KommentarRichtung Renés Resterampe?

Kaufhof-Filiale in Frankfurt
Kaufhof-Filiale in Frankfurt – Foto: Galeria Kaufhof

Ein Blinder und ein Lahmer sind zusammen vielleicht doch noch ein ganz brauchbares Team. Dieser Logik folgten in Deutschland seit Jahren viele öffentliche Diskussionen über die Zukunft von Kaufhof und Karstadt.  Da das Geschäftsmodell der klassischen Warenhäuser nicht mehr funktioniere, helfe nur noch eine Fusion der beiden Riesen. 

Seit heute ist klar, dass es die viel debattierte „Deutsche Warenhaus -AG“ nicht geben wird. Jedenfalls nicht als „deutsches“ Projekt, als einen nationalen Rettungsakt oder gar eine Art Solidaraktion zweier gealterter Champions mit berühmten Namen, großer Vergangenheit und zusammen immerhin noch über 5 Mrd. Euro Umsatz. Stattdessen gibt es eine Marktbereinigung, die von internationalen Investoren gesteuert wird. Und bei der es für Karstadt ziemlich finster aussieht.

Metro verkauft die Kaufhof-Gruppe für knapp 3 Mrd. Euro an das kanadische Handelsunternehmen Hudson´s Bay. Das ist ein ordentlicher Preis, der schon anzeigt, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse der beiden deutschen Kaufhaus-Konzerne sich weit auseinanderentwickelt haben. Und dass es falsch ist, pauschal von Blinden und Lahmen zu sprechen: Während Karstadt seit Jahren mit immer neuen Umstrukturierungen und Filetierungen gegen hohe Verluste ankämpft, hat Kaufhof stets schwarze Zahlen geschrieben. Vor allem die kontinuierliche Optimierung von Standorten, Prozessen und Logistik zahlte sich aus.

Geschäftsmodell Warenhaus ist noch nicht abgeschrieben

Mit dem neuen Eigentümer im Rücken kann sich die Kaufhof-Gruppe mit ihren rund 140 Häusern weiter auf die operativen Stärken konzentrieren. Karstadt hat dagegen eine zentrale, ja vielleicht sogar die einzig plausible strategische Option verloren. Eigentümer René Benko, der eigentlich aus dem Immobiliengeschäft kommt, muss nun versuchen, die verbliebenen rund 80 Häuser aus eigener Kraft zu sanieren. Das wird schwierig – und  könnte im großen Abverkauf auf „Renés Resterampe“ enden: Einzelne attraktive Betriebe werden von Kaufhof übernommen, der verlustbringende Rest muss schließen.

Die Anteilsmehrheit an den bereits ausgegliederten Premiumhäusern hat Benko vor wenigen Tagen schon verkauft. Die „KaDeWe-Group“ wird künftig von der italienischen La Rinascente-Kette betrieben, hinter der wiederum ein thailändischer Investor steht.

Das Interesse der Ausländer an Kaufhof  und KaDeWe zeigt, dass noch längst nicht alle das Geschäftsmodell Warenhaus abgeschrieben haben. Es zeigt aber auch, dass dieses Geschäft längst international betrieben wird.

Es ist durchaus möglich, dass es in Deutschland in ein paar Jahren nur noch eine einzige große Warenhaus-Kette geben wird, in der viele Kaufhof- mit einigen früheren Karstadt-Häusern vereint sind. Das wird dann aber keine „Deutsche Warenhaus-AG“ sein, sondern eben die Tochter eines Traditionsunternehmens aus Kanada.