ManagementTop-Managern mangelt es an Digital-Kompetenz

Entrepreneurship und digitale Kompetenz sind Schwachstellen von Top-Führungskräften deutscher Unternehmen. In einer wissenschaftlichen Analyse kommen die Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin, und das Investment Lab Heilbronn zu dem Schluss: Die wichtigsten börsennotierten Unternehmen haben bei der Besetzung ihrer Vorstandsteams hier großen Nachholbedarf. Unternehmerische und digitale Stärken würden bei der Auswahl von Vorständen in einem sich schnell verändernden wirtschaftlichen Umfeld nicht hoch genug bewertet.

Die beiden Wissenschaftler Julian Kawohl, Inhaber der Professur für Strategisches Management an der HTW, und Jochen Becker vom Heilbronner Think Tank der Dieter Schwarz Stiftung analysierten 411 Lebensläufe von Vorständen aller 80 Dax- und MDax-Unternehmen. Sie werteten Unternehmenswebseiten, Geschäftsberichte und Profile in Business-Netzwerken nach einem umfassenden Scoring-System aus. Geprüft wurden unternehmerische Erfahrungen, wie etwa in führenden Positionen eines Familienbetriebs oder bei der Gründung eines Start-ups, sowie digitale Vorkenntnisse aus Software- oder Technologieunternehmen andererseits.

Hohes Durchschnittsalter

Mit acht Prozent bringt demnach nicht einmal jeder zehnte Vorstand aus vorherigen Jobs umfassende Digitalkompetenzen mit. Nur jeder vierte von ihnen verfüge über substanzielle unternehmerische Vorerfahrung. „Wie sollen Vorstände, die vorher keine unternehmerischen Entscheidungen in Gründungs- oder Transformationsprozessen treffen mussten, dann als Vorstand riskante und gleichzeitig aussichtsreiche Prozesse anstoßen und durchsetzen“, fragt Kawohl. Dabei sei die digitale Transformation nur ein aktuelles Beispiel, aber nicht die einzige grundlegende Herausforderung.

Eine weitere Schwachstelle der Vorstandsteams sehen die Autoren der Studie in dem hohen Durchschnittsalter von 52,6 Jahren. Das jüngste Team komme von Zalando mit einem Durchschnitt von 33,7 Jahren. Dort gehörten alle Vorstände der Generation Y, aus dem Jahrgang 1980 und jünger, an. „Diese ist jedoch insgesamt nur mit knapp einem Prozent in den Vorständen der Dax- und MDax-Unternehmen vertreten“, ergänzt Kawohl. „Angesichts der Herausforderungen der neuen Technologien ist eine Verjüngung der Vorstandsteams und eine bessere Mischung der Altersstruktur sinnvoll.“

Diese zehn aktuellen Manager erhielten in der Studie die höchsten Bewertungen in Sachen Digital-Kompetenz: