Die Höhle der LöwenFamily Business: Wie man Familie und Start-up unter einen Hut kriegt

Drei Kinder und ein Start-up: Langeweile herrscht bei den Neumanns nicht
Drei Kinder und ein Start-up: Langeweile herrscht bei den Neumanns nichtTobias Kruse

Am Eingang steht eine kulleräugige Birne, groß wie ein Kühlschrank. Im Veranstaltungsraum direkt dahinter wartet eine Kinderecke mit Kissen, Büchern, Spielsachen. Die Wände sind mit Obstgirlanden dekoriert. Sieht aus wie eine Kita. Ist aber ein Berliner Start-up. Und zwar eines von der dynamischeren Sorte.

An der langen Holztafel klappen Natacha und Alexander Neumann ihre MacBooks zu. Ein Termin ist vorbei, direkt folgt der nächste. Es gibt viel zu tun, wenn man eine neue Lebensmittelkategorie in Deutschland etabliert. Wie es die Neumanns getan haben, die Gründer und Gesch.ftsführer von Erdbär. Unter der Marke Freche Freunde vertreibt ihr Unternehmen etwas völlig Neues: Snacks aus Obst und Gemüse, die von Kindern geliebt werden.

Bisher verliefen die Fronten ja so: Es gibt Snacks voll Fett und Zucker, hier müssen Eltern vor allem kontrollieren. Oder es gibt Obst und Gemüse. Hier müssen sie meist zwingen. Die Neumanns dachten: Das muss auch anders gehen. Sie haben die Front überwunden – und so das Fundament des Erfolgs ihrer Frechen Freunde gelegt.

Das allein wäre erstaunlich genug. Doch sie haben nicht nur ein Unternehmen gegründet und groß gemacht, sondern auch eine Familie: Die beiden sind verheiratet und Eltern von drei Kindern. Oft langt ja schon eine dieser Herausforderungen – Unternehmensgründung oder Kinderkriegen –, dass Partner einander an die Gurgel gehen. Die Neumanns hingegen strahlen eine solche Tiefenentspannung aus, dass man sich unwillkürlich fragt: Wie haben die das bloß auf die Reihe bekommen?

Obst mit Kulleraugen

Vor rund 15 Jahren lernen sich die Französin und der Deutsche während des Studiums in London kennen. Nach dem Abschluss gehen beide ins Marketing: Natacha zum Pharmakonzern GlaxoSmithKline, Alexander zum Nahrungsmittelriesen Nestlé. Sie verdienen gut, machen Karriere – zum Preis, den man in der Konzernwelt bezahlt: Sie sind winzige Rädchen in riesigen Getrieben. Könnte man nicht was Eigenes starten? Gemeinsam etwas bewegen? Aber was?

Die Neumanns beschließen, sich für gesunde Kindernahrung einzusetzen. Alexander kennt die Branche und ihre Produkte von seiner Arbeit bei Nestlé.

Mitte 2010 kündigen sie. Nach einem halben Jahr Weltreise ziehen sie nach Berlin. Es folgt eine Experimentierphase in ihrer Küche, Maßgabe: alles bio, ohne Zusätze, ohne extra Zucker. Und vor allem: So spaßig aufgemacht, dass Kinder Lust drauf haben – trotz der Vitamine.