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Musk-Deal Twitter an der Börse: 9 Jahre voller gebrochener Versprechen

Der damalige CEO Dick Costolo beim Börsendebut von Twitter 2013 in New York
Der damalige CEO Dick Costolo beim Börsendebut von Twitter 2013 in New York
© picture alliance / dpa | Andrew Gombert
Mit der Übernahme durch Elon Musk endet das Börsen-Kapitel für Twitter. Seit 2013 hat das Unternehmen seinen Aktionären viele Enttäuschungen beschert – und ein wildes Ende

Die Übernahme durch Elon Musk beendet für Twitter einen neun Jahre währenden Zeitraum voller weitgehend unerfüllter Versprechen an der Börse. Was 2013 mit einem Paukenschlag begann, konnte nie an den Höhenflug anderer Tech-Schwergewichte heranreichen. Während die Aktie bei ihrem Börsendebüt im November 2013 mit einem Kursanstieg von 73 Prozent am ersten Tag für Furore sorgte, konnte das Unternehmen die Anleger seither nicht mehr beeindrucken – vor allem wegen der Schwierigkeiten, die Nutzerbasis kontinuierlich zu vergrößern und das Engagement der User zu steigern. 

Der Aktienkurs von Twitter hat sich seit IPO verdoppelt, was einem jährlichen Wachstum von 8,4 Prozent entspricht. Das ist weniger als die jährliche Rendite des S&P 500 von 11 Prozent und des Nasdaq 100 von 15 Prozent. „Es steht außer Frage, dass das Unternehmen nie die Erwartungen, die Anleger zu IPO-Zeiten hatten, erfüllt hat“, so Alec Young, Chefanlagestratege bei Mapsignals. „Die meisten Anleger waren enttäuscht von der Entwicklung der Aktie, dem Wachstum und der Marktdurchdringung. Es scheint so, als ob das Unternehmen bei den Nutzern nie so gut ankam wie andere Dienste.“

Musk hat den Kauf des Social-Media-Unternehmens diese Woche für 44 Mrd. Dollar abgeschlossen – damit wird der reichste Mann der Welt nach monatelangem öffentlichem und juristischem Gerangel um den Deal wohl auch die Leitung des angeschlagenen sozialen Netzwerks übernehmen. Durch die Übernahme wird Twitter etwa eine Woche vor dem neunjährigen Jubiläum des Börsenkürzels „TWTR“ in privaten Besitz überführt.

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Umsatz wuchs langsamer als bei der Konkurrenz

Die schwache Performance von Twitter im Vergleich zu seinen Social-Media-Konkurrenten spiegelt wider, dass das Umsatzwachstum der Mikroblogging-Plattform durchweg langsamer war als bei der Konkurrenz, die stets besser in der Lage war, ihre Nutzerbasis zu monetarisieren. In den letzten fünf Jahren verzeichnete Twitter ein durchschnittliches vierteljährliches Umsatzwachstum von 19 Prozent, verglichen mit 29 Prozent bei Meta, 50 Prozent bei Snap und 51 Prozent bei Pinterest.

Das Interesse von Musk hat jedoch dazu geführt, dass das Unternehmen sein Börsendasein auf einer positiven Note beenden wird. Die Aktie hat in diesem Jahr 24 Prozent zugelegt und ist damit der Spitzenreiter unter den S&P-500-Kommunikationsunternehmen. In einem Jahr, in dem Wachstumswerte aufgrund der massiven Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed, der steigenden Inflation und einer möglicherweise drohenden Rezession massiv an Wert verloren haben, hat die Aktie des Unternehmens ihre Konkurrenten weit hinter sich gelassen. Für Twitter-Aktionäre war es eine wilde Fahrt mit Musk am Steuer.

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„Die Achterbahnfahrt, auf die er sie mitgenommen hatte, endete in einem letzten Aufschrei der Begeisterung für diejenigen, die sich an die Fahrt geklammert haben“, kommentiert Susannah Streeter von Hargreaves Lansdown. „Der Preis von 54,20 Dollar pro Aktie liegt zwar immer noch unter den berauschenden Höhen von über 77 Dollar, die im März 2021 während des coronoabedingten Hochs für Tech-Werte erreicht wurden, aber er liegt deutlich über den 32 Dollar, zu denen das Unternehmen ein Jahr später gehandelt wurde, nur wenige Wochen bevor Musk sein großzügiges Angebot auf den Tisch legte.“

Mitarbeit: Matt Turner

© 2022 Bloomberg L.P.

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