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Weltwirtschaft G7 oder BRICS: Wer hat mehr Einfluss auf die Weltwirtschaft?

Ein Pult mit dem Symbol der G7 und den Flaggen der Mitgliedsstaaten im Hintergrund
Ein Rednerpult steht vor den Flaggen der G7 mit Schloss Elmau im Hintergrund
© IMAGO / Eibner Europa
Auf Schloss Elmau machten die G7 wie selbstverständlich Weltpolitik. Doch sind die Industriestaaten immer noch die global bestimmenden Wirtschaftsmächte? Ein Blick auf die Kennzahlen

Wer sind diese G7-Länder, dass sie in exklusiver Runde über weltpolitische Fragen debattieren und entscheiden? Abgesehen von der politischen Frage, ob sie moralisch oder völkerrechtlich ein Mandat haben oder je hatten: Ist die Gruppe der sieben großen westlichen Industrieländer noch ein wirtschaftliches Schwergewicht, das seine Vorstellungen überhaupt weltweit durchsetzen kann? Seit vielen Jahren schon wird der Niedergang der wirtschaftlichen Vorrangstellung des Westens und das Ende der Dollar-Herrschaft über das globale Finanzsystem vorhergesagt. Vor allem im Konflikt mit Russland und in einem sich zusehends abkühlenden Verhältnis zu China stellt sich die Frage, ob beispielsweise Sanktionen der G7 so wirkungsvolle Waffen sind, wie die Staats- und Regierungschefs dieser Staaten das glauben machen wollen.

Auf die Größe der Bevölkerung können sich die G7 für ihren Führungsanspruch nicht berufen. Mit rund 770 Millionen Einwohnern repräsentieren die G7 nicht einmal ein Zehntel der Weltbevölkerung. In China und Indien leben jeweils fast doppelt so viele Menschen. Gemeinsam stellen die BRICS-Staaten – Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika –, die sich kürzlich demonstrativ als Gegengruppe zu den westlichen Führungsmächten der G7 zu einem eigenen Gipfel trafen, gut 40 Prozent der gesamten Menschheit.

Bei der wirtschaftlichen Größe sieht es jedoch ganz anders aus. Zwar hat China in den vergangenen Jahrzehnten ein beeindruckendes Wachstum hingelegt, bei der Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegen die USA allerdings weiter deutlich vorn. Noch größer ist der Gewichtsunterschied beim Vergleich der Staatengruppen G7 und BRICS. Das BIP der sieben westlichen Industriestaaten ist mehr als 50 Prozent größer als das der aufstrebenden Schwellenländer. Zusammen erwirtschaften die G7 nur etwas weniger als die Hälfte der gesamten Weltwirtschaftsleistung von gut 93 Billionen US-Dollar. 

Lange hatten Ökonomen erwartet, dass China in den 2020er Jahren zur größten Wirtschaftsmacht der Erde aufsteigt und auch die anderen großen Schwellenländer wie Indien und Brasilien die gemessen an der Bevölkerungszahl viel kleineren Industriestaaten Japan und Deutschland einholen. Danach sieht es derzeit allerdings nicht mehr aus. Chinas Wachstumstempo hat sich nicht erst seit der Corona-Pandemie deutlich verlangsamt. Brasiliens Wirtschaft war nach dem Boom im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts heftig eingebrochen. Auch Indien konnte die hohen Wachstumserwartungen nicht erfüllen. 

China hat sich allerdings insbesondere durch seine Warenexporte zu einer globalen Wirtschaftsmacht entwickelt. Mit einem Anteil von fast 15 Prozent hat es als „Exportweltmeister“ die USA und Deutschland auf die Ränge zwei und drei verdrängt. Gemeinsam mit der Sonderverwaltungszone Hongkong führt China mehr Waren aus als die USA und Deutschland zusammen. Die G7 bringen als Handelsmächte gemeinsam zwar etwas mehr Gewicht auf die Waage als die BRICS-Staaten. Von einer Dominanz kann in diesem Bereich allerdings nicht die Rede sein.

Einen Bereich gibt es allerdings, in dem der Westen weiterhin die Welt völlig dominiert: das Finanz- und Währungssystem. Obwohl China inzwischen unbestreitbar eine Wirtschafts- und vor allem Handelsmacht ist, spielt die chinesische Währung Renminbi (Yuan) global nur eine untergeordnete Rolle. Der US-Dollar ist nach wie vor die Währung, in der die Preise der meisten international gehandelten Waren ausgezeichnet und bezahlt werden. 

Das ist nicht nur ein Erbe vergangener Jahrzehnte, als das wirtschaftliche Übergewicht der USA und ihrer Verbündeten noch größer war. Die internationale Rolle des Dollars und in etwas geringerem Maße des Euro, Yen und britischen Pfunds beruht auch auf der Offenheit der jeweiligen Finanzsysteme. Chinas Führung begrenzt internationale Kapitalflüsse und den Handel mit dem Yuan dagegen. Das macht ihn beispielsweise als Reservewährung für Zentralbanken uninteressant.

Über Jahrzehnte haben die westlichen Wirtschaftsmächte zudem ein gigantisches Vermögen im Ausland, das heißt Ansprüche an anderen Volkswirtschaften angehäuft. Zwar hat auch China durch Auslandsinvestitionen und vor allem durch seine hohen Exportüberschüsse ein beträchtliches Auslandsvermögen aufgebaut. An die mehr als 32 Billionen Dollar Brutto-Forderungen der USA an andere Volkswirtschaften und über 90 Billionen der G7 insgesamt kommen China und die BRICS nicht annähernd heran. 

Dieser Beitrag ist zuerst auf ntv.de erschienen.


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