Tech-MilliardärStreit um Tesla-Werk kostet Elon Musk Sympathien

Tesla-Chef Elon Musk sorgt in der Corona-Krise für Aufsehen – allerdings auch für Kritik
Tesla-Chef Elon Musk sorgt in der Corona-Krise für Aufsehen – allerdings auch für Kritikimago images / Xinhua

Eins ist sicher, kaum ein Unternehmer polarisiert so sehr wie Elon Musk. Seine Fans halten ihn für einen genialen Vordenker, seine Kritiker für einen verwirrten Exzentriker. Mal scherzt er bei Twitter über eine Tesla-Pleite und zieht so den Groll der Börsenaufsicht SEC auf sich, mal raucht er in einem öffentlichen Video einen Joint und sorgt damit für Empörung.

Durch seinen Ruf als Visionär, der die ökologische Wende der Autobranche voranbringt und bald schon Reisen in den Weltraum anbieten könnte, überwogen für Musk bislang die Sympathien. Mit seinen Tweets in der Corona-Krise kippt die Stimmung gegen den Chef des E-Autobauers Tesla und der Weltraumfirma SpaceX aber allmählich.

Denn Musk blieb sich als Querdenker treu und sorgte mit steilen Thesen für Aufmerksamkeit. Viel schlimmer als das Coronavirus bewertete er die damit verbundene Panik. Die Maßnahmen der US-Behörden kritisierte der 48-Jährige Ende April außerdem als „faschistisch“. Ein besonderer Dorn im Auge waren ihm dabei die Beschränkungen im Bezirk Alameda County, in dem Teslas Stammwerk steht. Seit dem 23. März ruhte die Produktion in Teslas größtem Werk.

Klageschrift und Drohgebärden auf Twitter

Sehr zum Ärger von Elon Musk. Denn anders als die Verantwortlichen des kalifornischen Bezirks sieht er seinen Konzern als systemrelevant an. Daher wollte er Anfang Mai zumindest eine teilweise Öffnung auf 30 Prozent erreichen. Zwar gab der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom grünes Licht, die Wirtschaft im US-Bundesstaat – und damit auch das Tesla-Werk – vorsichtig wieder hochzufahren. Die kommissarische Gesundheitsbeauftragte von Alameda County, Erica Plan, hielt aufgrund der Fall- und Infektionszahlen allerdings an den Beschränkungen fest.

Für Musk ein Grund mit allen Mitteln zu rebellieren. Der Milliardär reichte prompt Klage gegen die lokalen Behörden ein. Sie würden die „verfassungsmäßig verbrieften Freiheiten“ und den „gesunden Menschenverstand“ missachten, heißt es in der Klageschrift. Mit ihrer Entscheidung setzen sie sich über den US-Präsidenten und den Gouverneur von Kalifornien hinweg, ergänzte Musk bei Twitter. Seinen Aktionären legte er außerdem nahe, Alameda County auf Schadensersatz für die verspätete Wiedereröffnung zu verklagen.

Zeitgleich kündigte Musk an, die Tesla-Zentrale und weitere Programme künftig ins texanische Nevada zu verlegen. „Ob wir die Produktion in Fremont überhaupt wieder aufnehmen, wird davon abhängen, wie Tesla in Zukunft behandelt wird“, twitterte er.

Der Grund des Streits zwischen Musk und dem Bezirk Alameda County: Das Tesla-Stammwerk in Fermont
Der Grund des Streits mit dem Bezirk Alameda County: Das Tesla-Stammwerk in Fremont (Bildquelle: imagoEinschüchterung von Mitarbeitern

Alameda County blieb hart und hielt an den Beschränkungen fest. Wie alle anderen Autobauer auch, solle Tesla erst ab dem 18. Mai die Produktion anrollen lassen. Fremont öffnete die Tore dagegen schon eine Woche früher – entgegen der expliziten Anweisungen des Gesundheitsamtes. „Wenn irgendwer verhaftet wird, dann bitte ich darum, dass es nur ich bin“, schrieb Musk auf Twitter, als er die Öffnung ankündigte und versprach an vorderster Produktionslinie zu stehen.

Auch im Umgang mit seinen Mitarbeitern zeigt sich der Tesla-Chef ähnlich harsch. Wie der Guardian berichtete, fühlten sich viele Werksarbeiter eingeschüchtert. Denn Musk teilte der Belegschaft mit, wer sich nicht zur Arbeit zurückmelde, könne seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld „eliminieren oder herabsetzen“.

Kritik und geplatzte Finanzhilfen

Gab es anfangs noch verhaltenes Lob für den rebellischen Unternehmer, der für seinen Konzern kämpfte, hat sich die Stimmung jetzt zunehmend gewandelt. In den Sozialen Medien erntete Musk zuletzt viel Kritik. Beobachter prognostizieren zudem, dass sein Verhalten in der Corona-Krise potentielle Tesla-Kunden vergraulen könnte. Dass es für Musks Anfeindungen mit der Bezirksregierung von Alameda County ausgerechnet von US-Präsident Donald Trump Schützenhilfe gab, könnte den Effekt verstärken.

Seine Weltraumfirma hat die Konsequenzen für sein Verhalten schon zu spüren bekommen. SpaceX hatte beim US-Bundesstaat Kalifornien eine staatliche Finanzhilfe zur Weiterbildung seiner Mitarbeiter beantragt. Das zuständige Employment Training Panel lehnte den Antrag im Umfang von 655.500 US-Dollar allerdings ab – mit einem Verweis auf den Tesla-Streit mit Alameda County.

Spekulationen um Liquiditätsprobleme

Unlängst hat Musk mit seinem Aktionismus auch Spekulationen über seine finanzielle Situation ausgelöst. Steht das Werk in Fremont zu lange still, könnte das für Liquiditätsprobleme bei Tesla sorgen, heißt es. Hinter dem rüpelhaften Gebaren stecke demnach vielmehr die Sorge, hinter den anderen Autobauern zurückzubleiben. Mit dem dritten Quartalsgewinn in Folge erlebt Tesla aktuell eine Phase der Profitabilität. Auch der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn erheblich gestiegen.

Musks private Finanzen sehen laut einer Analyse des Wall Street Journal alles andere als rosig aus. Zwar sei Musk durch seine Anteile bei Tesla und SpaceX gut abgesichert, der Reichtum existiere aber nur auf dem Papier. Mit dem jüngsten Verkauf von sieben Immobilien im Wert von insgesamt 137 Mio. US-Dollar befeuerte Musk die Spekulationen über seine Liquidität. Der Tesla-Chef erklärt den Verkauf dagegen ganz asketisch, mit dem Vorhaben sich von fast allem physischen Besitz loszusagen: „Ich brauche das Geld nicht. Ich widme mich dem Mars und der Erde.“

 


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