Roller-SharingScooter überrollen Großstädte

Verleih von Elektrorollern in Berlin
Verleih von Elektrorollern in BerlinAction Press

Nach Carsharing-Flotten und Leihfahrrädern erleben nun auch leihbare elektrische Motorroller einen Boom in Großstädten. Eine Studie des Berliner Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl der Scootersharing-Programme in den vergangenen zwei Jahren mehr als vervierfacht hat. Der wichtigste Markt ist Deutschland mit fast 2500 Fahrzeugen, gefolgt von Frankreich und Spanien. „Der Markt ist im vergangenen Jahr explodiert“, schreiben die Autoren. „Nach der Zahl der eingesetzten Fahrzeuge könnte das Scootersharing das nicht-stationsbasierte Carsharing in Zukunft überholen.“ 29 Städte weltweit haben mittlerweile ihre eigenen Programme.

Scooter-Sharing nach Ländern
InnoZ: Scooter-Flotten nach Ländern

Der rapide Anstieg des Scootersharing zeigt, dass sich Fahrzeug-Leihsysteme umso schneller ausbreiten je geringer die Einstiegshürden sind. Im Vergleich zum Carsharing sind die Motorroller wesentlich günstiger, und auch das Parkplatzproblem lässt sich leichter lösen. Es ist daher auch einfacher, die Flotte rasch auszuweiten. Schon das Carsharing aber hatte gezeigt, dass größere Flotten vor allem in der Anfangsphase auch eine größere Nachfrage nach sich ziehen. Die Fahrzeuge sind dann sichtbarer auf den Straßen und wecken mehr Interesse bei den Kunden. Besonders erfolgreich sind zudem Systeme, bei denen sich Autos oder Roller innerhalb eines Geschäftsgebiets an beliebigen Orten abstellen lassen – die also ohne feste Stationen arbeiten. 95 Prozent der Scooter-Programme arbeiten laut Studie nach diesem Modell.

Geschäftsmodell noch unklar

Noch unklar ist, ob und wie die Programme dauerhaft rentabel betrieben werden können. In Berlin, ähnlich wie beim Carsharing weltweit die am besten mit Scootern versorgte Stadt, teilen sich die Bosch-Tochter Coup und das Startup Emmy den Markt. Für Bosch ist das Modell auch der Versuch, in das Geschäft mit neuen Mobilitätsformen einzusteigen und dabei Daten über die Nutzung zu sammeln.

Elektro-Roller Sharing in München
Elektro-Roller Sharing in München (Foto: dpa)

Interessant könnte der große Erfolg des Elektroantriebs sein, der in fast allen Scootersharing-Systemen zum Einsatz kommt. Anders als beim Auto lassen sich die Batterien hier leichter aufladen. Service-Teams können leere Batterien einfach austauschen und an einem zentralen Ort aufladen. Die Fahrzeuge müssen also nicht an einer Ladestation abgestellt werden.

Offizielle Zahlen zur aktuellen Zahl der Nutzer liegen nicht vor, da sie nicht von allen Firmen veröffentlicht werden. Die InnoZ-Autoren gehen allerdings von etwa 350.000 registrierten Kunden aus, mit stark steigender Tendenz. Das InnoZ ist ein Forschungsunternehmen, das von der Deutschen Bahn, T-Systems, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und Siemens getragen wird.