Inflation4 Gründe für die Preiswelle bei Lebensmitteln

An der Warenterminbörse von Chicago (Chicago Mercantile Exchange) werden wie in New York und London die wichtigsten Agrarrohstoffe gehandelt.
An der Warenterminbörse von Chicago (Chicago Mercantile Exchange) werden wie in New York und London die wichtigsten Agrarrohstoffe gehandelt. Imago / Zuma Wire

Aktuell spielen Lebensmittel bei der steigenden Inflation nur eine untergeordnete Rolle. Kaffee wird teurer und im Milchpreis ist Bewegung. Aber wenn die Inflationsrate, wie prognostiziert, zum Jahresende um die vier Prozent erreicht, wird die Preiswelle auf dem Weltmarkt den Endverbraucher erreichen. Und die ist nicht zu unterschätzen: Die globalen Erzeugerpreise kletterten auf Jahresbasis bis Mai 2021 beständig nach oben. Erstmals gab der Index der Welternährungsorganisation FAO im Juni etwas nach. Was bleibt, ist eine durchschnittliche Verteuerung von etwa 34 Prozent.

Die Abhängigkeiten im globalisierten Ernährungssystem sind weitreichend. Laut FAO werden in diesem Jahr voraussichtlich Nahrungsmittel im Wert von 1,9 Billionen US-Dollar von Ländern der ganzen Welt importiert. Es dauert etwa sechs bis zwölf Monate, bis sich die Weltmarktpreise zeitversetzt im Einzelhandel niederschlagen, schätzt der Internationale Währungsfonds (IWF). Zu spüren sei das dann zu etwa 20 Prozent.

Fest stehe jedoch, dass Lebensmittel die Inflation bis Ende 2021 anheizen werden. Spätestens 2022 legen die Verbraucherpreise deutlich zu, so die IWF-Prognose – wenn auch moderat in Industrieländern, verglichen mit Entwicklungs- und Schwellenländern. Denen steht teilweise schon heute eine schwere Preisexplosion ins Haus, zumal Menschen dort zwei Drittel ihres Einkommens und mehr für Nahrung ausgeben müssen.

Vier Preistreiber

Aber warum ist die Preisfindung für Agrarrohstoffe angebots- und nachfrageseitig so aus dem Ruder gelaufen? Als die erste globale Pandemiewelle ihren Lauf nahm, füllten im vergangenen Frühjahr große Importeure ihre Lagerbestände, um Versorgungsengpässen vorzubeugen. Das wirkt Ökonomen zufolge seit vergangenem Sommer bis heute nach: auf Erzeugerpreise von Ölsaaten wie Soja oder Raps bis hin zu Mais und Weizen. In allen Erdteilen kam es zu Hamsterkäufen, bis klar war, dass es keine Nahrungsmittelkrise geben würde.

Mit abklingender Pandemie kaufte China Getreide, Fleisch und Tierfutter in großen Mengen, gibt der IWF als zweiten Grund der Preiswelle an. Zugleich verknappte die jüngste „La Niña-Episode“ – und ihre wetterbedingten Einflüsse – die Ernteerwartungen in gleich mehreren wichtigen Exportländern, darunter Argentinien, Brasilien, Russland, Ukraine und die USA. Ein vierter Treiber der Preiswelle ist der Anstieg der Erdölpreise und der Kraftstoffverbrauch: Das trieb auch die Nachfrage nach Biosprit an und verknappte das Angebot von Mais und Soja, weil mehr an die Ethanolwirtschaft verkauft wurde.

Ein Blick auf die Preisspitzen bei kritischen Grundnahrungsmitteln: