KommentarGeldanlage - die Macht der Geschichten

Markus Koch
Markus Koch
© Bild: Dirk Eusterbrock

Markus Koch ist ein deutscher Fernsehjournalist. Er ist vor allem für seine Berichterstattung und Kommentierung des Marktgeschehens von der Wall Street beim Nachrichtensender N-TV bekannt.


Wir fahren immer intelligenter. Tesla Motors bringt Ende September das Modell X auf den Markt, gefolgt von dem preiswerteren Modell 3 in etwa zwei Jahren. Selbstfahrende Autos von Daimler, BMW, Google oder vielleicht sogar Apple drängen auf den Markt. Längst sind sie vorbei, die Zeiten des Ford Modell T. Digitale Assistenten sind in der Pipeline, die uns Menschen so ähnlich sein werden, dass wir uns mit ihnen anfreunden könne´n. Künstliche Intelligenz, wie IBM’s Whatson, begleitet uns in die Neuzeit.

Aber geht es um die Geldanlage, befinden sich Privatanleger, wie auch viele andere Marktteilnehmer, in der Steinzeit. Das fängt schon bei der Tatsache an, dass nur sieben Prozent der Deutschen ihr Vermögen in den Aktienmarkt investiert haben, bis hin zur mangelnden Wahrnehmung, dass sich die Mechanik des Kapital- und Aktienmarktes grundlegend verändert hat. Wer gerade jetzt die Augen aufmacht, der darf miterleben was die Kurse wirklich bewegt.

Das tägliche Hin und Her an der New York Stock Exchange zu erklären, ist keine Kunst. Vor allem nicht für diejenigen, die über viel Fantasie verfügen. Eindrucksvoll, smart und tiefgründig erklären Dutzende von Investment-Strategen, Analysten, Volkswirte und auch Journalisten, welche Faktoren im Handelsverlauf den Takt angeben. Doch wir alle, die in diesem Camp sitzen, haben ein Problem und sind gezwungen, uns teils neu zu erfinden. Weil die Realität anders aussieht und weil Maschinen die Alpha-Pretenders entblößen. “So tun als ob”, funktioniert künftig nicht mehr.

die Kunst des Storytelling

Das gilt auch für mich als Wall Street Reporter. Denn was den Aktienhandel dominiert sind Gamma-Hedging-, Volatility-Target- und Risk-Parity-Strategien und natürlich das Derivative-Hedging. Die Algorithmen und der computerisierte Handel haben das Modell T längst ersetzt. Was also die selbstfahrenden Autos auf der Autobahn sind, sind die Algos und der computerisierte Handel an der Wall Street. Eine Herausforderung auch für mich als Börsenberichterstatter. Selbst wenn ich die Impulsgeber des Marktes kenne und identifizieren kann, heißt es noch lange nicht, dass es der Zuschauer auch versteht.

Da so mancher Verbraucher nicht einmal das Wort Konto schreiben kann, muss nicht nur die Berichterstattung neu erfunden werden, vielmehr muss sich die Art und Weise wie das Thema der Geldanlage insgesamt transportiert wird, überdacht werden. Eine tolle Chance für diejenigen, die früh genug bereit sind, eine neue und kreative Perspektive einzunehmen. Geld ist und bleibt, ganz egal wie modern die Technologie dahinter sein mag, ein emotionsgeladenes Thema. Der Erklärungsbedarf nimmt nicht ab, sondern zu. Zumal wir in einer Zeit der wachsenden Skepsis leben. Damit einhergehend gewinnt die Kunst des Storytelling an Bedeutung.

Wenn wir Menschen eine wesentliche Chance im Zusammenspiel mit den Maschinen haben – dann durch unsere Kreativität. Brechen wir den Status quo auf, gehört uns die Zukunft. Wie Pablo Picasso einst sagte: Lerne die Regeln wie ein Meister, damit du sie wie ein Künstler brechen kannst.