Einhorn-Anwärter Investoren-Prognose: Das sind Deutschlands nächste Einhörner

Die Brüder Yannis und Matti Niebelschütz könnten mit ihrem Start-up Coachhub bald den Sprung zur Milliardenbewertung schaffen.
Die Brüder Yannis und Matti Niebelschütz könnten mit ihrem Start-up Coachhub bald den Sprung zur Milliardenbewertung schaffen.
© Moritz Leisen/ Coachhub
Die Investoren-Plattform Tech Tour hat eine Liste der aussichtsreichsten Einhorn-Kandidaten veröffentlicht. Mit den spektakulären Bewertungssprüngen aus dem vergangenen Jahr sei es jedoch nun erst mal vorbei, warnt einer der Analysten. Der Krieg in der Ukraine stelle jetzt „vieles auf den Prüfstand.“

Noch vor zwei Jahren galten Einhörner als besonders selten – daher auch der Name der speziellen Firmen-Gattung. Inzwischen verzeichnet Deutschland jedoch einen regelrechten Einhorn-Boom. Allein im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Start-ups, die mehr als 1 Mrd. Dollar wert und einen Börsengang oder Exit noch vor sich haben, fast verdoppelt und steht nun bei über 20.

Experten rechnen auch 2022 mit einem weiteren Zuwachs der Einhorn-Herde – auch wenn sich der Boom wahrscheinlich abschwächen wird. Die Investoren-Plattform Tech Tour, ein Zusammenschluss europäischer Start-up-Geldgeber, hat nun die aussichtsreichsten Einhorn-Kandidaten ermittelt. Die Analyse, die Capital vorab vorliegt, zeigt die 50 wachstumsstärksten Technologie-Start-ups Europas.

Zwölf deutsche Start-ups unter den Einhorn-Kandidaten

Aus Deutschland haben sich insgesamt zwölf Start-ups für die Top-50-Liste qualifiziert. Besonders stark vertreten sind Unternehmen aus dem Gesundheitssektor. Mit der Diagnose-App Ada Health, dem Telemedizin-Anbieter Kaia Health und der OP-Software Caresyntax sind gleich drei sogenannte HealthTech-Firmen auf der Einhorn-Warteliste.

Einen weiteren Schwerpunkt liegt beim Thema Nachhaltigkeit: Hier haben sich der Vertical-Farming-Anbieter Infarm und das Dresdner Wasserstoff-Start-up Sunfire qualifiziert. Bemerkenswert ist auch die Platzierung der Ferienhaus-Suchmaschine Holidu: Trotz des pandemiebedingten Rückschlags für die Reisebranche trauen Investoren dem Start-up offenbar eine schnelle Erholung zu.

Die weiteren Start-ups auf der Einhorn-Anwärterliste sind die Coaching-Plattform Coachhub, die Onlienshop-Software Commercetools, das Versicherungs-Start-up Getsafe, die Miet-Plattform Grover, das KI-Start-up Konux und das Investment-Fintech Moonfare.

Bewertungsboom könnte sich abschwächen

„Alle 50 Unternehmen haben die Qualität, es in den nächsten zwei bis drei Jahren auf eine Bewertung von einer Mrd. US-Dollar zu bringen“, sagt Falk Müller-Veerse, Jury-Vorsitzender und Partner der Investmentbank Bryan, Garnier & Co. Das Rekordwachstum der Finanzierungsrunden und Bewertungen werde sich jedoch wahrscheinlich nicht auf dem gleichen Niveau wie 2021 fortsetzen. „Mit dem Krieg in Europa wird jetzt vieles auf den Prüfstand gestellt“, warnt der Investmentbanker.

Schon vor dem Kriegsausbruch in der Ukraine hatten Tech-Unternehmen mit einem schwierigen Börsenklima zu kämpfen. Die fallenden Aktienkurse könnten auf die IPO-Stimmung und mittelfristig auch auf die Start-up-Bewertung durchschlagen, sagt Müller-Veerse. „Für die Höhe der Finanzierungen und Bewertungen scheint sich 2022 ein Dämpfer abzuzeichnen.“ Das bedeute auch ein Ende der spektakulären Uprounds, also der Bewertungssprünge. Das ein oder andere Unternehmen könne daher noch „ein böses Erwachen“ erleben, prognostiziert der Investmentbanker. Sie müssten dann ihren Wert dann gegebenenfalls nach unten korrigieren.

Methodik der Einhorn-Prognose

Die Auswahl der Top 50 der am schnellsten wachsenden Tech-Unternehmen basiert auf aktuellen Kennzahlen zur Finanzierung, Bewertung und dem Umsatz sowie der Einschätzung der 49-köpfigen Investoren-Jury. In die Bewertung wurden Unternehmen miteinbezogen, die drei der vier folgenden Kriterien erfüllen: mindestens 20 Mio. Euro Gesamtfinanzierung, eine Bewertung von mindestens 100 Mio. Euro, mindestens zehn Mio. Euro Umsatz oder eine hohe Entwicklungsdynamik.


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