Venture CapitalEx-Gründer bringen frischen Wind in die Investorenszene

Daniel Glasner, Filip Dames und Christian Meermann (v.r.n.l.) sind die Gründer von Cherry Ventures PR

Das Herz des Silicon Valley schlägt an einer vierspurigen Ausfallstraße. An der Sand Hill Road zwischen Palo Alto und Menlo Park haben sich über Jahrzehnte fast alle wichtigen Risikokapitalinvestoren der USA angesiedelt: Sequoia, Kleiner Perkins oder Andreessen Horowitz. Es ist das Geld von der Sand Hill Road, das aus kleinen Start-ups wie Google oder Facebook Welterfolge gemacht hat – und aus dem Silicon Valley das Tech-Epizentrum der Welt.

Gut möglich, dass man von der Torstraße eines Tages als der Berliner Sand Hill Road sprechen wird. Rund um die graue und stets verstopfte Straße in Mitte haben in den vergangenen Jahren kleine Investmentfirmen ihre Büros bezogen. Sie sind zwar viel weniger bekannt als die aktuellen Helden der Berliner Gründerszene, als Start-ups wie Zalando oder Delivery Hero – doch für die Zukunft des deutschen Gründer-Ökosystems dürften die Venture-Capital-Geber von der Torstraße sogar entscheidender sein.

An den Klingelschildern stehen Namen wie Atlantic Labs, Point Nine Capital und Cavalry Ventures. Sie arbeiten in schlichten Hinterhofbüros, wenig weist darauf hin, dass dort keine kleinen Jungunternehmen residieren, sondern kapitalstarke Investoren. Wer 2019 als Gründer etwas auf sich hält, der spricht hier für eine Anschub- oder Wachstumsfinanzierung vor. Und das ist eine Zeitenwende.

Seit den Anfangstagen von Risikokapital in Deutschland hieß die deutsche Venture-Capital-Hauptstadt: München. Ehemalige Banker und Private-Equity-Finanzierer steuerten aus herrschaftlichen Zentralen am Englischen Garten ihre Portfolios. Noch bis vor Kurzem waren es solche Fonds aus der Dotcom-Ära, die in Deutschland den Ton angaben: Wellington Partners etwa, zu dessen bekanntesten Start-up-Exits Xing oder Immobilienscout24 gehörten. 1998 startete der Vermögensverwalter Rolf Christof Dienst den ersten Wellington-Fonds, kurz vor dem 20-jährigen Jubiläum 2017 wurde bekannt, dass Wellington nach fünf Fonds und 640 Mio. Euro aufgebrachtem Kapital nicht mehr in neue Technologie-Start-ups investieren würde.

Eine neue Generation

Es ist eines der sichtbarsten Beispiele für die Wachablösung. „Viele Investoren aus der Dotcom-Zeit haben den Generationswechsel nicht geschafft“, sagt Julian Riedlbauer von der Tech-Investmentbank GP Bullhound. „Aber wir sehen das Entstehen ganz neuer deutscher Venture-Capital-Firmen.“ Die neuen Geldgeber, die sich in Berlin sammeln, sind nicht nur jünger – sie sind vor allem fast ausnahmslos ehemalige Gründer. Und das ändert eine Menge.

„Der Unterschied ist“, sagt Filip Dames, „dass du als Unternehmer besser nachvollziehen kannst, wie es ist, eine Firma aufzubauen. Weil du das selber mal erlebt hast und zum Gründer auch ein ganz anderes Verhältnis aufbauen kannst.“ Dames, gelernter Betriebswirt, startete 2008 mit Tamundo einen Online-Marktplatz für Sammlerstücke. Nach anderthalb Jahren verließ er das Start-up (das 2011 abgewickelt wurde) in Richtung des schnellwachsenden Modeversenders Zalando, wo er CEO des Shoppingclubs Zalando Lounge wurde. 2012 begann er, gemeinsam mit dem damaligen Zalando-CMO Christian Meermann, selbst in Start-ups zu investieren. Es waren kleine Summen („Tickets“ im Start-up-Sprech) für Gründer, die ganz am Anfang standen. Aber obwohl die beiden ihren Investorenjob quasi in der Freizeit erledigten, zeigten sie einen guten Riecher. Beim inzwischen 2,9 Mrd. Euro schweren Gebrauchtwagenmarktplatz Auto1 waren sie früh an Bord, genauso beim Fernbusunternehmen Flixbus (heutige Bewertung: 1 Mrd. Euro) und dem später an Pro Sieben Sat 1 verkauften Erotikshop Amorelie.