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Schweizer Banken Saudis finanzieren den Neuanfang der Credit Suisse mit 1,5 Milliarden

Die Credit Suisse Group AG mit Sitz in Zürich 
Die Credit Suisse Group AG mit Sitz in Zürich 
© IMAGO / Future Image
Die Credit Suisse geriet zuletzt ins Wanken. Analysten fürchteten schon eine neue Bankenkrise, wenn die Schweizer tatsächlich pleite machen. Jetzt hat das Geldhaus eine Strategie vorgelegt, um aus der Krise zu kommen

Die Credit Suisse Group hat am Donnerstag ihre lang erwartete Strategie präsentiert. Sie umfasst eine Kapitalerhöhung in Höhe von vier Milliarden Franken, die Ausgliederung ihrer Investmentbank und die Streichung Tausender Jobs.

Das Zürcher Geldhaus, das am Donnerstag den vierten Quartalsverlust in Folge verkündete, will das frische Geld durch eine Bezugsrechtsemission und einen Verkauf junger Aktien an Investoren aufbringen. Darunter ist auch die größte saudische Bank SNB, die bis zu 1,5 Milliarden Franken investiert.

Die Credit Suisse spaltet ihre Investmentbank auf und schafft ein separates Beratungs- und Kapitalmarktgeschäft, das sie unter der wiederbelebten Marke First Boston betreiben wird. Die Mehrheit ihres Verbriefungsgeschäfts soll an Apollo Global Management und die Allianz-Tochter Pimco verkauft werden.

Woran die Credit Suisse denkt

Die Geschäftsleitung hat unter anderem folgendes erwogen:

  • Verkauf des US Asset Management
  • Ausgliederung von Kernbereichen der Investmentbank
  • Potenzielle Kapitalerhöhung
  • Verkauf oder Ausgliederung der Verbriefungs-Sparte
  • Verkauf des Hotel Savoy
  • Verkauf des Wealth Managements in Lateinamerika
  • Bereits verkauft: Allfunds, Teile des Treuhandgeschäfts

Der Umbau ist der bisher drastischste Versuch, die Credit Suisse zu sanieren, nachdem eine Verlustserie und Management-Chaos ihren Status als eines der angesehensten Kreditinstitute Europas erschüttert haben. Chief Executive Officer Ulrich Körner und Chairman Axel Lehmann stehen nun vor der Aufgabe, die Neuaufstellung umzusetzen und gleichzeitig die Wealth-Management-Sparte zu schützen, die die Zukunft der Bank bestimmen wird.

„Die neue Credit Suisse wird ab 2024 definitiv profitabel sein”, sagte Körner in einem Interview mit Francine Lacqua von Bloomberg TV. „Wir wollen nicht zu viel versprechen und zu wenig liefern, sondern umgekehrt.”

Die Aktien der Credit Suisse brachen in Zürich um bis zu 9% ein, blieben aber oberhalb der Allzeittiefs von Anfang Oktober.

Die größten Veränderungen gibt es bei der Investmentbank, die ihren Chef Christian Meissner verliert und mit der wiederbelebten Marke First Boston neu anfängt. Das historisch starke Beratungsgeschäft sowie der Bereich Leveraged Finance werden als eigenständige Sparte ausgegliedert und von Michael Klein geleitet werden, einem Veteranen der Citigroup, der für seine Verbindungen in den Nahen Osten bekannt ist. Für den Bereich wird auch noch Kapital von außen gesucht.

Parallel meldete die Credit Suisse einen weiteren hohen Quartalsverlust. Die Investmentbank hatte zu kämpfen und Kunden des Wealth Management zogen Mittel ab. Unterm Strich steht ein Abgang von 4,03 Milliarden Franken, einschliesslich 3,7 Milliarden Franken Wertminderung auf latente Steuerguthaben im Zusammenhang mit dem Konzernumbau. Die Restrukturierung wird bis 2024 rund 2,9 Milliarden Franken kosten. Im vierten Quartal droht ein weiterer Verlust.

Der Kurswechsel der Credit Suisse in Zahlen 
Der Kurswechsel der Credit Suisse in Zahlen 
© Bloomberg

Ausserdem wird das Unternehmen im vierten Quartal mit dem Abbau von 2.700 Stellen beginnen, so dass die Zahl der Mitarbeiter bis 2025 von 52.000 auf rund 43.000 sinken wird. Die Kostenbasis soll bis dahin um 15% bzw. 2,5 Milliarden Franken sinken.

Körners neue Strategie ist der Höhepunkt einer dramatischen Neuaufstellung, die ausgelöst wurde durch einen Milliardenverlust im zweiten Quartal, der das Ende der Amtszeit von CEO Thomas Gottstein bedeutete. Die letzte Strategieänderung hatte es vor einem Jahr unter dem inzwischen ebenfalls ehemaligen Verwaltungsratschef Antonio Horta-Osorio gegeben, der das Prime-Brokerage-Geschäft mit Hedgefonds abdrehte und die Bank mehr auf das Wealth Management ausrichtete. Das erwies sich aus Sicht von Investoren und Analysten letztlich als zu kurz gesprungen.

© 2022 Bloomberg Ltd

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