UnternehmenFoodtech - Fleischgenuss ohne schlechtes Gewissen

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In Deutschland fehlen dem Foodtech-Sektor die Investoren

Eines ist all diesen Bio-Tech-Start-ups gemein: Sie wollen Fleisch und tierische Nahrungsmittel ohne die hässlichen Seiten der Tier- und Fleischwirtschaft produzieren. Also Fleisch-, Milch- und Ei-Genuss ohne Tierquälerei, ohne Ressourcenverschwendung und ohne negative Auswirkungen auf die dritte Welt, die unter dem exzessiven Futtermittelanbau leiden muss.

Und noch eine Gemeinsamkeit haben die obengenannten Beispiele: Keines von ihnen kommt aus Deutschland. Das liegt allerdings keineswegs an dem seit ein paar Jahren zu beobachtenden Trend eines rückläufigen Fleischkonsums hierzulande. Schließlich verzehren die Deutschen pro Kopf durchschnittlich immer noch rund 60 Kilo pro Jahr. Vielmehr leidet der Foodtech-Sektor unter den gleichen Umständen wie der restliche deutsche Biotechnologiemarkt: Es fehlt an Kapital um die jungen Unternehmen anzuschieben. Die Venture Capital-Investoren finanzieren lieber Digital-Startups – zuletzt verstärkt im Bereich Finanztechnologien.

Dieses Investitionsverhalten birgt jedoch Risiken. Zum Beispiel für die Fondsbetreiber selbst. Die wachsende Weltbevölkerung wird die konventionelle Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion auf Sicht an ihre Grenzen bringen. Wer dann mit neuen Technologien und Lösungen, die weniger Ressourcen benötigen – beispielsweise verbraucht die Herstellung eines Kilos Rindfleisch rund 15.000 Liter Wasser –, bereits am Markt ist, hat einen klaren Vorteil gegenüber Mitbewerbern, die zu dem Zeitpunkt erst in die Forschung und Entwicklung einsteigen. Gleichzeitig ist man dann ein attraktives Übernahmeziel für Konzerne. Welche Bedeutung diese der Ernährung von bald acht Milliarden Menschen beimessen, veranschaulicht die geplante Übernahme von Monsanto durch den deutschen Bayer-Konzern für voraussichtlich 66 Milliarden Euro.

Deutschland als Verlierer auf dem Foodtech-Markt?

Ein weiteres Risiko der Investitionsschüchternheit: Zwar macht die Landwirtschaft weniger als ein Prozent des bundesdeutschen Bruttoinlandsprodukts aus, doch läuft man Gefahr, beim Thema Foodtech international abgehängt zu werden. Wieder einmal. Nachdem bereits Internetservices wie Suchmaschinen und soziale Netzwerke oder die Biotechnologie von Unternehmen aus den USA dominiert werden. Da scheint es fast schon paradox, dass in der Diskussion um das Freihandelsabkommen TTIP in Deutschland wieder und wieder der Aspekt der Landwirtschaft und die Sorge um eine Sicherstellung der Nahrungsmittelqualität angeführt wurde.

Auch wenn (international) die ersten Ergebnisse durchaus vielversprechend erscheinen, noch hapert es an den Kosten und wohl bisweilen auch am Geschmack. Klappt es aber mit dem künstlich gezüchteten Fleisch, dann ist das Potential für die Disruption der gesamten Nahrungsmittelindustrie riesig. Auch vor dem Hintergrund, dass diese Fleischprodukte in der Herstellung ohne Antibiotika und Wachstumshormone auskommen.