Ukraine-Krise Warum Donezk und Luhansk im Zentrum von Putins Plan stehen

Am Montag erklärte der russische Präsident Wladimir Putin, die abtrünnigen Gebiete in der Ostukraine anzuerkennen
Am Montag erklärte der russische Präsident Wladimir Putin, die abtrünnigen Gebiete in der Ostukraine anzuerkennen
© IMAGO / SNA
Russland erkennt die abtrünnigen Regionen Donezk und Luhansk als eigenständig an – und schickt Truppen in die Ostukraine. Warum die beiden Separatistengebiete nun im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen

Die Ankündigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, zwei selbsternannte Separatistenrepubliken in der Ostukraine anzuerkennen, haben die Spannungen im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine verschärft.

Dass er außerdem ankündigte, sogenannte „Friedenstruppen“ in die Volksrepubliken Donezk und Luhansk zu schicken, schürte darüber hinaus Sorge in den USA und Europa, dass Moskau die Kontrolle über die international als Teil der Ukraine anerkannten Gebiete übernehmen könnte. 

Russland hat wiederholt bestritten, dass es einen Angriff plant, und Putin hat erklärt, sein Land denke nicht daran, das Gebiet zu annektieren. Dennoch ist das Dekret der jüngste Schritt in Putins 20 Jahre andauerndem Projekt zur Wiederherstellung der Vorherrschaft Russlands über seine ehemaligen sowjetischen Nachbarn und zur Verhinderung ihrer Annäherung an den Westen.

Hier ein genauerer Blick auf die Gebiete und warum sie jetzt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen:

Was sind die Volksrepubliken Donezk und Luhansk?

Sie waren einst das industrielle Kernland der Ukraine und gehörten zu den überwiegend russischsprachigen Provinzen im Südosten des Landes. Von Russland unterstützte Separatisten übernahmen nach dem Sturz des kremlnahen ukrainischen Präsidenten die Kontrolle über die Regionen entlang der Grenze zwischen den beiden Ländern, was mit der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 zusammenfiel. Bei den Kämpfen wurden etwa 14.000 Menschen getötet und mehr als 1,4 Millionen Menschen wurden nach Angaben der Regierung innerhalb der Ukraine vertrieben. 

Die Separatisten halten etwa ein Drittel der Provinzen und bezeichnen sie als Donezker Volksrepublik (DNR) und Luhansker Volksrepublik (LNR). Kein Staat erkannte sie an, bis Russland dies tat. Russland hat sie seit ihrer Gründung finanziell und militärisch unterstützt und Hunderttausenden von Menschen dort russische Pässe ausgestellt. 

Karte der betroffenen Gebiete in der Ostukraine
Karte der betroffenen Gebiete in der Ostukraine

Warum stehen sie jetzt im Mittelpunkt?

Russland möchte, dass Donezk und Luhansk eine Autonomie erhalten, die ihnen ein effektives Veto gegen größere Veränderungen in der Ausrichtung der Ukraine gibt – nämlich die Integration in den Westen, die von einer beträchtlichen Mehrheit der 41 Millionen Einwohner des Landes unterstützt wird. Das wäre politischer Selbstmord für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der dafür kämpft, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Korruption einzudämmen. Gegenüber Diplomaten erklärte er, die Ukraine brauche eine „sehr klare Perspektive“ für ihre NATO-Mitgliedschaft, und der Generalsekretär des Nordatlantikpakts, Jens Stoltenberg, erklärte, die Allianz unterstütze weiterhin die Bemühungen der Ukraine um eine Mitgliedschaft.

Der Waffenstillstand in der Region stand schon immer auf wackligen Beinen, und internationalen Beobachtern zufolge kommt es jedes Jahr zu Tausenden von Verstößen. In einer brenzligen Situation mit Tausenden von russischen Truppen, die sich entlang der ukrainischen Grenzen sammeln, ist dies der wahrscheinlichste Auslöser für einen größeren Konflikt. Russland hat den Bewohnern der Separatistengebiete die Staatsbürgerschaft angeboten, und eine Bedrohung ihres Lebens könnte als Rechtfertigung für weitere Maßnahmen dienen.

Was ist das Interesse des Westens?

Sollten sich die Warnungen der USA vor einer Invasion bewahrheiten, könnte dies die schlimmste europäische Sicherheitskrise seit dem Zweiten Weltkrieg bedeuten – weitaus dramatischer als die Spannungen, die durch Putins Übernahme der Krim und die früheren Kämpfe in der Ostukraine ausgelöst wurden. Die USA, die EU und Großbritannien haben ein Paket von Sanktionen für den Fall einer russischen Invasion ausgearbeitet. Zu den möglichen Maßnahmen gehört das Vorhaben, russische Milliardäre ins Visier zunehmen, die Aufnahme von Staatsschulden und die Verwendung des Dollars durch Kreditgeber zu beschränken oder die neue Erdgaspipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland zu blockieren.

Der Westen hat auch viel Geld in die Entwicklung der Ukraine investiert. Der Internationale Währungsfonds hat dem Land Unterstützung angeboten, von der Weltbank und der Europäischen Union sind Milliarden von Dollar geflossen, und die USA haben Kreditgarantien und Militärhilfe bereitgestellt. 

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