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Weltklimakonferenz Dann lasst den Planeten halt brennen

Die große Weltklimakonferenz ist vorbei und wieder einmal sind alle enttäuscht
Die große Weltklimakonferenz ist vorbei und wieder einmal sind alle enttäuscht
© picture alliance/dpa | Christophe Gateau
Die Klimakonferenz in Ägypten ist ein Spiegel unserer Zeit: Große Teile der Welt sind mit Kriegen und Krisen beschäftigt. Und andere Länder haben leider (noch) andere Prioritäten

Wer schon immer über den sogenannten Klimakonferenzzirkus geschimpft hat, über Tausende Delegierte, die um den Globus reisen, und Hunderte Flugzeuge und Privatjets, die kurz landen und wieder abdüsen – nun, der dürfte sich bestätigt fühlen und raunen: Diese Klimakonferenz hat wieder einmal mehr CO2 produziert als künftig eingespart. Und sie hat Papiere produziert, die nur simulieren, dass die Menschheit den Klimaschutz ernst nimmt.

Es ist indes müßig und etwas albern, den CO2-Fußbdruck von solchen Konferenzen zu messen. Wenn Menschen aus aller Welt sich treffen, müssen sie fliegen, und wenn ihre Beschlüsse weitreichend oder bahnbrechend sind, ist das CO2 gut investiert.

Dies kann man für COP27 in Ägypten nicht behaupten. Man muss schon lange suchen, um einen Durchbruch oder Meilenstein zu finden; nicht mal das Kleingedruckte macht Hoffnung. Es wird mehr bekräftigt, was schon beschlossen wurde (aber nicht immer umgesetzt). Und was bekräftigt wird, wird durch die Not- und Umstände unserer Zeit konterkariert oder torpediert: Ja, wir wollen raus aus der Kohle, aber wir brauchen mal wieder mehr Kohle.

Nicht mal der Berg Sinai hat noch geholfen

Das Neue wiederum, etwa der Fonds für Klimaschäden, bleibt unkonkret, wer ihn füllt und wie, und er ist ja auch keine Lösung: Er soll nur die dramatischen Folgen abfedern, die in immer neuen Formeln beschworen werden. Nicht mal der Berg Sinai, den UN-Generalsekretär António Guterres bemühte, um das „biblische Ausmaß“ der Klimakatastrophe deutlich zu machen, führte zu Regungen.

Überhaupt hat der Gipfel gezeigt, dass es Zeichen der Abstumpfung und Abnutzung gibt. „Der Planet brennt“ – dieser Satz lockt immer weniger hinter dem Ofen hervor (zumal, wenn es teurer wird, diesen zu beheizen). Die großen Emittenten haben den Gipfel dominiert, Länder im Konzert mit Rohstoffkonzernen. Als Erfolg wird schon gewertet, dass es keinen Rückschritt gibt – und sich die Menschheit weiter zum 1,5-Grad-Ziel bekennt. Also zu einem Ziel, das heute schon als kaum zu erreichen gilt.

Dieser Klimagipfel ist ein Spiegel unserer Zeit, denn die Menschheit ist abgelenkt, gebunden, hat andere Sorgen, wieder einmal. Denn immer wieder werfen uns große Krisen aus der Bahn und binden Kraft und Ressourcen, die fundamentalen Aufgaben der Zukunft anzupacken. Daten wie 2030 oder gar 2050 scheinen weit weg, wenn der Winter die nächste Not ist; und Kohle muss die Lücke füllen, die das russische Gas hinterlässt.

China wird den Umbau wie seinen Aufstieg gestalten

Kriege, das muss man erneut festhalten, waren bis 2030 nicht vorgesehen. Und eine historische Energiekrise in Europa und den USA auch nicht. Der Klimaschutz setzt zudem auf eine Welt, die kooperiert, die die Probleme der Menschheit gemeinsam anpackt und bewältigt. Gerade die Haltung Chinas hat gezeigt, dass der weltgrößte Emittent sich alles offenhält: China will sich nicht an dem Klimafonds beteiligen. China wird auch weiter auf Kohlekraft setzen. Aber es ist nicht so, dass China nichts tut: Beim Ausbau erneuerbarer Energien investiert Peking massiv, ebenso in die Elektromobilität. Die Chinesen werden den Umbau ihrer Wirtschaft so managen, wie sie den Aufstieg gestaltet haben: Entschlossen, eigennützig, zur Not brachial, sogar schnell – und vermutlich sogar erfolgreich.

Mit China geht es in den derzeitigen Klimaregimen und Klimakonferenzformaten nicht oder nur schwer – ohne China allerdings auch nicht. Das Land steht für gut ein Viertel aller Treibhausgasemissionen weltweit, stößt so viel aus wie die großen Industrieländer zusammen. Selbst Indien emittiert so viel wie Europa. Da bringt es wenig Vorreiter und Vorbild zu sein.

Weltklimakonferenz: Dann lasst den Planeten halt brennen

Der große Misserfolg überdeckt die vielen kleinen Erfolge

Was macht in dieser Gemengelage noch Hoffnung?

Nun, die Aussicht, dass der Umbau der Wirtschaft Richtung Klimaneutralität dennoch weitergeht und nicht aufzuhalten ist. Dass die Strategien, die Unternehmen wie BASF, Volkswagen oder Thyssenkrupp verabschiedet haben, nicht über den Haufen geworfen werden. Dass Ölkonzerne natürlich einen Boom erleben (weil Öl und Gas zudem noch viele Jahre gebraucht werden), aber auch diese Unternehmen in erneuerbare Energien investieren.

Hoffnung macht auch, dass trotz allem Dutzende Milliarden in diese Transformation investiert werden, dass Investoren immer mehr Geld in grüne Projekte, Windparks und Start-ups stecken, dass wir eine Welle an Gründungen erleben, wo junge Firmen Lösungen im Kampf gegen Klimawandel suchen und finden. Sei es im Bereich der Energiespeicher, der Ladesäulen, der Solarenergie oder jenem Verfahren, bei dem CO2 aus der Luft gefiltert wird.

Diese Konferenz mag gescheitert sein, der Umbau ist es nicht. Er wird komplex, mühsam, es wird Rückschritte und Fehlschläge geben. Aber er wird nicht falsch oder gar obsolet, und er geht weiter. Auch wenn die kleinen Erfolge bisweilen schwerer zu entdecken sind als die großen Misserfolge.

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