ExklusivExit für 100 Mio. Dollar: Die Hintergründe zum Planetly-Verkauf

Planetly-Gründerin Anna AlexPR

Anna Alex, einst Gründerin des Online-Stilberaters Outfittery, und Benedikt Franke, einst Gründer des Putzkraftvermittlers Helpling, wechselten Anfang 2020 die Branchen: Statt Männermode und Haushaltsreinigung machten sie nun in Nachhaltigkeit. Mit Planetly entwickelten sie ein Tool, das es Unternehmen ermöglichen soll, ihren CO2-Ausstoß zu messen und zu reduzieren. Nicht einmal zwei Jahre später verkaufen sie ihr Start-up schon wieder: an die US-Softwarefirma One Trust. Zu den Konditionen des Deals äußert sich Planetly nicht. In der Szene gilt in solchen Fällen in der Regel: Bewertungen, die nicht nach außen dringen, sind eher niedrig – und den beteiligten Geldgebern peinlich.

Der Planetly-Verkauf scheint jedoch trotz der auferlegten Schweigsamkeit ein lukrativer Deal gewesen zu sein: Der Käufer soll die Firma mit 100 Mio. Dollar bewerten, heißt es aus Finanzkreisen. Zwei Jahre nach Gründung ist das allemal ein guter Preis. Den Planetly-Teilhabern hätten die Amerikaner jeweils die Option eingeräumt, den Preis in bar zu erhalten – oder in Form von Anteilen an One Trust.

Der US-Anbieter hat eigentlich seinen Schwerpunkt im Datenschutzmanagement und wird nun die Planetly-Software ebenfalls vertreiben. Laut informierten Kreisen steht One Trust vor einer Finanzierungsrunde zu einer Bewertung von rund 7 Mrd. Dollar. Planetly wollte sich zu den Zahlen nicht äußern.

Verkauf in die USA soll globale Reichweite bringen

Offiziell begründet das Start-up den frühen Verkauf damit, auf diese Weise die „Mission einer klimaneutralen Wirtschaft“ noch schneller vorantreiben zu können. So formuliert es Gründerin Anna Alex gegenüber dem „Handelsblatt“. Unter dem Dach von One Trust, das mehr als 10.000 Kunden habe, könne man quasi über Nacht global skalieren. Planetly selbst konnte in den vergangenen zwei Jahren trotz Pandemie rund 200 Firmenkunden gewinnen, darunter den Autobauer BMW und den Kochboxenversender Hellofresh.

Für das Gründerteam dürften auch persönliche Motive bei der Verkaufsentscheidung eine Rolle gespielt haben: Sowohl Alex als auch Franke konnten mit ihren ersten Gründungen die Erwartungen nie ganz erfüllen. Das Mode-Start-up Outfittery, das Alex mit aufgebaut hatte, kämpfte in den vergangenen Jahren mit Problemen. Auch der Putzkraftvermittler Helpling, den Franke unter dem Dach von Rocket Internet gegründet hatte, blieb hinter den hochgesteckten Zielen zurück. Der Planetly-Exit ist nun für beide ein sichtbarer Erfolg – und das schon zwei Jahre nach dem Start.

In die Firma flossen bislang nur rund 7,8 Mio. Euro, zu den Investoren gehörten prominente Risikokapitalgeber wie 468 Capital, Cavalry Ventures oder Speedinvest. Zuletzt beschäftigte die Firma rund 130 Mitarbeiter.

Climatetech im Aufwind

Planetly war beim Start Anfang 2020 eines der ersten ernstzunehmenden Climatetech-Projekte aus der deutschen Start-up-Szene. Inzwischen hat die Branche viel Zulauf bekommen. Erst kürzlich hat Planetly-Investor Speedinvest einen eigenen Fonds für Climatetech-Start-ups in Höhe von 80 Mio. Euro aufgelegt.

Dabei geht es längst nicht mehr nur ums gute Gewissen. Der Planetly-Deal zeigt, dass auch Klima-Start-ups mit hohen Bewertungen und guten Kapitalrenditen aufwarten können. Für ein langfristig eigenständiges und großes europäisches Unternehmen hat dieser Anlauf nun allerdings nicht gereicht.