FinanzevolutionGroßes Geld mit kleinen Transaktionen

Symbolbild Epayment
Symbolbild EpaymentGetty Images

Banken haben von Anbeginn ihrer Existenz von der Kalkulierbarkeit ihres Geschäfts sehr gut gelebt. Das Prinzip lautet, dass Geschäfte in Form von Krediten, Investitionen sowie Zahlungs- und Wertpapiertransaktionen dann dauerhaft durchgeführt werden können, wenn erwartete Einzahlungen über den erwarteten Auszahlungen liegen.

In diesem Jahrtausend hat der Glaube an die Kalkulierbarkeit der Finanzbranche aber auch die größten Verluste ihrer Geschichte beschert. Sie droht nun insbesondere bei der Innovationsfähigkeit abgehängt zu werden. Vor der Finanzkrise hat der Glaube an die Kalkulierbarkeit viele Finanzhäuser in hoch riskante Investments getrieben. Mit durch Stempel von Ratingagenturen, renommierter Unternehmens- oder Rechtsberatungen signierten Zahlenkalkulationen wähnten sich große Häuser auf der sicheren Seite. So investierten sie etwa in Anleihen, die mit US-Immobilien besichert waren und später mit Ausbruch der von vielen nicht erwarteten Immobilienkrise in den USA notleidend wurden.

Der Glaube an die Kalkulierbarkeit vermeintlich sicherer Investments hat also einerseits viele Banken in große Nöte getrieben. Und andererseits hat das Kalkulationsnarrativ zu vielen unterlassenen Investitionen geführt, wenn der Erfolg einer Investition nicht sicher genug kalkulierbar ist. Prominente Beispiele für nicht getätigte Investitionen lassen die Banken derzeit in immer mehr Geschäftsbereichen ins Hintertreffen geraten.

Der Zug fuhr ohne die Banken weiter

Deutlich wird das an den verpassten Gelegenheiten im Zahlungsverkehr, also den Transaktionen, mit denen Wirtschaftssubjekte rechtswirksam ihre Geldschulden begleichen. Das gehörte ursprünglich einmal zu den Kernleistungen von Finanzhäusern. Zwar ist in Deutschland weiterhin Bargeld das gesetzliche Zahlungsmittel, da aber Vertragsfreiheit herrscht, können Geschäftspartner auch andere Formen der Gegenleistung vereinbaren. Dazu gehören unbare Zahlungsinstrumente, und hier vor allem konten- oder kartenorientierte Verfahren (siehe die Studie der Bundesbank zum Zahlungsverhalten in Deutschland). Auf dieser Basis wiederum gibt es unzählige Varianten, die sich insbesondere in der Geschwindigkeit unterscheiden und darin, wer in Vorleistung geht und das Risiko eines Zahlungsausfalls trägt.

Als ich Mitte der 2000er-Jahre für eine mittelständische Unternehmensgruppe für mehrere Webshops mit den Beratern der Hausbanken über Zahlungsverfahren im E-Commerce sprach, erntete ich meist Schulterzucken und in einem Fall wurde mir sogar die Frage gestellt, warum wir Produkte überhaupt über das Netz verkaufen wollen. Jedenfalls konnten die damaligen Bankenpartner mit Zahlungslösungen für den E-Commerce nicht weiterhelfen und wir holten Unterstützung von einem Drittanbieter, der uns eine integrierte Lösung bereitstellte mit verschiedenen von unseren Kunden bevorzugten Zahlverfahren.

Banken hielten sich in den 2000er-Jahren in Richtung E-Commerce und dem sogenannten Merchant-Payment (also der Abwicklung von Zahlungen für Händler) oft zurück, weil der Zahlungsverkehr nur als Einstieg für das Kundengeschäft galt, man aber nicht den Bedarf für Mehrwerte und keine ausreichende Nachfrage erwartete, deren Erlöse die Kosten für die Entwicklung neuer Angebote decken würde. Strategisch konzentrierten sich die großen Häuser auf das Privat- und Firmenkundengeschäft sowie das Investmentbanking und waren damit viele Jahre sehr erfolgreich. Folgerichtig lagerten viele Banken in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts und in den 2000er-Jahren den Kostenblock Zahlungsverkehr (ebenso übrigens die Wertpapierabwicklung) in sogenannte Transaktionsbanken aus, die durch Skaleneffekte Kostenvorteile realisieren sollten.