MusikindustrieStreaming gibt der Musikbranche den Optimismus zurück

Deutsche Anbieter machen schon mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit Spotify & Co.

Das Geschäft um Streaming-Anbieter wie Spotify boomt
Das Geschäft um Streaming-Anbieter wie Spotify boomtPixabay

Nach eineinhalb Jahrzehnten Niedergang lässt das Geschäft mit Musikstreaming die Musikbranche wieder hoffen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres machte die deutsche Musikindustrie erstmals mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit Streaming, wie der Branchenverband BVMI am Morgen meldete. Insgesamt seien die Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 8 Prozent gewachsen, freute sich der der Branchenverband BVMI, so schnell wie seit 1993 nicht. Die Branche erlöste demnach 783,2 Mio. Euro in den sechs Monaten bis Ende Juni. „Streaming entfaltet jetzt auch in Deutschland die Hebelwirkung“, jubelte Verbandschef Florian Drücke über die Zahlen.

Erst seit Kurzem nimmt die Branche Fahrt auf

Das Musikgeschäft war die erste große Branche, die durch die digitale Umwälzung völlig umgekremplt wurde. Kurz vor der Jahrtausendwende begann mit dem Aufstieg der Musiktauschbörse Napster ein langer und tiefer Abstieg. In den USA, wo die meisten Entwicklungen in der Musik ihren Ausgang nehmen, stürzte der Markt von 21,5 Mrd. Dollar Volumen in 15 Jahren auf weniger als ein Drittel.

Seit 2015 geht es langsam wieder aufwärts, doch die alten Spitzenwerte aus den Zeiten der CD bleiben für die Industrie unerreichbar weit weg. Den Hauptanteil an dem Wiederaufstieg haben die Streaming-Dienste wie Spotify, aber auch kostenpflichtige MP3-Downloads und werbefinanzierte Klingeltöne spielen eine Rolle – sowie auf internationaler Ebene und in deutlich geringerem Maß das wachsende Geschäft mit einem ganz alten physischen Produkt, nämlich Vinyl-LPs.

Konkurrenz für Marktführer Spotify

Trotz des wiedergewonnen Wachstums: Die Branche hat nicht nur keinen Grund von den alten Umsatzgrößen zu träumen, auch die früher gewohnte Profitabilität kommt wohl erst einmal nicht wieder. Denn die Tantiemen, die die Streamingdienste überweisen sind bei weitem nicht so attraktiv wie die Gewinne aus dem CD-Geschäft waren.

Der Streaming-Markt selbst wird inzwischen nicht mehr hauptsächlich von Marktführer Spotify mit seinen rund 100 Millionen Abonnenten getrieben. Apple Music (rund 50 Millionen Kunden) und vor allem Amazon (32 Millionen Kunden) wachsen inzwischen deutlich schneller als der Platzhirsch. Amazon hatte seinen Musikdienst im Herbst 2016 gegründet, Apple Music kam zwei Jahre später dazu.