Innovativste Unternehmen

InnovationHotelkette 25hours: Individualität skalieren

Die Ideenfinder der 25hours Hotel Company erkunden zunächst die Umgebung, um Konzeptideen für ihre neuen Häuser zu finden
Die Ideenfinder der 25hours Hotel Company erkunden zunächst die Umgebung, um Konzeptideen für ihre neuen Häuser zu findenimago images / Future Image


Deutschlands innovativste Unternehmen: Aus knapp 1800 Kandidaten haben Capital und Statista 442 Innovationstreiber herausgefiltert. In unserer Artikelserie stellen wir Ihnen eine Auswahl der ausgezeichneten Unternehmen vor. Die komplette Auswertung im Überblick zeigt unsere Infografik


„Alles wird sich ums Geschichten­ erzählen drehen“, sagt Lisa Strunz und klickt auf ihrem Laptop eine Skizze nach der anderen an. Die Kon­zeptentwicklerin der 25hours Hotel Company präsentiert in einem Be­sprechungsraum der Firmenzentrale in der Hamburger Hafencity Kollegen die Pläne der künftigen Dependance in Dubai, die in 2021 eröffnen soll.

In der Lobby wird ein mit Büchern bestückter Brunnen stehen, überspannt von einem Stoffbalda­chin mit Artwork im Comic­Stil. Die Eventfläche neben dem Hotel erinnert an ein Autokino – inklusi­ve eines klimatisierten Minis, in den man sich zum Filmegucken zurück­ziehen kann.

Umgebung als beste Inspiration

Dass aus verrückten Ideen ech­te Hotels werden, gehört zur DNA von 25hours: Das Wiener Haus er­ innert an einen Zirkus. Im Bikini Berlin am Zoologischen Garten tau­chen Reisende und Einheimische in einen Großstadtdschungel ein. Und im Düsseldorfer Das Tour finden Hotelgäste ihre Badewanne auf dem Balkon.

„Die unmittelbare Umgebung der Standorte liefert uns oft die bes­ten Inspirationen“, sagt Henning Weiß, der seit der Gründung des Un­ternehmens vor 15 Jahren bei neuen Konzepten mitmischt. Tagelang er­kunden 25hours­ Mitarbeiter mit De­signern und Architekten die Gegend, sammeln Einfälle und entwickeln ge­meinsam eine Art Skript: die „Bibel“.

Ein guter Plan zum Festhalten wird für die Firma immer wichtiger, denn die Schlagzahl nimmt zu: An­fangs eröffnete alle zwei, drei Jahre ein neues 25hours­ Hotel. Insgesamt sind es nun 13. In 2021 sollen zwei neue Häuser an den Start gehen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Kette mit rund 1000 Mitarbei­tern etwa 122 Mio. Euro.

„Die haben richtig Bock, was Cooles zu machen“

Zum Ideenteam gehören im­mer auch Fachleute aus den eigenen Reihen, die sich mit Gastronomie oder Projektmanagement ausken­nen. Doch auch externe Innenein­richter und Designbüros spielen eine wichtige Rolle – nicht zuletzt wegen der wachsenden Distanz zu den Pro­jekten. „In Dubai oder Melbourne können wir selbst nicht so oft vor Ort sein wie in Düsseldorf oder Kopenha­gen“, sagt Anne van Wetteren, die ge­meinsam mit Lisa Strunz das Kon­zeptteam von 25hours bildet.

Der französische Hotelgigant Accor (Novotel, Mercure, Sofitel), der seine Beteiligung an dem Hamburger Unternehmen vor einem Jahr auf 50 Prozent aufgestockt hat, unter­stützt vor allem bei der Expansion im Ausland. Gebremst hätten sie die Konzernmanager noch nie, sagt van Wetteren, im Gegenteil: „Die haben richtig Bock, was Cooles zu machen.“

Kreative Ideen gegen die Corona-Flaute

Auch die Folgen der Corona-Pandemie bremsten zwar das Geschäft deutlich ab, aber nicht die Kreativität. In Reaktion auf die Maßnahmen rief 25hours zwei Konzepte ins Leben. An allen unsere Standorten kam das Geschäft etwa zwei Monate lang fast komplett zum Erliegen, bilanziert Bruno Marti, Chief Brand Officer der Hotelkette. Während des Lockdowns enstand deshalb die Idee, die eigenen Hotelzimmer für Homeoffice-Gäste anzubieten. In den „besten“ Wochen vor den Lockerungen habe man in jedem Hotel drei bis fünf Gäste pro Tag gehabt, erinnert sich Marti. „Selbst 50 Zimmer sind pro Tag ist das bei rund 1000 Hotelzimmern der Gruppe nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Marti. „Aber wir sind Gastgeber und waren glücklich überhaupt Gäste empfangen zu können.“

Auch nach dem Lockdown, als zumindest ein Teil der Übernachtungsgäste wieder kommen durfte, ging die Hotelkette mit einem neuen Konzept an den Start: Seit Juni können Hotelgäste auch längerfristige Aufenthalte buchen. „Auch das ist kein Massengeschäft, aber in allen Destinationen gab es in den ersten zwei Wochen schon Anfragen und im ganzen vielleicht ein Dutzend Buchungen“, sagt Marti. „Wir sind noch nicht über den Berg. Aber wenn wir nicht glauben würden, dass es zu schaffen ist, könnten wir es ja gleich lassen. Deshalb versuchen wir, mit den eingeschränkten Ressourcen Vollgas zu geben.“

 


Die Studie über die innovativsten deutschen Unternehmen ist in Capital 03/2020 erschienen. Wichtiger Hinweis: Die Untersuchung wurde vor Ausbruch der Corona-Pandemie durchgeführt. Zur Methodik: So wurden die innovativsten Unternehmen ermittelt
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