ThyssenkruppWie Thyssenkrupps neue Konzernkultur aussehen soll

Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg
Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburgdpa

„Wir werden den Neuanfang bei Thyssenkrupp nutzen, um Hierarchien abzuschaffen“, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard am Donnerstag bei einem Fachkongress der Unternehmensberatung Kienbaum vor rund 400 Personalveranwortlichen aus zahlreichen deutschen Unternehmen und Organisationen. Bei der Veranstaltung People Convention, bei der die Experten über die Zukunft der Arbeit diskutierten, erklärte Burkhard in seinem knapp halbstündigen Vortrag, dass er wenig von der in vielen Unternehmen verbreiteten Hierarchiestruktur mit zahlreichen Führungsebenen und einzelnen abgeschotteten Abteilungen hält. In den nächsten Monate werde daran gearbeitet, Ebenen herauszunehmen. Das ist ein klares Signal, dass auch die Führungsmannschaft des Konzerns von dem anstehenden Umbau nicht ausgenommen sein wird.

Burkhards Worte fallen in eine Zeit der großen Verunsicherung unter den 160.000 Thyssenkrupp-Mitarbeitern. Der Industriekonzern hatte erst vor knapp einer Woche angekündigt, dass er seine Stahlwerke nicht wie geplant in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Konkurrenten Tata auslagern wird, weil die EU-Kommission dies blockiere. Für die geplante Aufspaltung sei bereits alles vorbereitet gewesen. „Für uns ist ein Traum geplatzt“, so Burkhard. Aber da sich die Fakten geändert hätten, habe der Vorstand die alte Strategie beendet. „Das ist der Auftrag eines Vorstands: Wenn sich Fakten ändern, dann muss auch die Strategie angepasst werden, sonst rennt man in die falsche Richtung“, rechtfertigte Burkhard den erneuten radikalen Strategieschwenk.

Nun bleibt aber nicht alles beim Alten. Stattdessen will Thyssenkrupp zu einer schlanken Dachgesellschaft werden, 6000 Stellen abbauen und das profitable Geschäft mit Aufzügen an die Börse bringen. Weitere Details sind öffentlich noch nicht bekannt. „Ich glaube fest daran, dass sich alle Abteilungen in den nächsten Jahren auflösen werden“, formuliert Burkhard seine Vision für Thyssenkrupp auf dem Fachkongress. Damit skizziert er eine so genannte agile Struktur – ein Trend der aus kleinen Start-ups mittlerweile auch in große Konzerne schwappt. Dabei werden vereinfacht gesagt nicht mehr in Hierarchiestufen von oben nach unten Befehle erteilt und abgearbeitet, sondern eher in kleinen eigenverantwortlichen Gruppen jeweils einzelne Projekte umgesetzt. Ob das gelingen wird, hänge wesentlich von der Führung ab, erklärte der Thyssenkrupp-Personalchef. „Ich sehe aber viele unserer Führungskräfte immer noch als überfordert an.“ Ein harter Vorwurf, für den Burkhard gleichermaßen auch Verantwortung übernimmt: „Das liegt auch daran, dass wir ihnen nicht richtig erklären, was wir von ihnen wollen.“