KolumneMitarbeiterbeteiligung: mehr Anteile für alle!

Finleap-Gründer Ramin Niroumand
Finleap-Gründer Ramin NiroumandPR

Ich bin Gründer und Geschäftsführer einer Firma – doch sie gehört mir nicht allein. Neben industriellen Investoren, die sich Anteile durch Kapital erkauft haben, gibt es einen – mir sehr wichtigen –  Teil von Menschen, die virtuelle Anteile halten: meine Mitarbeiter.

Dass Mitarbeiter virtuelle Anteile an der Firma erhalten können, auf freiwilliger Basis von beiden Seiten, war bei uns seit der Gründung vor fünf Jahren bereits Gang und Gäbe. Ich sehe bis heute darin nur Vorteile für beide Seiten.

Die Mitarbeiter sind virtuell, also rein wirtschaftlich, am Unternehmen beteiligt, was zur Folge hat, dass sie nicht nur für ihren Gehaltsscheck am Ende des Monats arbeiten, sondern ein eigenes Interesse daran haben, dass es mit dem Unternehmen vorangeht. Die Verantwortung steigt, die Motivation ist hoch und die Leute fühlen sich mit dem Unternehmen stark verbunden – ist es durch die Beteiligung doch auch ein Stück weit „ihre“ Firma. Ihr tägliches Handeln hat einen direkten Einfluss auf mögliche Erlöse aus der Beteiligung. Derzeit sind rund die Hälfte meiner Mitarbeiter derart incentiviert. Wenn es nach mir ginge, könnten es auch alle sein, aber für untere Gehaltsklassen ist das Modell nicht sonderlich attraktiv.

Warum?

Unter anderem wegen der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Anstatt die normale Kapitalertragsteuer auf Mitarbeiterbeteiligungen anzurechnen, wird Mitarbeitern für ihre Beteiligungen die normale (und höhere) Einkommensteuer berechnet. Diese Regel wurde einst vom Gesetzgeber so festgelegt, um verdeckte Gewinnausschüttungen zu verhindern – in Deutschland ein sogenannter Umgehungstatbestand. Das Argument kann ich nachvollziehen, man könnte es aber einfacher haben, indem der Gesetzgeber eine Grenze setzt, so dass Mitarbeiter maximal 25 Prozent ihres Gehaltes in Anteilen erhalten können. Dafür könnte wiederum die Steuer angepasst werden.

Ein weiterer Grund, der dazu führt, dass Unternehmen zögern, Mitarbeiter durch Anteile zu beteiligen, ist der Verwaltungsaufwand auf Seiten des Unternehmens. Denn für jeden einzelnen Mitarbeiter, der Anteile erhält, muss ein eigener Vertrag aufgesetzt werden und die Konditionen individuell angepasst werden, etwa bei Veränderungen des Unternehmenswerts und bei den unterschiedlichen Startdaten der Mitarbeiter. Ja, das ist mühsam und macht der jeweiligen Rechtsabteilung eine Menge Arbeit. Aber, liebe Unternehmer da draußen: Es wird besser! Die ersten Verträge dauern vielleicht noch Tage, mit wachsender Routine beträgt der Aufwand aber irgendwann kaum mehr als eine Stunde pro Mitarbeiter.

Also, traut Euch!

Denn Mitarbeiterbeteiligung ist keine „typische Start-up“-Thematik – in einer Kategorie mit Müsli, Yoga im Büro und gratis Getränken, all diesen Goodies, die dafür sorgen sollen, dass Mitarbeiter sich wohl fühlen. Jedes Unternehmen, egal wie groß, kann davon profitieren. Und ich bin mir sicher, dass es auch viel mehr umsetzen würden, wenn sich die oben genannten Bedingungen ändern würden.

Weitergedacht stärken Mitarbeiterbeteiligungen, einmal mainstream geworden, nämlich gerade die Arbeitnehmer – die Mitte der Gesellschaft also, der alle politischen Parteiem ständig das Leben erleichtern wollen. Arbeitnehmer, die so zum Beispiel mit Mitte 40 schon bei drei oder vier Unternehmen gearbeitet haben, hätten ihr eigenes kleines Portfolio gesammelt, dass sie unter anderem für ihre private Altersvorsorge nutzen können.

Wenn dann im zweiten Schritt auch der Handel mit Mitarbeiteranteilen – wenn zum Beispiel ein Angestellter das Unternehmen verlässt und die Anteile seinem Nachfolger anbietet – vereinfacht würde von staatlicher Seite, hätten wir wirklich die Möglichkeit geschaffen, dass jeder unternehmerisch tätig sein kann, auch ohne das Risiko einer eigenen Gründung.

 


Ramin Niroumand ist Gründer und CEO des Fintech-Ökosystems Finleap. Hier finden Sie weitere Kolumnen von ihm