UnstatistikIst Frankfurt tatsächlich Kriminalitätshauptstadt?

Begehung des Tatorts
Symbolbild: KriminalitätserfassungPixabay


Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. 
Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de.


Welche deutsche Stadt hat die höchste Kriminalität? Frankfurt! Das meldeten unter anderem die „Frankfurter Rundschau“ und der „Tagesspiegel“. Doch die Methoden der zugrundeliegenden Kriminalitätserfassung berücksichtigen nicht das städtespezifische Umfeld.

Fast 15 000 Straftaten gab es pro 100000 Einwohner im vergangenen Jahr in Frankfurt am Main. Doch diese Statistik übersieht etwas, kritisieren die Unstatistiker. Es gebe große Unterschiede über Raum und Zeit, bei der Erfassung von Kriminalität. Zum Beispiel, dass einige Gemeinden Rauschgiftdelikte erfassen, in anderen Gemeinden werden diese Delikte hingegen nicht in die Berechnung aufgenommen.

Hinzu kommt: Frankfurt ist ein internationaler Verkehrsknotenpunkt. Mehr als 300000 Menschen pendeln täglich zur Arbeit nach Frankfurt. 60 Millionen Fluggäste fertigte der Frankfurter Flughafen im vergangenen Jahr ab. Alle Straftaten die von diesen vorübergehenden Besucher verübt werden, werden in die Kriminalitätsstatistik der Stadt Frankfurt aufgenommen.

In München gehört der Flughafen indes nicht mehr zum Stadtbereich, sondern zu den umliegenden Gemeinden Freising und Erding. Straftaten die hier passieren, werden nicht der Stadt München zugerechnet. München gilt im Kriminalitätsranking als eine der sichersten Großstädte Deutschlands.

Um die Städte bezüglich ihrer Kriminalitätshäufigkeit besser zu erfassen, müsste man nach Ansicht der Unstatistiker das Erfassungsmodell nochmal überdenken. Eine Möglichkeit wäre die Anzahl der Straftaten an der Zahl potentieller Opfer oder Täter zu messen.