KolumneWarum Deutschland besser durch die Corona-Krise kommt

Bundeskanzlerin Angela Merkel steht an ihrem Platz während der Debatte zur Corona-Pandemie im Bundestag
Bundeskanzlerin Angela Merkel steht an ihrem Platz während der Debatte zur Corona-Pandemie im Bundestagimago images / IPON

Mit Glück und Verstand kommt Deutschland bisher offenbar besser durch die Zeit des Virus als nahezu jedes andere große Land der Welt. Gemessen an der Zahl der Todesfälle als auch an der Tiefe der Rezession kommen wir vergleichsweise glimpflich davon. Zwar ist bei uns der wirtschaftliche Schaden bisher wohl leicht ausgeprägter als in den USA. Dafür liegt in den USA die Zahl der Corona-Todesfälle mit 255 pro eine Million Einwohner weit über dem deutschen Wert von 95.

Damit sich die Folgen dieser in Friedenszeiten so noch nie dagewesene Krise uns auch weiterhin in Grenzen halten, müssen wir allerdings zwei große Fehler vermeiden: Wir dürfen die Restriktionen nicht so überstürzt lockern, dass uns eine zweite Riesenwelle der Pandemie erneut zu harten und langen Eingriffen in das Wirtschaftsleben zwingen würde. Der Vertrauensverlust in politische Entscheidungsträger und der Schaden für die Konjunktur wären enorm. Und wir dürfen nicht mutwillig eine neue Eurokrise heraufbeschwören. Noch stehen die Chancen gut, dass wir dies trotz des unsäglichen Urteils des Bundesverfassungsgerichtes zur Geldpolitik und des Widerstandes gegen Corona-Bonds schaffen können.

Deutschland hatte viel Glück in der Pandemie. Erstens waren wir durch die dramatischen Szenen aus Norditalien gewarnt, wo das Virus in Europa als erstes massiv zugeschlagen hat. Zweitens waren viele der ersten Virusträger in Deutschland offenbar relativ junge und gesunde Heimkehrer aus dem Skiurlaub, bei denen die Infektion zumeist harmlos verlief. Auch das gab uns Zeit, die Risikogruppen etwas besser zu schützen, als das vielen anderen Ländern gelungen ist. Drittens leben bei uns typischerweise weniger Menschen aus verschiedenen Generationen unter einem Dach als in Italien und Spanien, wo auch als Folge hoher Jugendarbeitslosigkeit junge Erwachsene oft noch bei den Eltern wohnen, teilweise zusammen mit den Großeltern.

Weniger drastische Einschränkungen

Auch Deutschland hat sich Fehler geleistet, zu denen auch bierselige Feiern zu Zeiten des bayrischen Kommunalwahlkampfes im März gehörten. Alles in allem hat die Bundesrepublik aber insgesamt relativ früh auf die Gefahr reagiert. Weil uns das Virus nicht mit der vollen Wucht getroffen hat, mit der es sich in Italien, Spanien und Frankreich ausgebreitet hat, konnten bei uns viele der Einschränkungen des öffentlichen Lebens weniger drastisch ausfallen als anderswo.

Zwar haben große Teile der Automobilindustrie Mitte März ihre Werke für mehr als vier Wochen geschlossen, da die Nachfrage ausblieb und einige Lieferketten unterbrochen waren. Aber anders als in Italien und Spanien haben Behörden keine zwangsweise Unterbrechung der Produktion anordnen müssen. Laut einer Übersicht der Universität Oxford hat Italien ab dem 22. Februar und Frankreich ab dem 17. März eine große Zahl von Arbeitsstätten geschlossen. In Deutschland war das nur in weit geringerem Umfang und erst ab dem 22. März der Fall.

 


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Das Ergebnis ist in Zahlen sichtbar: Als Folge eines dramatischen Einbruchs im März ist die Wirtschaftsleistung in Italien, Frankreich und Spanien im ersten Vierteljahr 2020 jeweils um etwa 5 Prozent gegenüber dem Vorquartal eingebrochen. Für Deutschland fällt der Rückgang mit 2,2 Prozent weit weniger heftig aus. Ohne den Sonderfaktor der Automobilwirtschaft, deren Produktion in Deutschland im März um 31 Prozent gegenüber dem Februar zurückgegangen ist, wäre das deutsche Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2020 nur unwesentlich geschrumpft.

Im zweiten Quartal dürfte es auch Deutschland knüppeldick treffen. Wir rechnen mit einem Minus von etwa 13 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Aber in Frankreich, Italien und Spanien könnte das BIP sogar um 17 Prozent oder mehr fallen.