InnovationCharité: Der digitale Doktor

Das Berlin Institute of Health an der Berliner Charité ist mit dem Digital Health Accelerator Motor für digitale Innovationen
Das Berlin Institute of Health an der Berliner Charité ist mit dem Digital Health Accelerator Motor für digitale Innovationenimago images _ Stefan Zeitz


Deutschlands innovativste Unternehmen: Aus knapp 1800 Kandidaten haben Capital und Statista 442 Innovationstreiber herausgefiltert. In unserer Artikelserie stellen wir Ihnen eine Auswahl der ausgezeichneten Unternehmen vor. Die komplette Auswertung im Überblick zeigt unsere Infografik


„Das Tollste ist, es funktioniert mit jedem noch so alten Handy“, sagt Julius Emmrich. Der 34-jährige Arzt sitzt im T-Shirt in der Küche der Notaufnahme der Berliner Charité und erzählt von seinem Projekt mTomady in Madagaskar. Neben ihm sitzt Samuel Knauß, 29, wie Emmrich promovierter Neurologe und Miterfinder.

mTomady (madagassisch für „gesund“) ist eine Plattform, die den Zugang zum Gesundheitssystem in Entwicklungsländern verbessern soll. Patienten können auf ihrem Handy Geld sparen, das sie ausschließlich zum Bezahlen von Arzt und Krankenhaus ausgeben dürfen.

Über 30 Kliniken und Gesundheitszentren machen mit. Die erste Testgruppe sind schwangere Frauen, rund 10.000 nutzen die digitale Gesundheitskarte bereits. „Viele Frauen können zum ersten Mal einen Ultraschall machen lassen oder für eine Geburt im Krankenhaus sparen“, so Emmrich.

18 Ausgründungen geplant

Die Charité, eine der größten Universitätskliniken Europas, fördert Projekte wie mTomady, um Innovationen schneller ans Krankenbett zu kriegen. Damit die Ideen der 4.200 Ärzte und Forscher möglichst viel Nutzen stiften, hat die Klinik mit dem Max-Delbrück-Centrum das Berlin Institute of Health gegründet. Interdisziplinäre Teams werden gefördert, mittels Coaching, Vernetzung – und Geld.

Weil Big Data, Software und Apps im Gesundheitsbereich immer wichtiger werden, startete das BIH 2017 den Digital Health Accelerator. 18 Projektteams wurden bislang gepäppelt. Vier davon sollen 2020 als Unternehmen ausgegründet werden – darunter mTomady. Die Chancen stehen gut. Die madagassische Regierung will die Plattform in die nationale Gesundheitskasse integrieren. Und sogar eine deutsche Krankenversicherung zeigt sich bereits interessiert.

In der Corona-Krise konzentriert sich das Berlin Institute of Health aber auch auf die Forschung rund um das Coronaviurs. Zusammen mit der Charité hat das BIH ein interdisziplinäres Studienprogramm auf die Beine gestellt. Dort sollen verschiedene Studien helfen, das Coronavirus, seine gesundheitlichen Folgen und mögliche Behandlungsoptionen zu untersuchen. Das neu eingerichtete Charité/BIH COVID-19 Research Board koordiniert alle Forschungsprojekte.

Doch auch die Innovationen spielen weiterhin eine große Rolle. Das jüngste Beispiel ist die Ausgründung von „Aignostics“ Ende April. Das Team von Wissenschaftlern vom Pathologischen Institut der Charité und der Technischen Universität Berlin hat ein System zur Bildanalyse entwickelt. Mittels künstlicher Intelligenz beurteilt es Mikroskop-Aufnahmen und kann so bei der Diagnose helfen.


Die Studie über die innovativsten deutschen Unternehmen ist in Capital 03/2020 erschienen. Wichtiger Hinweis: Die Untersuchung wurde vor Ausbruch der Corona-Pandemie durchgeführt. Zur Methodik: So wurden die innovativsten Unternehmen ermittelt
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