Ölpreis Opec+ einigt sich auf höhere Förderquoten

Der Streit in der OPEC+ hätte das Kartell zerstören können. Jetzt hat es sich auf höhere Föderquoten geeinigt.
Der Streit in der OPEC+ hätte das Kartell zerstören können. Jetzt hat es sich auf höhere Föderquoten geeinigt.
© IMAGO / Panthermedia
Die Wirtschaft erholt sich langsam von der Corona-Pandemie. Damit steigt auch der Bedarf an Öl wieder an. Nun hat sich die Opec+ auf neue Förderquoten geeinigt. Was das für den Markt bedeutet, ist noch offen

Die Opec und ihre Verbündeten haben sich darauf geeinigt, mehr Öl in die sich erholende Weltwirtschaft zu pumpen. So will das Ölkartel seine Spaltung überwinden und damit den Streit zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten beilegen, der zuletzt die Kontrolle der Opec über den Rohölmarkt bedroht hat.

Der Disput zwischen den eigentlich eng verbundenen Partnern galt als ungewöhnlich – auch weil er ungewöhnlich offen ausgetragen wurde. Für die Einheit der Allianz hätte er langfristig aber spürbare Folgen bedeuten können. Die Aussöhnung erfolgte jetzt per Kompromiss: Saudi Arabien ist den Vereinigten Arabischen Emiraten in ihrer Forderung nach einer großzügigeren Fördermenge entgegengekommen.

Die Vereinbarung, die bei einem eilig einberufenen Treffen am Sonntag vor einem langen islamischen Feiertag getroffen wurde, erlaubt eine monatliche Erhöhung der Fördermenge um 400.000 Barrel pro Tag. Damit hat die Opec+ nach zwei volatilen Wochen, in denen Händler die Möglichkeit in Betracht zogen, dass sich die Allianz auflösen könnte, wieder die Kontrolle über den Markt übernommen .

Starke Bindung in der OPEC+

Das Risiko, dass der Opec+ der Markt entgleitet, ist nun gebannt – zumindest für den Moment. Die Minister aus Riad und Abu Dhabi demonstrierten ihre anhaltende Freundschaft und ihr Engagement für die Allianz. Dem Streit, der die Opec+-Gespräche Anfang des Monats zum Scheitern brachte, missten sie keine Bedeutung mehr bei.

„Konsensbildung ist eine Kunst“, sagte der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman zu Reportern nach dem Treffen. Die Einigung sei ein Beweis für die starke Bindung zwischen den Mitgliedern und zeige, „dass die OPEC+ hier ist, um zu bleiben“, sagte er.

Die Ölpreise fielen am Montag früh, obwohl die Meinungen darüber, ob das Abkommen für einen Anstieg oder Abfall sorgen würde, auseinander gingen. Brent-Rohöl fiel um 8:44 Uhr in London um 1,7 Prozent auf 70,62 Dollar.

Höhere Basiswerte

„Die am Wochenende erzielte Einigung wird wahrscheinlich kurzfristig zu weiterer Schwäche führen, da Investoren ihre Positionen aufgrund der Aussicht auf ein höheres Angebot auflösen“, sagte Daniel Hynes, Senior Rohstoffstratege bei der Australia & New Zealand Banking Group Ltd. Der Ausverkauf sollte nur von kurzer Dauer sein.

Opec+ wird im nächsten Monat mit die Produktion erhöhen und daran festhalten, bis die gesamte gestoppte Produktion von 5,8 Millionen Barrel pro Tag wiederhergestellt ist. Die Einigung der Allianz darauf war nur möglich, weil der Förderung der Arabischen Emirate und einiger anderer Länder, darunter Russland und Saudi-Arabien, ab Mai 2022 höhere Basiswerte zugrundeliegen, an denen ihre Produktionskürzungen gemessen werden.

Das Niveau der Arabischen Emirate wurde auf 3,5 Millionen Barrel pro Tag angehoben und liegt damit unter den 3,8 Millionen Barrel pro Tag, die sie forderten, als sie Anfang des Monats einen OPEC+-Deal blockierten. Es liegt aber über dem vorherigen Basiswert von 3,17 Millionen Barrel. Die Werte für Saudi-Arabien und Russland stiegen beide um 500.000 Barrel pro Tag auf 11,5 Millionen.

Der Burgfriede zwischen den beiden langjährigen Verbündeten wird eine drohende Angebotsverknappung mildern und das Risiko eines inflationären Ölpreisanstiegs verringern. Er beendet auch einen diplomatischen Streit. Dieser hatte Händler verunsichert und Spekulationen wiederbelebt, dass die Arabischen Emirate die Opec verlassen könnten. Noch im vergangenen Jahr hatten sie damit gedroht.

Nichts ist in Stein gemeißelt

„Es ist eine sehr öffentliche Erneuerung ihres Schwurs“, sagte Helima Croft, Chef-Rohstoffstrategin bei RBC Capital Markets. „Die Zeit wird zeigen, ob es ausreichen wird, um das Gerede über die Verpflichtungsprobleme vollständig zum Schweigen zu bringen.“

Der Deal hat mehrere wichtige Konsequenzen. Er zeigt den Verbrauchern deutlich, wie schnell die Opec+ die Produktion wieder ankurbeln wird. Im vergangenen Jahr hatte sie Kürzungen vorgenommen.

OPEC+ hat die Hand am Steuerrad des Ölmarktes

Allerdings ist nichts ist in Stein gemeißelt. Die Opec+ wird weiterhin jeden Monat Gespräche führen, einschließlich einer Überprüfung des Marktes im Dezember. Man könne den Zeitplan bei Bedarf anpassen, sagte Saudi-Arabiens Prinz Abdulaziz. Das nächste Treffen ist am 1. September. Die Basisanpassungen werden das Tempo der monatlichen Produktionssteigerungen von 400.000 Barrel pro Tag aber nicht verändern, wenn sie nächstes Jahr in Kraft treten, sagte er.

„Mit den monatlichen Treffen will die Gruppe ihre Hand am Steuerrad des Ölmarktes behalten“, sagte Giovanni Staunovo, Rohstoffanalyst der UBS Group. Das zusätzliche Volumen wird den Markt ziemlich eng halten, „so dass ich immer noch erwarten würde, dass die Preise kurzfristig nach oben tendieren, bevor sie gegen Ende des Jahres leicht sinken.“

Das Abkommen löst auch langjährige Missstände auf, die seit Ende 2020 für Spannungen innerhalb der OPEC+ gesorgt haben. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben lange argumentiert, dass die Art und Weise, wie ihre Quote berechnet wurde, unfair war. Sie spiegele nicht die die Expansion der Industrie des Landes.

Konstruktiver Dialog in der OPEC+

Das Thema hatte sich über Monate hingezogen, bevor es schließlich zu einem besonders erbitterten Streit eskalierte. Minister beider Länder nutzten Medieninterviews, um ihre Argumente darzulegen und weckten Erinnerungen an den saudisch-russischen Preiskrieg von 2020.

Mit einem erfolgreichen Deal in der Tasche, betonten beide Länder die Stärke und Freundlichkeit ihrer Beziehung. „Die VAE sind dieser Gruppe verpflichtet und werden immer mit ihr zusammenarbeiten", sagte Energieminister Suhail Al-Mazrouei gegenüber Reportern nach dem Treffen. Er dankte Saudi-Arabien und Russland für die Förderung eines konstruktiven Dialogs, der eine Einigung ermöglichte.

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