Unstatistik Falsche Schlüsse über vegane Ernährung und ihre Effekte

Vegane und vegetarische Ernährung soll das Risiko für Diabetes II erheblich senken, berichten verschiedene Medien unter Berufung auf eine Meta-Studie
Vegane und vegetarische Ernährung soll das Risiko für Diabetes II erheblich senken, berichten verschiedene Medien unter Berufung auf eine Meta-Studie
© Pixabay
Vegane Ernährung soll das Risiko für Diabetes II erheblich senken. Das behauptet zumindest eine Studie. Warum der tatsächliche Effekt geringer ist, erklären die Experten der Unstatistik

Dieser Befund macht gleich auf mehreren Internetportalen die Runde: Vegane und vegetarische Ernährung senkt das Risiko einer Diabetes-II-Erkrankung um fast ein Viertel. Darüber berichteten unter anderem die Internetportale infranken.de , finanz-experte.info und heilpraxis.net.

Ursprünglich stammt die Meldung aus der Zeitschrift „JAMA Internal Medicine“, die eine sogenannte Meta-Studie veröffentlicht hat. In dieser Meta-Studie werden insgesamt neun Schätzergebnisse analysiert, die aus sieben Studien zum Zusammenhang zwischen vegetarischer und veganer Ernährung und dem Risiko einer Diabetes-II-Erkrankung stammen. An diesen sieben Studien nahmen etwas mehr als 300.000 Personen teil.

Und hier liegt nach Ansicht der Unstatistiker der erste große Fehler : Grundlage der in „JAMA Internal Medicine“ publizierten Studie seien nicht die Beobachtungen von mehr als 300.000 Studienteilnehmern gewesen, sondern lediglich neun Schätzergebnisse. Darüber hinaus werde mit einer relativen Risikoreduktion (das Risiko einer Diabetes II-Erkrankung sinkt um 23 Prozent) ein gewaltiger Effekt suggeriert, der sich bei genauerer Betrachtung als wesentlicher kleiner darstelle.

Nach Angaben der Studienautoren hatten 23.544 der an den sieben Studien teilnehmenden 307.099 Personen Diabetes II. Das entspricht einem absoluten Risiko von 13 Prozent. Vegetarische und vegane Ernährung reduzieren dieses absolute Risiko um 23 Prozent, also um 3 Prozentpunkte von 13 auf 10 Prozent. Das klingt schon wesentlich unspektakulärer als ein um fast ein Viertel reduziertes Risiko.

Es bestehe kein Zweifel, dass eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse und weniger Fleisch gesund sei, stellen die Unstatistiker klar. Reißerische Schlagzeilen mit aufgeblähten Effekten vegetarischer und veganer Ernährung auf Basis von neun Beobachtungen könnten aber schon eher angezweifelt werden.

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer, die Stat-Up-Gründerin Katharina Schüller und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen.
Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de und unter dem Twitter-Account @unstatistik. Im Campus Verlag erschienen ist das Buch „Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet – Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“


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