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Greentech „Unsere Vision ist: saubere und bezahlbare Energie für alle“

Als Geschäftsführer von Sonnen war Philipp Schröder einer der bekanntesten Vertreter der deutschen Greentech-Branche. Jetzt startet er als Fintech-Unternehmer neu
Als Geschäftsführer von Sonnen war Philipp Schröder einer der bekanntesten Vertreter der deutschen Greentech-Branche. Jetzt startet er als Fintech-Unternehmer neu
© Christoph Neumann
Der Batteriespeicherhersteller Sonnen wächst: Das Allgäuer Unternehmen expandiert in andere Märkte. Co-Geschäftsführer Philipp Schröder über den Konkurrenten Tesla, einen Börsengang und die Auswirkungen eines möglichen Handelskriegs

Kaum ein deutsches Greentechunternehmen hat in den vergangenen Jahren so eine Expansion hingelegt: Der Batteriespeicherhersteller Sonnen aus der südbayerischen Provinz avanciert zum Weltmarktführer bei Speichersystemen. 2013 belief sich der Umsatz noch auf 4,5 Mio. Euro, 2016 waren es bereits um die 50 Mio. Euro. Und damit ist noch längst nicht das Ende des Wachstums erreicht. Seit 2016 bietet das Unternehmen nicht bloß Speichersysteme für Solarenergie an. Es vernetzt seine Kunden auch in einer Community, einem dezentralen Verbund von Privathaushalten. Mithilfe digitaler Stromzähler, einer Softwareplattform und einer Smartphone-App können die Besitzer von Solaranlagen mit Batterie zu Energiehändlern werden, die selbst produzierten Ökostrom virtuell austauschen.

Capital hat Sonnen vor eineinhalb Jahren porträtiert. Nun fragen wir Co-Geschäftsführer Philipp Schröder, was die Auslandsexpansion macht, ob Teslas Batterie eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Deutschen ist – und ob er Angst vor dem aufkeimenden Handelskrieg hat.

Capital: 2015 ist Sonnen auf dem italienischen Markt gestartet, 2016 ging es nach Großbritannien, Australien, die USA und nun wird man Ihre Speicherbatterien auch in Frankreich kaufen können. Werden Sie die Auslandexpansion weiter vorantreiben?

Philipp Schröder: Wir werden die Auslandsexpansion nun ein bisschen entschleunigen. Zwar werden wir uns weiter neue Märkte anschauen, denn wenn sich ein Markt schnell entwickelt, wollen wir dabei sein. Aber uns geht es jetzt erstmal darum, innerhalb der EU, Nordamerika und Australien zu bleiben. In diesen großen Märkten, in die wir jetzt eingestiegen sind, werden wir neben unserer Hardware die Vernetzung und Community-Leistung ausbauen. Darin sehen wir ja neben unserem Produkt den großen Mehrwert.

In welchen Ländern werden die Speichersysteme denn am stärksten nachgefragt?

Deutschland ist nach wie vor unser stärkster Markt. Aber dieses Jahr planen wir, 50 Prozent des Umsatzes im Ausland zu erzielen. Das sind vor allem Italien, USA und Australien, in denen die Speichersysteme gefragt sind. In Australien haben wir zum Beispiel in knapp einem Jahr etwa 2500 Speichersysteme verkauft und bieten jetzt auch die Vernetzung der Haushalte an. Das Gleiche gilt für Italien und auch für Deutschland.

Auslandsexpansionen sind kapitalintensiv.

Wenn wir in neue Standorte und Produktionsstädten investieren, fährt man Verluste. Das war uns klar. Deswegen haben wir in einer neuen Investitionsrunde vor drei Woche etwa 60 Mio. Euro eingesammelt, unter anderem von Shell Investors.

Ein Börsengang wäre auch eine Möglichkeit der Kapitalaufnahme.

Unsere Vision ist nach wie vor: saubere und bezahlbare Energie für alle. Um das zu erreichen, müssen wir weiter investieren und brauchen einen guten Kapitalmarktzugang. Deswegen sind weiterhin alle Optionen auf dem Tisch, auch ein Börsengang. Aber mit der letzten Investitionsrunde und Shell haben wir erstmal gezeigt, dass wir nach wie vor dazu in der Lage sind, mit einer hohen Bewertung Kapital aufzunehmen.

2016 haben Sie 8000 Batterien verkauft und waren darüber ziemlich glücklich. Können Sie schon sagen, wie das im vergangenen Jahr aussah?

2017 haben wir unseren Umsatz um 65 Prozent gesteigert.

Der Markt für Speichersysteme wird enger. Die RWE-Tochter Innogy ist eingestiegen, Daimler auch, Eon ist mit der Solar-Cloud nachgezogen und Tesla macht mit der Powerwall schon länger Druck.

Man muss unterscheiden zwischen denen, die am Markt erfolgreich sind, und denen, die wie mit einem Bauchladen einen „metoo“-Ansatz fahren: Also die sehen, dass das, was wir tun, sexy ist, wir dafür PR bekommen und erfolgreich damit sind. Die meisten verkaufen nämlich keine Speicher, keine IT, kein virtuelles Kraftwerk, sondern einen Stromtarif. Für uns gibt es in den relevanten Märkten weltweit bloß zwei Mitstreiter: Tesla und LG. Ansonsten gibt es für uns keinen Konkurrenten, der mehr als Marketingbroschüren veröffentlicht. Wir haben also keine Angst vor einem engeren Markt. Und mit dem neuen Shell-Investment haben wir gezeigt, dass wir mit unserem Hardware-Produkt überzeugen.

Elon Musk hat es aber geschafft, Tesla als Marke zu etablieren und wahnsinnig populär zu machen.

Tesla hat eine tolle Marke, aber eben kein virtuelles Kraftwerk, keine Stromtarife, keine Vernetzung. Und auch das Produkt kann man mit unserem kaum vergleichen. Tesla verkauft in Deutschland Autos. Und der Verkauf der Powerwall wurde gerade auf 2019 verschoben.

Bereitet Ihnen als international agierendes Unternehmen, das 50 Prozent des Umsatzes in internationalen Märkten erzielt, der drohende Handelskrieg Sorgen?

Es gibt zwei Herzen in der Brust. Einerseits: Was hält man von dem, was Präsident Trump sagt, gerade als Unternehmen, das versucht, das größte Problem unserer Generation in den Griff zu kriegen, nämlich den Klimawandel. Und da schlägt man sich vor den Kopf. Andererseits: Vor dem Handelskrieg haben wir nicht so viel Angst, weil wir in den USA produzieren. In Atlanta haben wir eine eigene Produktionsstädte für den amerikanischen Markt. Auch wenn ein Handelskrieg natürlich nicht gut wäre und Unsicherheit in den Markt bringt, sind wir so aufgestellt, dass wir den amerikanischen Markt vor Ort abdecken könnten.


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