SerieGroßes Problem, smarte Lösung: Viva con Agua

Äthiopien_Viva con Agua
Viva con Agua besucht gemeinsam mit Künstlern aus Deutschland und Äthiopien die mobile Bohreinheit “John’s Rig”, die quer durch Äthiopien fährt, um Brunnen zu bohren.Stefan Groenveld für Viva con Agua


Klimawandel, Armut, Flüchtlingskrisen: Die Welt ist voller Probleme. In einer Serie präsentiert Capital Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit – von smarten Köpfen und innovativen Unternehmungen. Diesmal: Viva con Agua


Das Problem:

Laut des UN-Weltwasserberichtes von 2019 prognostizieren Wissenschaftler bis 2050 einen Anstieg des weltweiten Wasserverbrauches um ungefähr ein Prozent pro Jahr. Neben einem hohen Bevölkerungswachstum sind nach Angaben der Uno auch sozioökonomische Entwicklungen, die mit der Industrie und einem verstärkten Konsumverhalten in Zusammenhang stehen, dafür verantwortlich, dass die Nachfrage nach Wasser wächst. Die Bereitstellung von Wasser in ausreichender Menge und Qualität wird somit immer schwieriger. Auch veränderte Wetterverhältnisse wie extreme Hitzewellen und Dürren als Resultat des Klimawandels haben dramatische Auswirkungen auf den weltweiten Wasserhaushalt. Und Überschwemmungen können zu einer Verunreinigung des Trinkwassers führen. Das wiederum begünstigt die Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera.

Obwohl es anerkanntes Menschenrecht ist, haben nach Angaben der UNESCO rund 2,1 Milliarden Menschen, das heißt fast drei von zehn Menschen, keinen Zugang zu sauberem und dauerhaft einfach verfügbarem Trinkwasser. Mehr als doppelt so viele Menschen verfügen nicht über sichere Sanitäranlagen und leiden unter Wasserknappheit. Die Konsequenzen sind vor allem für ökonomisch schwache Länder fatal. Hier fehlt es schlichtweg an Geld, das in Wasserrecycling, Aufbereitung oder den Bau einer Wasserinfrastruktur investiert werden könnte. In afrikanischen Regionen südlich der Sahara ist der Wassermangel eines der größten Probleme. Die unzureichende Wasserversorgung führt beispielsweise zu einer Minderung der Ernteerträge und wirkt sich so auch negativ auf die Entwicklung eines Landes aus. In Ländern wie Äthiopien oder Kenia können Frauen und Mädchen nicht zur Schule gehen oder arbeiten, weil sie teilweise stundenlang mit der Beschaffung des Wassers beschäftigt sind.

Weil die Ressource Wasser knapp ist, ist sie auch in vielen Regionen immer mehr zum Konfliktfaktor geworden. Was wiederum dazu führt, dass viele Menschen aus ihren Heimatregion aus Angst vor Krieg und Armut fliehen müssen.

Die Lösung:

Seit über zehn Jahren ist Viva con Agua Initiator von zahlreichen Spendenaktionen, um WASH-Projekte in Entwicklungsländern zu fördern. Das Non-Profit-Unternehmen setzt dabei auf die universelle Sprache von Musik, Kunst und Sport, um Menschen für die Thematik zu sensibilisieren. Nach eigenen Angaben konnte die Organisation bereits die Wasserverhältnisse von rund drei Millionen Menschen verbessern.

Im Jahr 2010 startete Viva con Agua mit dem Verkauf einer eigenen Wassermarke eine deutschlandweite Fundraising-Kampagne. Um mit Wasserherstellern Lizenzverträge abschließen zu können, wurde die Viva con Agua Wasser GmbH gegründet. Mit dem „sozialen Mineralwasser“ macht die Organisation im Alltag auf ihre Arbeit aufmerksam und will die Gesellschaft über die weltweiten Wasserverhältnisse aufklären. Die Einnahmen kommen der Stiftung und dem Verein zugute. 2018 betrug der Erlös rund 500.000 Euro.

2014 ging ein weiteres Social Business aus dem Kosmos von Viva con Agua hervor: Goldeimer betreibt deutschlandweit kompostierbare Toiletten auf Festivals und klärt über die unzureichende Verfügbarkeit von Sanitäranlagen und Hygiene weltweit auf. Seit 2016 verkaufen Goldeimer und Viva con Agua auch „soziales Klopapier“. Gewinne, die Goldeimer erzielt, fließen in die Viva con Agua-Stiftung und in den Verein und somit in die WASH-Projekte.

Mit den Spenden, den Einnahmen des Viva con Agua-Quellwassers und dem Goldeimer-Klopapier werden Projekte in Zusammenarbeit mit großen Hilfsorganisationen unterstützt. Allein 2018 betrug der Umsatz knapp 4 Mio. Euro. 2 Mio. Euro flossen direkt in 13 WASH-Projekte in sieben Ländern. Mehr als 8 Mio. Euro konnte die Organisation bereits für Entwicklungsprojekte der Welthungerhilfe sammeln. Viva con Agua kooperiert außerdem mit der Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas und lokalen Netzwerken. Die Projekte in Afrika, Indien und Nepal zielen nicht nur auf Trinkwasser ab, sondern werden in Form von qualitativ hochwertigen WASH-Diensten nachhaltig realisiert. Nur so kann eine langfristige Sanitärversorgung gewährleistet werden. Der Nachhaltigkeitsaspekt spiegelt sich auch in den Bildungsprojekten von Viva con Agua wieder. Die Organisation legt beispielsweise in Uganda einen besonderen Fokus auf Maßnahmen in Schulen, wie zum Beispiel die Einführung von Hygienestandards und die Weiterbildung der Kinder in Bezug auf hygienische Verhaltensweisen.

Der Kopf dahinter:

Während eines Aufenthaltes auf Kuba fiel Benjamin Adrion die Wasserknappheit und die mangelnde Wasserinfrastruktur vor Ort auf. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg gründete er 2006 die Non-Profit-Organisation, oder wie das Team selbst sagt „All-Profit-Organisation“ Viva con Agua de Sankt Pauli e.V., um nach dem Motto „Wasser für alle – alle für Wasser“ den Zugang zu Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung weltweit zu ermöglichen und den Lebensstandard vieler Menschen nachhaltig zu verbessern. 2009 wurde Adrion für sein Engagementmit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Das Netzwerk des Unternehmens wächst stetig. Mittlerweile unterstützen mehr als 10.000 Ehrenamtliche die Vision von Viva con Agua. Mitarbeiter sind in Deutschland, der Schweiz, Österreich, und seit Anfang 2015 auch in Uganda aktiv. Das Viva con Agua-Magazin informiert über aktuelle Projekte und Aktionen.