ManagementAlle Macht den Teams!


Torsten Osthus ist Unternehmer und Autor. Sein Appell: Mehr Verantwortung für die Mitarbeiter. Wie das gelingen kann, beschreibt er in seinem Buch „Chefsache Empowerment“. Hier können Sie ihm auf Twitter folgenTorsten Osthus ist Unternehmer und Autor. Sein Appell: Mehr Verantwortung für die Mitarbeiter. Wie das gelingen kann, beschreibt er in seinem Buch „Chefsache Empowerment“. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen


Bei Google arbeiten – genial. Ein Teil des Apple-Imperiums sein – ein Traum. Bei BMW arbeiten und direkt noch einen Firmenwagen abstauben –   ausgezeichnet. Und wie sieht es mit Ihrem Unternehmen aus? Strömen die Bewerber auch so zahlreich in Ihr Unternehmen oder müssen Sie krampfhaft nach exzellenten Fach- und Führungskräften suchen?

Klar, die wenigsten Brands weltweit ziehen hochqualifizierte Mitarbeiter wie ein Magnet an. Bei allen anderen heißt es: „Wir müssen unser Unternehmen attraktiver machen.“ New Work, Empowerment, Employer Branding und Co. sollen dann dafür sorgen, dass sich die Mitarbeiter erst angesprochen und – erst einmal an Bord – dauerhaft wohlfühlen.

Bei all dem Aufhübschen der Fassade vergessen Unternehmen häufig jedoch, warum die Mitarbeiter de facto da sind: Sie wollen arbeiten. Sie wollen ihre Fähigkeiten einbringen. Sie wollen sich weiterentwickeln. Und natürlich am liebsten auch in einem attraktiven Arbeitsumfeld mit höchster Flexibilität und größter Sicherheit.

Unternehmern, besonders der „alte Riege“, treibt diese schier unlösbare Aufgabe häufig Falten auf die Stirn. Schließlich ist das Unternehmen so seit Jahrzehnten erfolgreich und: Es kann ja nicht sein, dass die Firma sich anpassen muss.

Oh doch! Die Wirtschaft transformiert sich. Wer nicht mithält oder in alte Verhaltensmuster zurückfällt und den Mitarbeitern kein Arbeitsumfeld bietet, das ihnen entspricht, hat schlechte Karten bei der Mitarbeitersuche und -bindung.

Transformation bis ins kleinste Glied

Nicht umsonst ist das 21. Jahrhundert die Zeit der Geschäftsmodellinnovatoren. Überall sprießen Firmen aus dem Boden, die neue Geschäftsmodelle entwickeln, und alteingesessene Unternehmen suchen nach neuen Wegen, um ihre bisher erfolgsgekrönten Geschäftsmodelle zu erneuern – eben weil sich die Wirtschaft und die Gesellschaft in einem Transformationsprozess befinden.

Nehmen Sie beispielsweise die Pharmafirmen. Waren sie in der Vergangenheit in der Herstellung von medizinischen Produkten, Forschung und Entwicklung tätig, werden nunmehr Daten immer mehr zu einem Asset in dieser Branche. Sogar Google als Data-Spezialist investiert mittlerweile im Gesundheitswesen – der nächste Evolutionsschritt ist eingeläutet, dem sich auch die Pharma-Unternehmen nicht verschließen können. Denn das Gesundheitswesen wird künftig vom Patienten her gedacht.

Faktisch muss es den Unternehmen gelingen, in diesem Transformationsprozess ein Umfeld für Mitarbeiter zu schaffen, das Stabilität mit ständiger Erneuerung verbindet. Denn die Mitarbeiter suchen in diesen unübersichtlichen Zeiten von Digitalisierung, Multioptionalität und Globalisierung nach Halt. Sie wollen Sicherheit.

Doch genau das ist in meinen Augen ein völlig falsches Verständnis von Sicherheit: Es ist schon gut, nach Sicherheit zu suchen – dieser Wert wird Menschen auch nie abzusprechen sein. Die Sicherheit liegt dabei jedoch nicht darin, das Alte zu bewahren, sondern in der Innovationskraft und der Flexibilität.

Wer sich selbst hinterfragt, die Fähigkeit zur Adaption besitzt und dabei auch mal das eigene Geschäftsmodell kannibalisiert, erzeugt Sicherheit und eine Perspektive für die Zukunft. Wie im Evolutionsprozess in der Natur ist es auch in der Wirtschaft: Nur die Spezies überlebt, die mit Veränderung zurechtkommt. Und dabei ist nicht nur die Anpassungsfähigkeit der Unternehmer gefragt, sondern auch die Belegschaft sollte die Bereitschaft zur Weiterentwicklung haben und diesen Prozess mitgehen wollen. Sonst passiert eins: Was nichts nützt, fliegt raus – Zellen, die sich nicht mitentwickeln, stiften keinen Nutzen und werden vom Organismus abgestoßen.

Orientierung durch Flexibilität

Unternehmen, die diesen evolutionären Entwicklungsgedanken ernst nehmen, bedienen sich auch der Vorzüge von New Work und Empowerment und ermöglichen flexible Arbeitsmodelle für jeden Einzelnen. Sie schaffen genau den Rahmen, der veränderungsbereite Mitarbeiter anzieht. Sie bieten ein Arbeitsumfeld, das Flexibilität und Stabilität verbindet, stellen ausreichend Freiräume für Eigenverantwortung bereit und geben den Mitarbeitern trotzdem Orientierung und Führung.

Diese Räume eröffnen ausreichend Platz für die ganz persönlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter. Homeoffice ist beispielsweise ein Element, das in einem auf Entwicklung ausgerichteten Umfeld nicht fehlen darf. Bei dem einen Mitarbeiter ist es die freie Zeiteinteilung, bei dem anderen die Vereinbarkeit mit der Familie. Aber auch mit dem flexiblen Wechsel etwa zwischen Teams, Abteilungen und Regionen treffen Sie den Kern von New Work – Sie schaffen den Mitarbeitern Räume für Verantwortung und Entwicklung, die sie selbst gestalten können.

Nun höre ich immer wieder von Führungskräften, dass sie die Mitarbeiter kaum noch zu Gesicht bekommen, wenn sie sie ins Homeoffice entlassen oder sie ständig zwischen den Organisationseinheiten wechseln, und so gar nicht mehr in Führung sind. Ich kann Sie beruhigen: Zum einen kann ich Ihnen versichern, Ihre Mitarbeiter werden irgendwann selbst zurück ins Büro wollen, um den Kontakt nicht zu verlieren. Zum anderen können Sie auch Rituale oder Arbeitsschritte installieren, die einen persönlichen Kontakt unerlässlich machen. Diese Erfahrung haben wir auch in der Osthus Gruppe gemacht: Echte und erfolgreiche Teamzusammenarbeit über Telefonkonferenzen und digitale Medien stößt irgendwann an ihre Grenzen.

Die Gefahr des Rückfalls

Und auch viele Führungskräfte stoßen angesichts der vielen Möglichkeiten, die die neue Arbeitswelt bietet, an ihre Grenzen. Manche finden es gar furchtbar, die Mitarbeiter nicht mehr im Blick und unter Kontrolle zu haben. Wenn Sie jedoch mit Ihren Mitarbeitern gemeinsame Werte vertreten und ein gemeinsames Verständnis von der Richtung geschaffen haben, haben Sie keinen Grund zur Sorge.

Und Vorsicht, wenn Sie solche Gedanken hegen. Denn diese Befürchtung, dass das Team auseinanderfallen könnte, verführt viele Führungskräfte dazu, in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Sie versuchen, die Zügel wieder stärker anzuziehen und die Macht wieder an sich zu reißen. Befehl und Gehorsam schleichen sich quasi durch die Hintertür wieder rein. Auch wenn diese Art der Führung vielleicht rhetorisch gut versteckt Anwendung findet – auch sprachliche Waffen sind Waffen, die ziemliche Feuerkraft entwickeln können.

Rüsten Sie ab und machen Sie sich ganz im Sinne des Empowerments „ohn-mächtig“. Geben Sie die Macht wirklich in die Hände Ihres Teams. Setzen Sie Vertrauen und Zutrauen in Ihre Mannschaft. Ermächtigen Sie Ihr Team, Verantwortung zu übernehmen.

Altes Machtverhalten lediglich in ein neues Kleid von New Work, Employer Branding und Co. zu stecken, lockt keine exzellenten Mitarbeiter hinter dem Ofen hervor. Und an bisherigen Geschäftsmodellen festzuhalten und die Globalisierung den großen Konzernen zu überlassen, bietet schon gar keine Sicherheit. Denn ob Sie sich ihr verschließen oder nicht – die Globalisierung steht nicht nur vor Ihrer Haustür, sondern hat auf Ihrer Wohnzimmercouch Platz genommen. Oder warum macht Amazon mittlerweile den Buchhändlern, dem Getränkehandel, der Modebranche, der Elektroindustrie und dem Fernsehen Konkurrenz?

n einem Themendossier widmet sich Capital dem Thema Zukunft der Arbeit. Auf der Junge Elite Konferenz kommen Deutschlands Top 40 unter 40 am 3. November in Berlin zusammen und widmen sich der Frage, wie wir künftig arbeiten werden. Hier finden Sie weitere Beiträge zum Thema: Wie wir künftig arbeiten werden (Klaus Zimmermann) Denkfehler der New-Work-Bewegung (Lars Vollmer), Vertrauen motiviert Mitarbeiter (Pia Struck), So werden Sie Manager Ihrer Emotionen (Antje Heimsoeth), Von der Stechuhr zum Homeoffice (Max Orgeldinger), Arbeiten im digitalen Zelt (Torsten Osthus)

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