InternetStarlink: Das ist von Elon Musks Satelliten-Internet zu erwarten

Eine Rakete von SpaceX bringt 60 Starlink Satelliten ins All. Copyright: Joe Marino

Als Elon Musk 2003 ankündigte, ein Gewächshaus auf den Mars bringen zu wollen, wirkte er dabei ziemlich nervös. Er stolperte über seine Wörter, verhaspelte sich in seinen Sätzen. Kein Wunder irgendwie. Eine Rakete für sein Vorhaben in den USA zu suchen, war unmöglich. Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos und die ESA waren damals die größten Player in Sachen Raketenstarts. Musk wurde für sein Vorhaben, eine eigene Rakte zu bauen, nur belächelt. Tausende Satelliten ins All bringen: viel zu teuer. Raketen wiederverwenden: unmöglich.

Doch Elon Musk wäre nicht Elon Musk, wenn er sich von seinem Vorhaben hätte abbringen lassen. Also fing er an. Und im Jahr 2021 versuchen sowohl die Europäer als auch die Russen verzweifelt, Musk irgendwie wieder einzuholen. Denn sein Unternehmen SpaceX hat es nicht nur geschafft, günstiger Raketen ins All zu bringen als die Konkurrenz. Es arbeitet auch wesentlich zuverlässiger. 2008 war SpaceX für nicht mal fünf Prozent der weltweiten Raketenstarts verantwortlich. 2020 flog seine Falcon 9 alleine 25 Mal ins All – rund ein Viertel aller weltweiten Starts. Völlig neue Möglichkeiten in der kommerziellen Nutzung des Weltraums sind entstanden, zumal Flüge ins Weltall auch günstiger geworden sind.

Nach Tesla und SpaceX hat sich Musk deshalb einer weiteren Sache verschrieben: Er will die Welt mit schnellem Internet versorgen. Sein System heißt Spacelink. Es besteht aus vielen kleinen Satelliten, die die Erde in einem niedrigen Orbit umkreisen. Mit jedem Start einer SpaceX-Rakete fliegen im Augenblick mehr dieser Satelliten mit ins All. Bald schon sollen es 12.000 sein. Das würde Musk zu dem Mann machen, der die meisten Satelliten im All besitzt.

Transportkosten gesunken

Natürlich ist Musk nicht der erste, der Satelliten zur Kommunikation einsetzt. Manche erinnern sich noch an die Zeiten, in denen Satelliten-Telefonie etwas völlig Neues war. Damals wurden die dafür benötigten Kommunikationssatelliten allerdings in einen geosynchronen Orbit gebracht. Das hatte den Vorteil, dass weniger von den künstlichen Trabanten benötigt wurden. Objekte in einem geosynchronen Orbit sind weiter von der Erde entfernt. Deshalb können wenige Satelliten eine große Fläche abdecken. Weil die Raumfahrt damals den Transport großer Mengen ins All kaum stemmen konnte und weil das sehr teuer war, gab es keine andere Möglichkeit. Doch diese geosynchonen Satelliten hatten einen Nachteil: Eben wegen ihrer großen Distanz zur Erde brauchten die Signale lange, um von Sender zu Empfänger zu gelangen. Die Folge: Eine große Latenz, die unter anderem beim Sprechen bemerkbar war.

Das moderne Internet aber hat andere Anforderungen. Und Musk hat mit SpaceX selbst dafür gesorgt, dass sie erfüllt werden können. Die Preise für den Transport ins All sind von 10.000 Dollar pro Kilo auf rund 3000 Dollar gesunken. Damit ist Starlink erst in Reichweite gerückt.

Jetzt arbeitet Musk also daran, die Welt mit superschnellem Internet zu versorgen. Mehr als 1000 Satelliten sind bereits im Orbit. Das reicht aus, um Starlink zu starten. Bisher können in Deutschland nur wenige Menschen das System testen. Doch das soll sich bald  ändern und der Service flächendecken ausgerollt werden. Schon 2022 soll der Dienst  überall auf der Erde verfügbar sein. Und damit stellt sich natürlich die Frage nach der Leistungsfähigkeit des Dienstes.

So schnell ist Starlink

Am 21. Februar hat ein User einen Tweet mit einem Speed-Test für Starlink abgesetzt. Der im Tweet enthaltene Screenshot zeigt: 130 mb/s und eine Latenz von 34 Millisekunden. Musk reagierte auf den Tweet und kündigte an, dass sich die Geschwindigkeit von Starlink in diesem Jahr noch mehr als verdoppeln soll – auf 300 mb/S. Außerdem soll die Latenz auf rund 20 Millisekunden fallen.

Das sagt natürlich erst mal nicht so viel. Man muss es mit den Geschwindigkeiten des Netzes in Deutschland vergleichen – und das kommt dabei ziemlich schlecht weg. 2019 lag die mittlere Downloadgeschwindigkeit bei rund 24,64 mb/s. Deutschland ist damit Schlusslicht unter den Industrienationen. Starlink könnte sogar schneller werden als Glasfaser und die jahrzehntelange Debatte um den Ausbau obsolet machen. Könnte, denn im Augenblick misst die Bundesnetzagentur bei Starlink noch 100 mb/s.

Das kostet Starlink

Starlink ist in Deutschland gerade nur als Beta-Version verfügbar. Es können also nur ein paar wenige Leute das neue Elon-Internet testen. Und das ist mit 99 Euro relativ teuer. Zudem sind die Erstkosten mit 499 Euro relativ hoch. Starlink will keine gestaffelten Preismodelle anbieten. Gwynne Shotwell, COO von Starlink begründete dass damit, dass man die Preise so „einfach und transparent wie möglich“ halten wolle. Zum Vergleich: Ein DSL-Anschluss in Deutschland kostet zwischen 25 und 50 Euro – je nachdem, wie viel Datenvolumen man haben möchte. Apropos Datenvolumen: Das wäre bei Starlink übrigens unbegrenzt.

Das sind die Vorteile von Starlink

Ein großer Vorteil ist, dass Starlink auch dort Menschen erreicht, wo es schwer ist, Glasfaser zu verlegen. Primär hat Starlink dabei natürlich vor allem die ländlichen Regionen der USA im Blick. Aber auch in Deutschland gibt es viele Regionen mit keinem oder nur sehr langsamen Internet. In den ländlichen Regionen haben laut Bundesnetzagentur 30 Prozent der Haushalte keinen Internetanschluss mit ausreichendem Datenvolumen. Das sind rund 500.000. Laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur erreichte Ende 2020 nur 65 Prozent der Haushalte im ländlichen Raum Internet mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 mb/s.

Dass Starlink zuerst amerikanische Kunden erreichen will, liegt vor allem daran, dass diese im Falle eines Problems schneller zu bedienen seien, heißt es. Trotzdem geht Starlink auch in anderen Ländern an den Markt. Das Unternehmen arbeite daran, Reichweite und Service auch außerhalb Nordamerikas auszubauen. Dafür habe SpaceX allein im März 2021 240 neue Satelliten ins All befördert. 1358 sind es bisher insgesamt. Bald schon soll Starlink nicht mehr nur an Land verfügbar sein, sondern auch auf Schiffen oder in Flugzeugen. Auch in kleinen sich bewegenden terrestrischen Objekten, etwa in Lastwagen, könnte es bald mobiles Internet von Starlink geben.

Das sind die Nachteile von Starlink

Die wachsende Zahl an Satelliten am Himmel sorgt dafür, dass sich dieser in der Nacht unnatürlich aufhellt. Das hat eine slowakische Studie jetzt herausgefunden. Die Satelliten werden vom Sonnenlicht angestrahlt, das sie dann wie ein Spiegel zur Erde lenken. Das nennt sich orbitales Strelicht. Die Satelliten, die sich schon jetzt in einem erdnahen Orbit befinden, hellen dem Himmel so sehr auf, dass Grenzwerte überschritten werden. 88 Prozent des europäischen Festlandes und die Hälfte der USA sind so sehr davon betroffen, dass die Nächte kaum noch richtig dunkel werden.

Diese Lichtverschmutzung kann, so die Forscher, negative Auswirkungen auf die  Gesundheit haben – und sie betrifft längst nicht mehr nur Menschen. Auch die Lebensrhythmen anderer Lebewesen werden davon beeinträchtigt. In den kommenden Jahren könnte die Anzahl der Satelliten massiv zunehmen. Allein Starlink könnte bis zu 42.000 ins All schicken. Und Starlink ist nicht das einzige System, das gerade etabliert wird: Auch der Satellitenbetreiber Eutelsat bringt gerade satellitengestütztes Internet im Orbit in Position.

Außerdem wird es langsam eng am Himmel. In den vergangenen Jahrzehnten sind so viele Satelliten ins All gebracht worden, dass es zu Problemen kommen kann. Von den 9000 im Orbit platzierten Objekten sind mehr als 5000 noch dort. Es kann sein, dass sich die Anzahl der Satelliten im kommenden Jahrzehnt im Vergleich zu den vergangenen 60 Jahren mehr als verdoppelt. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Kollision, was wiederum zu einem Kaskadeneffekt führen kann: Ein Zusammenstoß verursacht Schrapnelle, die unkontrolliert im Orbit fliegen und andere noch intakte Objekte treffen können. Eine solche Kettenreaktion hat Katastrophenpotenzial. Und je mehr Objekte in die Erdumlaufbahnen gebracht werden, desto wahrscheinlicher wird ein solches Szenario.

 


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