Voice of AmericaNach der Wahl ist vor der Wende

Donald Trump: Bei den Midterms drehte sich alles nur um ihn
Donald Trump: Bei den Midterms drehte sich alles nur um ihndpa

Es war kurz vor den Midterm-Wahlen Anfang November, als Abigail Spanberger in einer Kneipe der Kleinstadt Culpeper, Virginia, vor ein paar Dutzend Anhängern ihr Programm darlegte. Die Demokratin und ehemalige CIA-Agentin sprach über Arbeitsplätze, Krankenversicherung, Bildung und Staatsfinanzen. Sie wolle dafür arbeiten, den Bezirk „stärker und wohlhabender zu machen“, versprach die 39-Jährige. Bemerkenswert aber war vor allem, was in ihrer Bewerbungsrede für den Kongress nicht vorkam: Trump.

Die neue Capital erscheint am 22. November
Die neue Capital ist am 22. November erschienen

„It’s the economy, stupid“ – Bill Clintons Wahlweisheit gehört zum Standardrepertoire jedes Beraters. Umso paradoxer, dass bei den Midterms die Wirtschaft jenseits von Spanbergers Auftritt in Culpeper so gut wie keine Rolle spielte. Ein einziges Thema überschattete alle anderen: Trump, Trump, Trump. Für die boomende US-Konjunktur und die Steuersenkungen schienen sich die Menschen so wenig zu interessieren wie für die Risiken des Handelskriegs. Im ländlichen North Dakota zum Beispiel, wo die Soja-Bauern wegen des Zollstreits mit China um ihre Existenz kämpfen, flog trotzdem die demokratische Senatorin aus dem Amt – es gewann Trumps Gefolgsmann.

Vielleicht läuft die Wirtschaft einfach zu gut, um den Amerikanern noch Sorgen zu machen. Inzwischen gibt es mehr offene Stellen als Arbeitsuchende, und die Konjunktur steuert auf einen Rekord zu: Im Juli 2019 wäre der Aufschwung der längste in der US-Geschichte.

Aber Vorsicht: Das eindrucksvolle Wachstum von 3,5 Prozent im dritten Quartal ist aufgebläht, weil viele Unternehmen noch schnell ihre Vorräte aufgestockt haben, bevor die neuen Zölle griffen. Experten warnen, dass der Gipfel womöglich schon erreicht ist. Die Investitionen der Unternehmen stiegen nur noch um 0,8 Prozent. Der Konsum sprudelt noch, doch in vielen Mittelklassehaushalten fressen die gestiegenen Preise und Kreditzinsen die Steuererleichterungen längst auf – kein Wunder, dass Trump auf den Notenbankchef eindrischt, um ihn von weiteren Zinserhöhungen abzuhalten.

Noch ist eine echte Rezession nicht in Sicht. Wenn es aber so weit ist, wird die nunmehr demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus Trump nicht einfach mit einem weiteren Konjunkturstimulus den Motor auf Touren halten lassen. Die verfeindeten Lager dürften sich kaum auf ein Infrastrukturprogramm einigen, und wenn die USA nächstes Jahr mal wieder ihre Schuldenobergrenze erhöhen müssen, könnte das die ohnehin schon nervösen Märkte in Turbulenzen stürzen. Im Wahlkampf 2020 dürfte es also wieder heißen: Es ist die Wirtschaft, Dummkopf.

Abigail Spanberger übrigens hat den Wahlkreis, der fast 50 Jahre lang republikanisch war, mit ihrem Wirtschaftsprogramm erobert.