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Elon Musk Die Probleme von Twitter werden zu Teslas Problemen

Elon Musk leitet fünf Unternehmen gleichzeitig: Tesla, SpaceX, Twitter, Neuralink und The Boring Company
Elon Musk leitet fünf Unternehmen gleichzeitig: Tesla, SpaceX, Twitter, Neuralink und The Boring Company
© Bloomberg
Wie ein Schatten lag die Twitter-Übernahme über Elon Musks E-Autobauer Tesla. Doch wer gehofft hat, dass dieser Schatten nach dem Vollzug des Deals verschwindet, sieht sich getäuscht. Abzulesen ist das am Aktienkurs des Autoherstellers
An dem Begriff „Twitter Overhang“ kamen die größten Elon-Musk-Fans auf Twitter in den letzten Monaten nicht vorbei. Seit Musks Einstieg bei Twitter und seiner Ankündigung, das Unternehmen zu kaufen, und dem anschließenden Versuch, sich aus dem Geschäft wieder herauszuwinden, sind die Aktien des E-Autobauer Tesla abgestürzt.
Die Anleger gingen davon aus, dass sich die Aktie nach Abschluss des Twitter-Deals erholen würde. Einige feierten sogar das Ende des Übernahmedramas in der vergangenen Woche, indem sie Merchandise-Artikel mit der Aufschrift „Twitter Overhang Lifted“ mit einem Pfeil in Richtung Mond verkauften. So viel dazu.
Die Tesla-Aktien reagierten jedoch kaum auf den Twitter-Deal und erlitten dann am Mittwoch wie der Großteil des Marktes einen Einbruch, als US-Notenbankchef Jerome Powell ankündigte, die Fed werde die Zinssätze weiter anheben, um die Inflation in den Griff zu bekommen.
Die Tesla-Aktie wird jetzt unter dem Niveau vor Abschluss des Twitter-Deals gehandelt, doch die Geldpolitik dürfte in den kommenden Monaten nur die geringste Sorge des Automobilherstellers sein.
Seit langem gilt, dass Tesla einerseits hochgradig von Musk abhängig ist und andererseits seinen CEO mit dessen anderen Unternehmen teilen muss. „Obwohl Herr Musk viel Zeit mit Tesla verbringt und in unserem Management sehr aktiv ist, widmet er nicht seine ganze Zeit und Aufmerksamkeit Tesla“, heißt es in den Quartalsberichten des Unternehmens.
Jetzt, da der Technologie-King auch Chef-Twitterer ist, leitet er gleich fünf Unternehmen: Tesla, SpaceX, Twitter, Neuralink und The Boring Company. Und wer dachte, Musk würde klare Grenzen zwischen seinem neuesten und seinem wertvollsten Unternehmen ziehen, hat sich geirrt.
Noch bevor Musk den Deal offiziell vollzog, war klar, dass die Probleme von Twitter zu Teslas Problemen werden – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Bloomberg berichtete als erstes davon, dass Musk einige Ingenieure des Autoherstellers zu den Produktverantwortlichen in der Zentrale des Social-Media-Unternehmens in San Francisco geschickt hat, damit sie sich den Twitter-Code ansehen. Laut CNBC wurden Dutzende der mehr als 50 Tesla-Mitarbeiter aus dem Autopilot-Team abgezogen und zu Twitter geschickt.
Diese Gruppe ist es gewohnt unter Druck zu arbeiten, da sie es nicht geschafft hat, die Vision ihres Chefs vom selbstfahrenden Auto zu verwirklichen. Noch dazu wurde erst vergangene Woche bekannt, dass die Aussagen des Unternehmens über seine Technologie vom US-Justizministerium und der Börsenaufsicht untersucht werden.
Selbst wenn der Abstecher der Tesla-Ingenieure nur von kurzer Dauer sein sollte, könnte Twitter den Marktführer für Elektroautos weiterhin belasten. Wie die Washington Post in dieser Woche berichtete, hat das Unternehmen vor kurzem drei aus China operierende Gruppen gestoppt, die verdeckt versuchten, über den Dienst die amerikanische Politik in den Monaten vor den Zwischenwahlen zu beeinflussen.
Tesla befindet sich nun in einer Zwickmühle: Es drohen Rückschläge aus China, wenn Twitter diese Art von Beeinflussungskampagnen weiterhin vereitelt, oder aus den USA, wenn das Unternehmen dies nicht tut.
Und für Tesla steht eine Menge auf dem Spiel: Das Werk in Schanghai hat sich schnell zum produktivsten und wichtigsten der Welt entwickelt. Nach eigenen Angaben können dort mehr als 750.000 Fahrzeuge pro Jahr hergestellt werden. Das Unternehmen erwirtschaftet fast ein Viertel seines Umsatzes in China - mehr als 5,1 Mrd. Dollar allein im letzten Quartal. Musks Abhängigkeit von der Kommunistischen Partei Chinas bereitet Washington bereits jetzt Unbehagen. Und die Bedenken der Abgeordneten werden durch seine Übernahme von Twitter noch verstärkt.
Als der ehemalige Chief Security Officer von Facebook Alex Stamos vergangene Woche behauptete, Musk habe „einen großen Fehler“ gemacht, bezog er sich genau auf diese Risiken. „Die Leute, die wirklich wütend sein sollten, sind die Aktionäre von $TSLA“, twitterte er, „Das Unternehmen, an dem sie Anteile besitzen, ist jetzt zur wichtigsten Geisel für Länder geworden, die die Zukunft der Online-Kommunikation kontrollieren wollen.“
Falls die Hauptaktionäre verärgert sind, haben sie das öffentlich noch nicht kundgetan, aber das könnte sich noch ändern. Tesla hat den Anlegern eine Frist bis zum 22. Dezember gesetzt, um Vorschläge einzureichen, die in das nächste Proxy Statement aufgenommen werden sollen. Das Unternehmen hat sein jährliches Treffen für den 16. Mai angesetzt.
©2022 Bloomberg L.P.

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