KommentarFacebooks Libra sorgt für Aufregung beim G7-Gipfel

Mit Libra will Facebook die Finanzwelt aufmischen
Mit Libra will Facebook die Finanzwelt aufmischenGetty Images

Im Jahr 1957 trat in Deutschland das Bundesbankgesetz in Kraft. Es regelt das Währungsmonopol des Staates, exekutiert durch die Bundesbank. Wer es antastet, also „Geldzeichen ausgibt, die im Zahlungsverkehr an die Stelle der DM treten, dem droht eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren“.

So einfach war die Welt einmal. Natürlich ist mit dem Gesetz Facebook-Chef Mark Zuckerberg und seinem Versuch, eine neue Weltwährung Libra zu etablieren, heute nicht beizukommen. Auch wenn so mancher Notenbanker oder Finanzminister den Chef des sozialen Netzwerks am liebsten, wenn nicht hinter Gittern, so doch offline sehen würde. Doch die DM ist längst passé, neue Anbieter von digitalen Währungen sind aufgetaucht, und mit Facebook rüttelt ein Tech-Gigant erstmals mit Gewalt am Währungsmonopol des Staates.

Doch was tun? Laufenlassen? Kleinregulieren? Bloß wie? Es sind die Fragen, mit denen sich Notenbanker und Finanzminister nun weltweit beschäftigen. Es war das Thema mit dem höchsten Aufregungspotenzial auf dem G7-Gipfel in dieser Woche in Chantilly bei Paris.  Ein Treffen, bei dem sich alle gegenseitig ihrer „schweren Bedenken“ versicherten und vereinbarten nun rasch zu prüfen, ob die Regeln reichen, das Unterfangen zu kontrollieren. Ober ob es neuer Regeln bedürfe, Facebook dabei zu stoppen, die Welt zu beherrschen.

Doch wie gefährlich ist Libra überhaupt? Geht es nach Plan, wird Facebook sein neues Zahlungsmittel Anfang nächsten Jahres herausbringen. Dann können die rund 2,4 Milliarden Facebook-Nutzer Libra kaufen, verkaufen, halten, und sie können binnen kürzester Zeit über Whatsapp und andere Messengerdienste grenzüberschreitend zahlen. Ein Tipp aufs Smartphone genügt. Schnell, günstig, simpel. Eine Innnovation ohne Zweifel, längst überfällig, wie auch Finanzminister- und Notenbanker der G7-Länder einräumen, die nun endlich auch die Banken aufscheucht, bessere Angebote im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr zu machen. Hilfreich vor allem für Menschen in Schwellenländern, die häufig Smartphones, aber kein Bankkonto haben. Damit bietet Facebook Finanzdienstleistungen an, so wie das die beiden chinesischen Internet-Giganten WeChat and Alibaba in China schon längst machen. Währungsschwankungen dürften dabei gering sein, denn anders als Bitcoin ist Libra gebunden an einen Korb realer Währungen. Außerdem verspricht Facebook, dass Transaktionen mit Libra anders als bei Bitcoin keine Stromfresser sind. So weit, so positiv.

Risiken des Libra-Plans

Schiefgehen kann in der Praxis trotzdem einiges. Es gebe ein Kreditrisiko, wenn der Anbieter beim Rücktausch nicht zahlungsfähig ist und ein Wechselkursrisiko, wenn das Geld nicht ausschließlich an die Heimatwährung des Nutzers gekoppelt sei, urteilt Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Die Zentralbanken prüften derzeit, ob Risiken für die Finanzstabilität entstünden.

Angst macht den Finanzministern und Währungshütern aber vor allem ein anderer Punkt: Wenn alle Facebook-Nutzer Libra nutzen, wäre das Unternehmen sehr schnell eine der größten Finanzinstitutionen der Welt, die kraft ihrer schieren Größe die Souveränität von Staaten bedroht. Regierungen, die es gewohnt sind, über ihre Notenbanken ihre Staatschulden zu finanzieren und über Geldpolitik ihre Wirtschaft ankurbeln, könnten darin eingeschränkt werden, so die Sorge. Vor allem dann, wenn Facebook sein Angebot ausweitet und weitere Bankfunktionen plant wie etwa Kreditvergabe, was denkbar ist, auch wenn es dazu einer Banklizenz bedarf. Zumal Facebook in der Vergangenheit mit mangelnder Datensicherheit und Fake News nicht gerade die Demokratie gefördert hat.

Ein positiver Währungswettbewerb, wie ihn einst der Liberale Friedrich August von Hayek erträumte, entstünde dadurch aber nicht. Denn Facebook ist ein dominanter Akteur in einem Bereich, der nun seine Macht nutzt, um das Währungsmonopol zu knacken. Es gebe keinen Grund für Alarmismus, aber für Wachsamkeit, so Bundesbankpräsident Weidmann: „Es geht nicht darum, unachtsam innovative Konzepte zu unterdrücken.“