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Aktien Afrikanische Aktien: Investieren in den letzten großen Schwellenmarkt

Ein Händler steht vor einem riesigen Screen an der Börse in Johannesburg
Ein Händler steht vor einem riesigen Screen an der Börse in Johannesburg
© picture alliance/AP Photo | Denis Farrell
Viele Privatanleger schrecken vor Investments in den afrikanischen Aktienmarkt zurück. Zu gering ist die Marktkenntnis, zu hartnäckig hält sich die Furcht vor politischen Krisen. Wer es dennoch wagt, auf den warten überdurchschnittlich hohe Renditechancen

Wer an Afrika denkt, denkt in der Regel zunächst an Krieg, Hunger und Armut. Die meisten Aktieninvestoren machen daher einen großen Bogen um den Kontinent. Doch auch wenn es tatsächlich Probleme wie Korruption oder politische Unruhen gibt, sind die Chancen immens. Sechs der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften befinden sich in Afrika. Und mit einer jungen, wachsenden Bevölkerung steigen die Konsumausgaben rasant. Gezielte Investments in diesen Wachstumsmarkt können vielversprechend sein.

Wirtschaftlich betrachtet ist der Kontinent äußerst heterogen. So ist in einigen Staaten wie etwa im Sudan, Angola oder in Namibia das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2021 maximal um ein Prozent gewachsen. Gleichzeitig befinden sich auf dem Kontinent einige der Wachstumschampions: Das BIP von Botswana und Ruanda legte vergangenes Jahr etwa um mehr als zehn Prozent zu. Die Seychellen wuchsen immerhin noch um fast acht Prozent. Zum Vergleich: Deutschlands BIP ist 2021 um 2,9 Prozent gewachsen, also um weniger als die Hälfte.

Unter all jenen Anlegern, die sich schon mal mit Investitionen in den afrikanischen Aktienmarkt beschäftigt haben, konzentriert sich der Großteil auf den Überflieger Südafrika. Der Staat ist der am weitesten entwickelte Wirtschaftsraum auf dem Kontinent. Dementsprechend zählt der südafrikanische Börsenplatz Johannesburg Stock Exchange (JSE) zu den wichtigsten auf der Südhalbkugel und zu den zwanzig größten der Welt. Der Leitindex FTSE/JSE Top 40 Index besteht aus den 40 größten Werten der Johannesburger Börse nach Marktkapitalisierung.

Der größte dort gelistete Titel ist der Medienkonzern Naspers. Das Unternehmen war ein frühzeitiger Investor in den chinesischen Internetgiganten Tencent und investiert heute weltweit in aufstrebende Startups. Die Aktie hat im Jahresverlauf ein Plus von fast fünf Prozent verzeichnet. „Verständlicherweise dürfte Südafrika aus Sicht der Anleger weiterhin dominieren, wenn sie die Chancen in Afrika abschätzen“, sagt Khatoun. Gleichzeitig betont der Experte allerdings auch, dass andere Länder der Region auf lange Sicht noch viel unerschlossenes Potenzial bieten.

Einer dieser unerschlossenen Börsenplätze ist Kenia. Das Land an der Ostküste ist ein wichtiger Handelsknoten zwischen dem afrikanischen Kontinent und seinen östlichen Partnern. Kenia zählt laut dem Investmenthaus Morgan Stanley zu den sogenannten Frontier Markets, den Grenzmärkten. Diese haben oft eine hohe Wachstumsstärke und typischerweise ein reiches Vorkommen an Rohstoffen. Charakteristisch ist außerdem eine eher junge Bevölkerung und eine wachsende Mittelschicht, die die Nachfrage nach Konsum- und Luxusgütern antreibt. An der Börse in der Hauptstadt Nairobi, die Nairobi Securities Exchange, sind aktuell 66 Unternehmen gelistet. Das macht sie zu einer der größten am Kontinent.

Große Chancen aber auch große Risiken

Ein ähnlich aussichtsreiches Land ist Nigeria. Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas ist der Vermögensverwalter Fidelity umfangreich engagiert. Grund dafür sei laut eigenen Aussagen, dass der nigerianische Aktienmarkt recht unabhängig von den globalen Märkten agiere. Das kann sich positiv auf das Gesamtrisiko eines Portfolios auswirken. Ein breitgestreutes Investment in diesen Markt erlaubt beispielsweise der kostengünstige Indexfonds Global X MSCI Nigeria ETF.

Mit hohen Renditechancen gehen wie üblich auch hohe Risiken einher. Zwar sprechen diverse Faktoren für den nachhaltigen Erfolg der vorgestellten Länder. Doch während Ökonomien wie die Deutsche sich durch ein kleines, aber dennoch stabiles Wachstum auszeichnen, kann sich in Afrika schnell vieles ändern. Sowohl in Kenia als auch Nigeria kommt es etwa immer wieder zu Unruhen, Terror und Polizeigewalt. Das spiegelt sich auch an den Aktienmärkten wider. Doch wer sich der Risiken bewusst ist und an die Wachstumsmärkte glaubt, für den stellt der afrikanische Kapitalmarkt eine interessante Beimischung dar.

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