KolumneBörse: Gewinnwarnungen häufen sich

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Es lässt sich nicht länger übersehen: an der Börse hagelt es zurzeit Gewinnwarnungen. Ob Daimler, BASF, Lufthansa, Aumann oder Krones, die konjunkturelle Abkühlung gekoppelt mit Materialpreisinflation und ansteigenden Bürokratiekosten wirken sich stark dämpfend auf die Profitabilität der Unternehmen aus. Der Fachkräftemangel, die hohe Steuer- und Abgabenlast sowie die Handelsstreitigkeiten tun ihr Übriges.

Für die Börse würde diese Entwicklung eigentlich Ungemach bedeuten, aber die Zeiten haben sich seit der Zäsur der großen Finanzkrise radikal gewandelt. Weil seither positive Realzinsen abgeschafft wurden, steht die Aktie seit Jahren strahlend alternativlos auf der weiten Flur gängiger Anlageformen. Daran wird sich in den kommenden Jahren nichts ändern, denn eine Rückkehr zu den Zinsraten von früher gilt mittlerweile als ausgeschlossen. Vielmehr haben die Notenbanken inzwischen eingestanden, dass ihr großes Gelddruckexperiment irreversibel ist.

Auf dem Aktienmarkt herrscht Pessimismus

Daher ist eine ungenierte Revitalisierung der Anleihekäufe sehr gut vorstellbar, denn sowohl die EZB als auch die Fed signalisieren erneut Lockerungsbereitschaft in ihrer Geldpolitik. Außerdem haben die `Club Med Staaten´ mit Frau Lagarde eine passende Politikerin in das Amt des EZB Präsidenten bugsiert. Zur Abwechslung wäre es in meinen Augen aber klüger, diesmal dem Modell der Schweizer Nationalbank und der Bank of Japan zu folgen und nicht Anleihen, sondern Aktien mit gedrucktem Geld zu kaufen.

Aber selbst wenn der Mut zu diesem an sich logischen Schritt noch fehlt, wird das der Entwicklung der Aktienmärkte keinen Abbruch tun. Der wichtigste Unterstützungsfaktor für die Aktienmärkte ist nämlich ein abgrundtiefer Pessimismus, der fast überall bezüglich der Aktienanlage feststellbar ist. Konkrete Folge dieses Pessimismus ist die Untergewichtung von Aktien bei nahezu allen relevanten Kapitalsammelstellen. Ich kenne keinen Pensionsfonds, keine Versicherung, keine Stiftung und keine Versorgungskasse, die im Aktienbereich markant überinvestiert wäre. Bei Privatanlegern sieht die Lage kaum anders aus.

Die Deutsche Bank zieht sich zurück

Je länger aber am Zinsmarkt kein Blumentopf zu gewinnen ist, wird der Anlagedruck auf die genannten Einrichtungen zunehmen. Übrigens scheint mir die geschilderte Lage besonders in Deutschland zu obwalten, wo man bekanntlich schon traditionell der Sachwertfeindlichkeit huldigt. In dieses Bild passt jedenfalls auch die zuletzt verkündete Entscheidung der Deutschen Bank, sich aus dem Aktienhandel zurückzuziehen, nicht aber aus dem Handel mit Zinspapieren. Deutschlands wichtigste Bank wird jetzt wieder deutscher und sagt adé zum Aktienhandel. Wenn das nicht den Zustand der Aktienkultur hierzulande perfekt beschreibt!

Übrigens ficht das Ganze unsere Regierung nicht an. Ihr dürfte kaum bekannt sein, dass Steuern und Abgaben aus Sicht der Unternehmen Kosten sind. Sie wendet ihr Gehirnschmalz jetzt neuen CO2-Steuern zu, nachdem der Maut-Murks krachend gescheitert ist und Grundsteuererhöhungen absehbar werden. Indessen träumt Finanzminister Olaf Scholz von einer Transaktionssteuer gegen die letzte Finanzkrise, die ja eine Schuldenkrise war. Resultat: Nur Aktienumsätze sollen besteuert werden.

Aber die gute Nachricht ist, dass gemäß dem jüngsten Bericht des Steuerzahlerbundes die Bürger des Landes nunmehr beginnen, für sich selbst zu arbeiten, nachdem sie bislang ausschließlich für den Staat geschuftet haben.