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Sanktionen Russlands Wirtschaft schrumpft langsamer – sagt Russland

Maxim Reschetnikow, Russlands Minister für wirtschaftliche Entwicklung, beim Besuch einer Fabrik in Jekaterinburg
Maxim Reschetnikow, Russlands Minister für wirtschaftliche Entwicklung, beim Besuch einer Fabrik in Jekaterinburg
© IMAGO / SNA
Schon 2024 könnte die russische Wirtschaft wieder wachsen, prognostiziert Putins Regierung. Allerdings ist eine mögliche Eskalation des Ukrainekonflikts in den Vorhersagen nicht eingepreist

Russland hat seine Konjunkturprognosen für dieses und das kommende Jahr nach oben angepasst. Allerdings eskalierte der Ukraine-Konflikt just an dem Tag, an dem die Prognosen veröffentlicht wurden, weiter – und damit dürften viele der Vorhersagen nicht lange Bestand haben.

Nur wenige Minuten, nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin am Mittwoch eine „Teilmobilisierung“ angeordnet hatte, äußerte sich Maxim Reschetnikow, Minister für wirtschaftliche Entwicklung, vor Abgeordneten der Duma in Moskau: Er erwarte, dass der Abschwung im nächsten Quartal seinen Tiefpunkt erreichen werde. Seinen Prognosen zufolge werde das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2023 nur um 0,8 Prozent und nicht um 2,7 Prozent schrumpfen, was eine deutliche Verbesserung gegenüber früheren Prognosen seines Ministeriums darstellen würde.

Die Prognose basiere auf einem „anhaltenden Szenario einer zunehmenden Anpassung“ an die Sanktionen, sagte Reschetnikow am Mittwoch. Die russische Wirtschaft stellt sich mehr und mehr auf die von den USA und ihren Verbündeten verhängten Strafsanktionen ein. Doch die Risiken lassen sich besonders jetzt, da Russland die versuchen könnte die besetzten ukrainischen Gebiete zu annektieren und Putin seine Warnungen vor einer nuklearen Bedrohung erneuert hat, schwer abschätzen.

Arbeitslosigkeit soll nur leicht steigen

Das russische Wirtschaftsministerium geht aktuell davon aus, dass das BIP in den Jahren 2024 und 2025 wieder wachsen wird, und zwar im Durchschnitt um 2,6 Prozent. Zum zweiten Mal seit der Invasion im Februar hat das Ministerium die Konjunkturaussichten verbessert und rechnet mit einem Rückgang von nur 2,9 Prozent des BIP. 

Reshetnikov sagte, dass die neuen Prognosen auch vorhersagen, dass die Inflation – nach einem Höchststand von fast 18 Prozent im April – am Ende des Jahres nur noch bei 12,4 Prozent liegen wird. Auch die Arbeitslosigkeit soll nur leicht auf 4,5 Prozent ansteigen.

„Die aktualisierte Prognose geht von einer guten Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte und einem anhaltenden Rückgang der Inflation aus“, sagt Alexander Isakov von Bloomberg Economics. „Die Teilmobilisierung, die 0,5 Prozent der Erwerbsbevölkerung betreffen, stellt beide Annahmen jedoch in Frage. Denn sie könnte das Wachstum vermindern und dazu führen, dass Preise und Löhne im privaten Sektor steigen werden.“

Zwar sind sich viele Analysten einig, dass Russland auf eine weitaus geringere Rezession zusteuert als ursprünglich befürchtet. Die russische Wirtschaft aber droht noch stärker unter Druck zu geraten, da Putin auf die jüngste ukrainische Gegenoffensive reagiert, welche seinen Truppen die schwersten Niederlagen seit den ersten Monaten des Konflikts zugefügt hat.

Nach Putins Ankündigungen vom Mittwoch korrigierte Bloomberg Economics seine Prognose für den diesjährigen BIP-Einbruch auf 3,75 Prozent nach unten. Obwohl die letzten offiziellen Prognosen für dieses Jahr wahrscheinlich noch zutreffen, scheinen die Prognosen für 2023 „veraltet und von der neuen Realität losgelöst“, so Dmitry Polevoy, Ökonom bei Locko-Invest. „Darüber hinaus deuten eine positive makroökonomische Prognose und zusätzliche – möglicherweise noch nicht berechnete –Mobilisierungskosten auf das Risiko eines größeren Haushaltsdefizits hin“, sagte er.

Mitarbeit: Kira Zavyalova

© 2022 Bloomberg L.P.


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