Rohstoffe Warum russisches Öl zum Ladenhüter wird

Die PCK-Raffinerie in Schwedt. Über die Pipeline wird die PCK Raffinerie mit Rohöl von Rosneft aus Russland versorgt
Die PCK-Raffinerie in Schwedt. Über die Pipeline wird die PCK Raffinerie mit Rohöl von Rosneft aus Russland versorgt
© IMAGO/Jochen Eckel
Die westlichen Sanktionen verbieten Unternehmen nicht, Rohöl aus Russland einzukaufen. Die Signalwirkung funktioniert trotzdem: Mittlerweile hat selbst Öl-Gigant Rosneft Schwierigkeiten, Abnehmer zu finden

Öl ist begehrt. Das ändert allerdings nichts daran, dass es russischen Produzenten immer schwerer fällt, ihr Öl zu verkaufen. Der Energieriese Rosneft scheiterte nun spektakulär mit dem Versuch, Öl im Volumen von 38 Millionen Fässern zu verkaufen. Zur Einordnung: Ein Fass sind jeweils knapp 159 Liter, die angebotene Menge würde eine Flotte von 19 großen Tankern füllen.

Rosneft hatte das Öl vergangene Woche in einer Auktion angeboten. Das ist die gängige Methode auf dem Ölmarkt. Durch sie soll ein möglichst hoher Preis erzielt werden. Dem „Wall Street Journal“ zufolge waren neben 5,1 Millionen metrischen Tonnen der russischen Sorte Urals auch deutlich kleinere Mengen anderer Ölsorten im Angebot. Der Rohstoff sollte aus russischen Häfen an der Ostsee und am Schwarzen Meer verschifft und im Mai und Juni geliefert werden. 

So üblich Auktionen sind, so ungewöhnlich war eine Bedingung von Rosneft: Das Öl sollte in Rubel bezahlt werden. Diese Forderung könnte ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass der Öl-Gigant keinen Abnehmer gefunden hat. Hintergrund der Forderung dürfte die Anordnung von Präsident Wladimir Putin sein, dass Rechnungen für russische Energie-Lieferungen künftig in Rubel beglichen werden müssen. 

Doch auch ohne die Rubel-Forderung ist es russischen Öl-Firmen in den letzten Wochen schwergefallen, Käufer zu finden. Surgutneftegas und Zarubezhneft scheiterten mit Auktionen, Rosneft wurde Öl nur durch einen hohen Preisnachlass los.

Öl-Multis machen keine Geschäfte mit Russen

Westliche Firmen fallen als Kunden immer stärker aus. Sie dürfen zwar weiterhin Öl aus Russland kaufen, suchen aber intensiv nach Alternativen. Vor dem Überfall auf die Ukraine hatte Deutschland rund 35 Prozent seines Öls aus Russland bezogen. Nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck wurde dieser Anteil an den Ölimporten auf etwa 12 Prozent gesenkt. Ziel ist es, möglichst schnell ganz auf russisches Öl zu verzichten. 

Russland ist für westliche Öl-Multis so toxisch geworden, dass etwa Shell und BP kein russisches Öl mehr kaufen. Sie trennen sich von Investitionen und Beteiligungen in Russland und schreiben so Milliarden ab. Auch Rohstoffhändler, etwa die Vitol-Gruppe aus der Schweiz, stellen Öl-Geschäfte mit Russland ein. 

Russland sucht vor diesem Hintergrund nach Alternativen. Von den großen Öl-Verbrauchern kauft vor allem Indien zunehmend russisches Öl. Doch die misslungenen Auktionen zeigen, dass sich europäische Kunden nicht problemlos durch andere ersetzen lassen. Hinzu kommt: Am Markt gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Je weniger Interesse an russischem Öl besteht, desto geringer ist der Preis. Russland muss für sein Öl also Abschläge hinnehmen. 

Der Preisunterschied von russischem Öl zu dem anderer Produzenten ist gewaltig. Normalerweise kostet ein Fass Urals etwa 60 Cent weniger als ein Fass der Nordseesorte Brent. Derzeit kostet ein Fass rund 73 Dollar und ist damit 32 Dollar billiger als die Konkurrenz aus der Nordsee. 

Staatshaushalt abhängig von Energie-Einnahmen

Die gescheiterte Auktion bedeutet nicht, dass Rosneft überhaupt keine Käufer mehr für sein Öl findet. Denn zu der Versteigerung hatten sich Interessenten angemeldet, die dem „Wall Street Journal“ zufolge aus dem asiatisch-pazifischen Raum stammen. Das kann als Signal verstanden werden, dass sie bereit sind, mit Rosneft trotz der russischen Angriffe in der Ukraine Geschäfte zu machen. 

Wahrscheinlich dürfte Rosneft künftig weniger in öffentlichen Auktionen Öl verkaufen, sondern direkt an Abnehmer, die so besser unter dem Radar bleiben können. Das bedeutet aber auch, dass die Verhandlungsposition der Russen schwächer ist und sie Preisabschläge akzeptieren müssen. 

Für den Kreml ist das eine schlechte Nachricht. Die russische Wirtschaft leidet zunehmend unter den westlichen Sanktionen. Deshalb ist die Regierung noch stärker auf die Einnahmen von Rosneft angewiesen. Der Öl-Multi ist der größte Steuerzahler und trägt nach eigenen Angaben alleine zu einem Fünftel des Staatshaushalts bei. Der Internationalen Energieagentur zufolge haben die gesamten Exporte von russischem Öl und Gas im vergangenen Jahr 45 Prozent des Haushalts finanziert.

Der Beitrag ist zuerst auf ntv.de erschienen

Dieser Artikel ist zuerst auf n-tv.de erschienen

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