VeranstaltungenIn der Eventbranche geht die Angst vor dem Kahlschlag um

Leere Halle, leerer Plakatständer in Düsseldorf. Die Veranstaltungs- und Eventbranche wartet weiterhin auf ihren Neustart
Leere Halle, leerer Plakatständer in Düsseldorf. Die Veranstaltungs- und Eventbranche wartet weiterhin auf ihren Neustartimago images / imagebroker

Restaurantbesuche, Sport im Freien und auch Urlaub in Deutschland sollen in den nächsten Wochen nach und nach wieder möglich sein. Für Gastronomen und Hotelbetreiber ein Grund zum Aufatmen. Für die Veranstaltungs- und Eventbranche bleibt die Lage dagegen weiterhin angespannt. Denn Großveranstaltungen sind bis zum 31. August tabu – und auch größere Feiern bleiben noch eine Weile verboten.

Die Branche ist eine der größten in der deutschen Wirtschaft. Laut dem Qualitätszirkel Veranstaltungs- und Eventstudium (QZVE) zählt sie zwei Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jährlich einen Umsatz von mehr als 70 Mrd. Euro erwirtschaften. Je nach Definition könnten die Zahlen aber noch höher ausfallen. Denn kaum eine Branche umfasst so viele verschiedene Berufs- und Unternehmensgruppen.

Auch das Ausmaß des Schadens für die betroffenen Unternehmen lässt sich noch nicht abschätzen. In einer Studie zur Lage der Veranstaltungsbranche des Research Institute for Exhibition and Live-Communication (Rifel) heißt es, dass der Markt um mindestens 50 Prozent schrumpfen könnte. Dieses Szenario gelte aber nur, wenn es noch im Mai grünes Licht für künftige Veranstaltungen gebe – und der Betrieb ab September wieder anlaufen könne. Allein für den Messebau schätzte das Institut den Schaden von Ende Februar bis Anfang März auf 426 Mio. Euro. Zum Vergleich: Normalerweise erwirtschaften die 5000 Unternehmen mit 150.000 Arbeitskräften 3,2 Mrd. Euro pro Jahr.

Exit-Strategie für die Eventbranche nötig

Noch ist aber unklar, wie es nach dem 31. August weitergehen soll – das schürt die Unsicherheit der Kunden und Unternehmen. „Die größte Hilfe sind klare Regeln“, sagt Detlef Wintzen, Vorstandsmitglied des Famab Kommunikationsverbands und Geschäftsführer der Eventagentur Insglück. Lange Zeit sei Politik auf Sicht der nächsten Wochen passiert. „Das war für den Beginn der Krise in Ordnung, aber auf Sicht fahren, hilft den Unternehmen gerade nicht mehr“, sagt Wintzen.

Nun brauche es einen klaren Plan, mit klaren Fristen und Kriterien. Auch bei der Art der Veranstaltung müsse stärker differenziert werden. „Oft werden Messen und Events mit Oktoberfest und Karneval in einen Topf geworfen“, kritisiert er. Die Eventbranche setze aber bereits auf Regulierungen, die auch die Übernahme von Sicherheits- und Hygienekonzepten erleichtern. „Wir sind in der Lage, sehr bewusst mit der Situation umzugehen und keinen Gefahrenherd zu bieten“, sagt Wintzen.

Der Famab hat deshalb Initiative ergriffen und sich mit Studien und Kriterien für Lockerungen an Ministerien und Abgeordnete gewandt. „Natürlich trommeln viele Branchen auf die Politik ein und wollen Unterstützung“, sagt Wintzen. Damit die deutsche Wirtschaft wieder in Bewegung komme, sei die Veranstaltungsbranche aber elementar. „Die Wirtschaft wird nur angekurbelt, wenn Menschen zusammenkommen, sich austauschen und zum Beispiel Geschäfte machen können.“