ExklusivFosun interessiert sich für deutsche Clubs

Der chinesische Finanzinvestor Fosun interessiert sich für einen Einstieg in die Fußball-Bundesliga. Wie Capital aus Finanz- und Bundesligakreisen erfuhr, hat die Beteiligungsfirma seit 2015 mit mindestens sechs Vereinen Gespräche geführt. Bei mehreren davon ging es auch um ein mögliches Engagement als Investor. Bei den Clubs handelt es sich um Werder Bremen, Borussia Dortmund, Hertha BSC, VfL Wolfsburg, Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach. Zu einem Abschluss ist es bislang allerdings nicht gekommen. Fosun wäre der erste chinesische Investor in der Bundesliga.

Das Interesse an deutschen Vereinen passt in die Strategie von Chinas größtem privaten Finanzkonglomerat. Fosun ist seit einiger Zeit auf großer Einkaufstour in Europa und hat unter anderem die deutsche Privatbank Hauck & Aufhäuser übernommen. Zu seinen Geschäftsfeldern zählt neben Finanzen auch ein Bereich namens „Health and Happiness“. Darunter fallen Beteiligungen an den Touristikunternehmen Thomas Cook und Club Med sowie am Cirque du Soleil. Zudem gilt Fosun-Eigentümer Guo Guangchang, der oft als „chinesischer Warren Buffett“ bezeichnet wird, als großer Fußballfan. Im vergangenen Sommer hat Fosun bereits den englischen Club Wolverhampton Wanderers gekauft – der allerdings nur in der zweiten Liga spielt.

Auch bei vielen Bundesligisten besteht großes Interesse an Investoren aus China, um in der Auslandsvermarktung den Abstand zu den führenden Ligen aus England und Spanien zu verkleinern. Bei der Investorensuche geht es den Clubs nicht nur um Eigenkapital, sondern auch um Partner für ihr Merchandising im Ausland sowie Hilfe bei der Akquise von Sponsoren aus der Region. Dabei steht – neben Nordamerika – ganz besonders China im Fokus: Seit Staats- und Parteichef Xi Jinping vor zwei Jahren als Staatsziel ausgegeben hat, sein Land zu einer Fußball-Großmacht zu machen, fließt dort sehr viel Geld ins Fußballgeschäft – nicht nur, um neue Stars aus Südamerika und Europa mit Wahnsinnsgehältern in die chinesische Super League zu locken.

Wolfsburg winkt ab

Von den 18 aktuellen deutschen Erstligisten nehmen 14 als Kapitalgesellschaften am Spielbetrieb teil und sind damit zumindest grundsätzlich offen für Investoren. Mit knapp der Hälfte davon hat Fosun Gespräche geführt. Mit einigen besteht der Kontakt bis heute. Nach Capital-Informationen waren mindestens zwei Vereine auch bereits mit Delegationen zu Besuch in der Fosun-Zentrale in Schanghai. Bei anderen Clubs ist eine Kapitalbeteiligung des Finanzinvestors inzwischen kein Thema mehr – etwa beim VfL Wolfsburg.

Dessen Eigentümer VW hat zwar unter anderem als Reaktion auf die finanziellen Belastungen durch die Dieselaffäre entschieden, dem Club deutlich weniger Geld zur Verfügung zu stellen als bislang. Er will aber keine Anteile an der VfL Wolfsburg Fußball GmbH verkaufen. Auch bei Borussia Mönchengladbach kommen die Chinesen dem Vernehmen nach nicht zum Zug. Fosun wollte sich zu den Informationen auf Anfrage nicht äußern. Man kommentiere keine Marktgerüchte, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Fosun-Eigentümer Guo Guangchang (l.) auf der Tribüne des Fosun-Clubs Wolverhampton
Fosun-Eigentümer Guo Guangchang (l.) auf der Tribüne des Fosun-Clubs Wolverhampton
© Getty Images

Bestandteil des Fußball-Engagements von Fosun ist eine Kooperation mit der Firma Gestifute des Multi-Spielerberaters Jorge Mendes (Cristiano Ronaldo, James Rodriguez, José Mourinho). Vergangenes Jahr kaufte eine Fosun-Tochter einen Minderheitsanteil an Gestifute. Umgekehrt ist Mendes, den Guangchang als Freund bezeichnet, nun an Fosun beteiligt. Der umstrittene Berater mischte auch bei der Übernahme der Wolverhampton Wanderers mit, für die der Finanzinvestor im Sommer 45 Mio. Pfund gezahlt hat.

Die Bundesligaclubs, mit denen die Chinesen Gespräche geführt haben, werden um ein Vielfaches höher bewertet als der englische Zweitligist. Beim Einstieg des US-Finanzinvestors KKR vor drei Jahren lag beispielsweise die Unternehmensbewertung der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA bei rund 220 Mio. Euro. Sie dürfte heute deutlich höher liegen. Bei Werder Bremen ergab eine Due Diligence für die SV Werder Bremen GmbH & Co. KGaA vor einigen Monaten eine Bewertung von etwa 300 Mio. Euro.

Anders als im Falle englischer Clubs steht für Investoren in der Bundesliga allerdings nur eine Minderheitsbeteiligung ernsthaft zur Debatte, solange die sogenannte 50+1-Regel gilt. Diese deutsche Besonderheit, die verhindert, dass Investoren die Stimmenmehrheit bei einer Kapitalgesellschaft in der Ersten oder Zweiten Bundesliga übernehmen können, ist auch einer der Gründe, warum die Gespräche von Fosun mit den zahlreichen Vereinen bisher ohne Abschluss blieben. „50+1 ist ein großes Thema“, sagte ein Liga-Insider.

Ausnahmen bei der 50+1-Regel gelten derzeit nur für wenige bestehende Investoren, etwa für den Chemiekonzern Bayer in Leverkusen, VW in Wolfsburg und Hoffenheim-Eigentümer Dietmar Hopp. In anderen großen Ligen, etwa in der  Premier League, gibt es keine vergleichbaren Beschränkungen. Um die 50+1-Regel gibt es deshalb immer wieder Diskussionen. Viele Bundesliga-Manager fordern ihre Abschaffung, weil sie darin ein Wettbewerbshemmnis sehen. Bislang halten DFB und DFL jedoch an der bestehenden Regelung fest.

500 Millionen Fußballfans

China und seine schätzungsweise 500 Millionen Fußballfans stehen aber auch im Fokus des DFB und der DFL, die für die Vermarktung der Ersten und Zweiten Bundesliga im In- und Ausland zuständig ist. Im November haben DFB und DFL ein Partnerschaftsabkommen mit dem chinesischen Fußballverband unterzeichnet – flankiert von beiden Regierungen und in Anwesenheit der Bundeskanzlerin und der chinesischen Vize-Regierungschefin. Das Abkommen sieht unter anderem Unterstützung im Nachwuchsbereich, bei der Ausbildung von Trainern und Schiedsrichtern sowie in der Ligaorganisation vor. Bis 2019 soll auch die  Nationalmannschaft ein Testspiel in China bestreiten.

Aufseiten der deutschen Clubs sind bislang vor allem die kapitalstärksten und bekanntesten Vereine auf dem chinesischen Markt präsent. Bayern München hat im vergangenen Jahr ein Büro in Schanghai eröffnet und den Aufbau einer ersten Fußballschule in Qingdao angekündigt. Borussia Dortmund ist bereits seit 2014 mit einer Repräsentanz in China vertreten – so wie einige Topclubs aus England und Spanien, die in Hongkong sitzen. Der FC Bayern und der BVB werden im Juli in der Saisonvorbereitung zudem erneut mehrere Testspiele in China austragen.

Auch Werder Bremen war in der Vergangenheit bereits auf China-Tour. Der FC Schalke 04 zieht in diesem Sommer nach. Der 1. FC Köln gab erst am Samstag eine Kooperation mit dem Erstliga-Club Liaoning FC aus Shenyang bekannt. Eine ähnliche Partnerschaft unterhält der HSV seit Mitte 2016 mit dem Super-League-Club SIPG aus der Hamburger Partnerstadt Schanghai. Dabei liegt der Fokus auf dem Know-how-Austausch im Nachwuchsbereich. Auch Bayer 04 Leverkusen engagiert sich neuerdings im chinesischen Nachwuchs- und Frauenfußball.

Newsletter: „Capital- Die Woche“

Jeden Freitag lassen wir in unserem Newsletter „Capital – Die Woche“ für Sie die letzten sieben Tage aus Capital-Sicht Revue passieren. Sie finden in unserem Newsletter ausgewählte Kolumnen, Geldanlagetipps und Artikel von unserer Webseite, die wir für Sie zusammenstellen. „Capital – Die Woche“ können Sie hier bestellen: