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Russlandsanktionen der G7 Warum das geplante Gold-Importverbot kaum etwas ändern dürfte

10-Gramm-Goldbarren im Krastsvetmet-Werk im russischen Krasnojarsk, einem der größten Goldproduzenten der Welt
10-Gramm-Goldbarren im Krastsvetmet-Werk im russischen Krasnojarsk, einem der größten Goldproduzenten der Welt
© IMAGO / ITAR-TASS
Einige G7-Staaten wollen Russland, einen der wichtigsten Goldproduzenten der Welt, von ihren Märkten ausschließen. Aber ist solch ein Verbot mehr als reine Symbolpolitik? Experten hegen Zweifel

Ein geplantes Importverbot für russisches Gold hat unter anderem die Schlagzeilen des G7-Gipfels in Elmau bestimmt. Das Vorhaben ist nach Ansicht von Analysten aber „weitgehend symbolisch“, da die entsprechenden Warenströme durch die Sanktionen bereits massiv eingeschränkt seien. Die USA, Großbritannien, Japan und Kanada wollen das Verbot während des seit Samstag andauernden Gipfels ankündigen. Die britische Regierung erklärte bereits am Wochenende, dass „diese Maßnahme weltweite Auswirkungen haben wird und den Rohstoff von den offiziellen internationalen Märkten ausschließen“ werde. Doch Analysten spielten die möglichen Auswirkungen herunter: Die London Bullion Market Association (LBMA), die die Standards für diesen Markt festlegt, hatte russische Goldraffinerien im März bereits von der Liste der zugelassenen Unternehmen gestrichen.

Goldbarren stiegen am Montag um bis zu 0,8 Prozent im Preis – aufgrund eines schwächeren Dollars. Die Nachricht zu dem Importbann könnte die Preise zunächst etwas gestützt haben, doch die meisten Analysten halten es für unwahrscheinlich, dass die Sanktionen längerfristige Auswirkungen haben werden. „Die Auswirkungen eines Verbots russischer Goldimporte durch die G7-Staaten dürften ziemlich begrenzt sein, da die Industrie bereits Schritte unternommen hat, um russisches Gold zu beschränken“, sagte Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei ING. „Es sieht so aus, als wäre es weitgehend symbolisch.“

Russland ist von zwei großen Goldmärkten ausgeschlossen

Der Goldpreis kletterte bis kurz nach 10 Uhr in London um 0,6 Prozent auf 1838,17 Dollar je Unze. In der vergangenen Woche war der Goldpreis um 0,7 Prozent gefallen, nachdem der Präsident der US-Notenbank  Jerome Powell erklärt hatte, der Einsatz der Fed bei der Eindämmung der Inflation sei „bedingungslos“. „Obwohl der Goldpreis heute Morgen positiv auf die Nachricht reagiert hat, sehen wir eine begrenzte fundamentale Auswirkung eines Verbots“, sagte Carsten Menke, Analyst bei Julius Bär. „Das liegt an der geringen Relevanz des Angebots für die Goldpreisbildung.“

Die bisherigen Maßnahmen der LBMA und die Sanktionen gegen russische Banken nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine haben Russland, den zweitgrößten Goldminenbetreiber der Welt, vom europäischen und dem US-amerikanischen Markt bereits weitgehend ausgeschlossen. Ein G7-Beschluss würde eine völlige Trennung zwischen dem Land und den beiden weltweit wichtigsten Handelsplätzen London und New York bedeuten. Russisches Gold ist auf den westlichen Märkten bereits zum Tabu geworden. Und die Schweizer Goldbranche musste dementieren, für angebliche Importe aus diesem Land verantwortlich zu sein. 

Laut Vivek Dhar, Rohstoffanalyst bei der Commonwealth Bank of Australia, formalisiere ein Verbot nur, „was durch die Sanktionen bereits weitgehend in Kraft ist“. Er erwarte nicht, dass es die Goldpreise wesentlich nach oben treiben werde. Während der Goldpreis im März beinahe einen Rekordwert erreichte, da der Krieg in der Ukraine die Nachfrage nach der Krisenwährung ankurbelte, haben sich die Preise in diesem Jahr insgesamt kaum verändert, da die Zentralbanken ihre Geldpolitik straffen. Silber, Platin und Palladium legten am Montag zu.

© 2022 Bloomberg L.P.


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