. Chinas Präsident hat deutlich gemacht: Die Volksrepublik will die USA als vorherrschende Macht im asiatisch-pazifischen Raum ablösen. Viele seiner nationalistischen Anhänger gehen noch weiter und hoffen unverhohlen, dass China selbst zur dominanten Supermacht aufsteigt. Xi weiß dabei sehr wohl, dass China seinen Aufstieg in den 40 Jahren seit seiner Öffnung der Globalisierung verdankt. Deshalb ist er entschlossen, das gegenwärtige Welthandelsmodell zu erhalten.

Was den beiden Präsidenten an der Weltordnung missfällt, verhält sich also spiegelverkehrt zueinander. Xi will sie strategisch verändern – und muss dafür das Wirtschaftssystem erhalten. Trump will sie strategisch bewahren – und muss dafür das Wirtschaftssystem verändern.

Damit sind Amerika und China beides revisionistische Mächte und zugleich Status-quo-Mächte. Amerika will den geopolitischen Status quo erhalten, also ist es wirtschaftspolitisch zur revisionistischen Macht geworden. China verhält sich geopolitisch revisionistisch, und ist so zur Status-quo-Macht im Handel geworden.

Aber die spiegelbildlichen Positionen zeigen auch, dass sich die Sicht der Hauptstädte auf die Globalisierung annähert. Nach dem Verhalten der beiden Länder zu urteilen, stimmen sie darin überein, dass das heutige System zu Chinas Vorteil arbeitet. Während viele Ökonomen dem widersprechen würden, scheint es in Amerika nun politischer Konsens. Chuck Schumer, der demokratische Anführer im Senat, signalisierte per Twitter  seine Unterstützung für Trumps aggressive Handelspolitik gegenüber China.

In beiden Hauptstädten gibt es jedoch unterschiedliche Lager von gemäßigten Kräften, die den Konflikt mit einem Kompromiss lösen wollen, und von radikalen, die den Kollaps der Handelsbeziehungen willkommen heißen würden.

„Wiederaufbau“ hinter Mauer von Zöllen

Extreme Protektionisten in der Regierung Trump glauben, dass das politische und wirtschaftliche Modell Chinas den US-Interessen grundlegend zuwiderläuft. Sie wollen den „Wiederaufbau“ der heimischen Wirtschaft hinter einer Mauer hoher Zölle. Ein Deal, der die Essenz des globalisierten Welthandelssystems bewahren würde, wäre für sie eine Niederlage.

Auf chinesischer Seite sehen die Falken den Handelsstreit als Chance, die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu reduzieren. Eifernde Nationalisten deuten Washingtons Haltung im Handelstreit als Beleg amerikanischer Schwäche. Für sie wäre Pekings richtige Antwort, auf eine Weltordnung hinzuarbeiten, die sich um China dreht.