Rohöl Ölpreis: Was Sie über die Entscheidung der Opec+ wissen müssen

Die Opec+ will die Ölfördermenge nicht weiter erhöhen
Die Opec+ will die Ölfördermenge nicht weiter erhöhen
© IMAGO / ITAR-TASS
Der Ölpreis steigt auf Höchststände, doch die Opec+ will die Fördermenge nur moderat erhöhen. Was dahinter steckt und welche Folgen das hat: sechs Fragen und Antworten

Warum ist der Ölpreis gerade so hoch?

Die Ölpreise sind in diesem Jahr bereits um 50 Prozent angestiegen. Es sind mehrere Faktoren, die dafür sorgen, dass der Ölpreis derzeit so hoch ist. Er war zu Beginn der Pandemie stark gesunken, die Opec+ – die 13 Opec-Staaten plus wichtige Förderländer wie Russland – schraubte damals die Fördermenge entsprechend zurück. Ab Mai wurde die Produktionsmenge dann wieder schrittweise gesteigert, doch noch immer liegt die Fördermenge deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Die Vereinigten Arabischen Emirate blockierten im Juli eine Vereinbarung, die Produktion noch weiter zu steigern. Hinzu kommt, dass die Nachfrage derzeit konjunkturbedingt hoch ist. Das trifft auf ein knappes Angebot – auch wegen anhaltender Produktionsausfälle im Golf von Mexico.

Was tut die Opec+?

Angesichts des steigenden Ölpreises geriet das Ölexportkartell Opec+ zunehmend unter Druck. Unter anderem die USA und Indien haben eine Steigerung der Produktionsmenge gefordert, um für Entlastung zu sorgen. Die von Saudi-Arabien und Russland geführte Opec+ entschied aber am Montag, dieser Forderung nicht nachzukommen. Sie will die Produktion weiterhin wie geplant nur leicht ausweiten : Bis Ende des Jahres sollen jeden Monat 400.000 Barrel Öl pro Tag zusätzlich zur Verfügung gestellt werden. Das reicht bei weitem nicht aus, um für eine Entlastung zu sorgen oder die Ölpreisrally gar ganz zu bremsen. Die Ölpreise stiegen nach dieser Ankündigung noch einmal deutlich an.

Warum wird die Fördermenge nicht erhöht?

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert dazu einen Insider: Man befürchte, dass eine vierte Corona-Welle die Erholung der Nachfrage beeinträchtigen könne. Der stellvertretende Ministerpräsident Russlands, Alexander Novak, sagte gegenüber Capital Economics, man erwarte ab dem vierten Quartal eine allmähliche Normalisierung des Nachfragewachstums und eine Erholung des Angebots. „In diesem Jahr hat das Nachfragewachstum das Angebot übertroffen, was dazu beigetragen hat, dass die Preise mehrjährige Höchststände erreichen. Aber wir erwarten, dass sich diese Dynamik umkehrt, wenn die Opec+-Produktion hochfährt“, sagte er. Allein der saudische Ölminister Prinz Abdulaziz könnte wohl theoretisch die Produktion so stark ankurbeln, dass sich die Versorgungslage entspannt – tut das aber nicht.

Was bedeutet das für den Ölpreis?

Die Ölpreise sind, schon als sich die Entscheidung abzeichnete, weiter nach oben geklettert, die Nordseesorte Brent verteuerte sich auf mehr als 80 Dollar. Verbraucher merken das zum Beispiel beim Tanken: Super E10 kostete am Wochenende erstmals seit 2013 im bundesweiten Tagesdurchschnitt mehr als 1,60 Euro pro Liter.


Brent Crude Rohöl ICE Rolling Rohstoff


Brent Crude Rohöl ICE Rolling Rohstoff Chart
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Wie hängen Gaskrise und Ölpreise zusammen?

Der Gas- und der Ölmarkt sind eng verbunden. Auch für Gas ging der Verbauch in der Pandemie aufgrund der kränkelnden Konjunktur zurück und zog nun wieder stark an. Und so stieg auch der Gaspreis zuletzt deutlich an . Das befeuerte die Ölpreise weiter, denn: Insbesondere in Asien schwenkten Stromversorger um und nutzten Heizöl anstelle von Gas für die Stromproduktion.

Wie geht es jetzt weiter?

Mit einer sinkenden Ölnachfrage ist vorerst nicht zu rechnen. Im Gegenteil: Die Energy Information Administration kommt in ihrem neusten Bericht zu dem Schluss, dass die weltweite Nachfrage vom dritten auf das vierte Quartal noch einmal von 98,6 Millionen Barrel auf 99,8 Millionen Barrel zulegen wird – und, dass die weltweite Nachfrage bis zum Ende des kommenden Jahres noch einmal um weitere 2,4 Millionen Barrel pro Tag steigen wird. In etwa einem Monat, am 4. November, kommen die Minister der Opec+-Länder erneut zusammen.

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